28.10.2018

Predigt am 30. Sonntag B18


Weltmissionssonntag 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Warum missionieren? Die Frage ist nicht mehr leicht zu beantworten. Früher war das klar: Die Kirche verkündet die Wahrheit Gottes für alle Menschen. Und nur, wer in der Wahrheit ist, wird gerettet. Es ging also um die Wahrheit, die allein die Kirche hatte und die Bedingung zur Rettung war. Da wurde getauft auf „Teufel komm raus“.

 

2. Dieses Verständnis von der „allein seligmachenden Kirche“ haben wir heute so nicht mehr. Wir vertreten nicht mehr den alleinigen Wahrheitsanspruch, der Bedingung ist für ewige Glückseligkeit. Wir sind da bescheidener geworden. Wir kommen auch nicht mit einem Paket daher, auf dem „Wahrheit“ steht und drin ist der Katechismus und die Lehre die Kirche. In dem Sinn „haben“ wir die Wahrheit nicht eingepackt und fest verzurrt und wir wären nun im Besitz der Wahrheit und müssen diesen Besitz weitergeben. Wozu noch Missionierung? Dazu kommt noch ein zweites: Christentum wurde oft als bedrückend und belastend empfunden. Die vielen Gebote – dauern beichten - … , das war nicht gerade das, was glücklich machte. Mit Neid schaute man auf Nichtchristen, die ohne Gewissensbisse machen durften, was Christen nur mit schlechtem Gewissen machten. Warum sollte man für ein Christentum werben, das man selbst als belastend empfand? Und natürlich gab es auch gewaltsame Missionierungen. Unschöne Kapitel der Christenheit. All das für zu der Frage, warum sollten wir heute missionieren? Ist Missionierung nicht Ausdruck von Rechthaberei?

 

3. Ich glaube, das Problem ist, dass man mit Missionierung etwas missverstanden hat. Papst Franziskus hat das in seiner Botschaft zum Weltmissionssonntag 2017 angedeutet: „Bei der Mission der Kirche geht es also nicht um die Verbreitung einer religiösen Ideologie und auch nicht um Empfehlung einer auserlesenen Ethik.“ Um was also geht es? Der sogenannte Missionsbefehl Jesu steht im Matthäus-Evangelium: „Geht hinaus in alle Welt und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes macht alle Menschen zu meinen Jüngern“. Menschen zu Jüngern Jesu machen, nicht zu Mitgliedern der Kirche.

 

4. Was heißt das „Jünger Jesu“? Die Jünger waren Schüler, μαθητής, Schüler auf Deutsch. Schüler sein war aber früher nicht so sehr eine intellektuelle Aneignung eines Bildungskanons, sondern war das Lernen des Lebens. Man schloss sich einem Meister an und lernte von ihm, was es heißt, richtig und gut und sinnvoll zu leben. Die Jünger Jesu waren also Schüler Jesu. Von ihm lernten sie das Leben.

 

5. Und jetzt denken wir mal nur an die Bergpredigt: Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit. Selig, die barmherzig sind. Selig, die Frieden stiften. Selig, die keine Gewalt anwenden. Liebt eure Feinde und betet für die, die euch hassen. Oder denken wir an die vielen Erzählungen Jesu: An das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter oder an das Gleichnis vom Verlorenen Sohn. Oder denken wir an die Taten Jesu und seine Zuwendung zu den Mühseligen und Beladenen, Kranken und Ausgestoßenen. So lernten die Jünger als Schüler Jesu von ihm. Und jetzt heißt der Missionsbefehl: „Geht in alle Welt und macht alle zu meinen Jüngern." D.h. doch: macht alle zu meinen Schülern. Sie alle sollen von mir lernen.

 

6. Somit leuchtet unmittelbar der Sinn dessen ein, was Missionierung bedeutet. Es geht darum, eine neue Haltung und ein neues Verhalten in die Welt zu bringen, damit Frieden, Versöhnung, Gerechtigkeit werde. Es geht darum, dass Lebensbeispiel Jesu bekannt zu machen. Und bekannt zu machen, aus welchen Quellen sich Jesus gespeist und von welchen Hoffnungen er gelebt hat und was für ihn der Grund seines Vertrauens war. Das heißt es: Schüler Jesu zu werden.

 

7. Und das heißt Missionierung. Diese Grundhaltungen in die Welt zu bringen, weil allein sie geeignet sind, die Welt zu erlösen. Es geht darum, das zu bringen, was Christus gelehrt und gelebt hat. Um noch mal das Missionsschreiben von Papst Franziskus zu zitieren: „Durch die Mission der Kirche verkündet und wirkt Jesus fortwährend.“   Es geht um die Wahrheit, Christus lebendig zu halten und seine die Liebe ist und nicht irgendeine Doktrin.

Und ich sage da bestimmt nichts Verkehrtes, wenn man anmerken darf, dass gerade heute diese Art von Missionierung dringender geworden ist. „Die Welt ist grundlegend auf das Evangelium angewiesen“, schreibt Papst Franziskus. Und weiter: „Und wir können an viele, unzählige Zeugnisse denken, wie das Evangelium hilft, Abschottung, Konflikte und Rassismus zu überwinden, indem es überall und unter allen Aussöhnung, Geschwisterlichkeit und Anteilnahme fordert.“ Wir sollten uns also nicht scheuen, in diesem Sinn den Missionsauftrag nachzukommen. Wir haben der Welt was Großartiges zu bringen: Das Aufscheinen der Liebe Gottes in Jesus Christus.

Franz Langstein

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