25.03.2018

Predigt am Palmsonntag 2018


Phil 2, 6-11

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Jesus zieht heute ein in die Stadt Jerusalem, die religiöse Machtzentrale des Judentums. Viele feiern ihn als den Messias. Die Stadttore öffnen sich ihm. Heute wissen wir: Es haben sich nicht einfach Stadttore geöffnet, die ihn in die Stadt Jerusalem einließen, es hat sich das Tor zur Karwoche geöffnet. Es hat sich das Tor geöffnet, durch das er hindurch gehen wird, um sein Leben in dieser Stadt zu beenden; ja, so müssen wir jetzt sagen, nicht einfach beenden, schon gar nicht verenden, sondern vollenden. Die Stadttore öffnen sich Jesus für seinen letzten Lebensabschnitt, für seine letzten Schritte im irdischen Leben. Hier vollendet sich die Sendung Jesu. Von daher ist es gut, diese Sendung Jesu in den Blick zu nehmen, um das Geschehen der Karwoche besser zu erfassen. Ich möchte dabei die zweite Lesung zu Hilfe nehmen, - die Lesung aus dem Philipperbrief -, denn kaum eine Passage des Neues Testamentes hat treffender beschrieben, wie die Sendung Jesu zu verstehen ist. (GL 629,6).
 
2. „Christus Jesus war Gott gleich“, so hebt der Hymnus im Philipperbrief an, „hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein.“ Man fühlt sich erinnert an die Erzählung vom Sündenfall, in der uns von Adam und Eva berichtet wird, dass sie von der Schlange eingeflüstert bekommen: Wenn ihr von der verbotenen Frucht esst, werden ihr sein wie Gott. Das ist das Bestreben der Menschen: Wie Gott zu sein – frei, über allem herrschend, allmächtig, absolut, unabhängig. Von Jesus heißt es aber hier: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein.“ Jesus geht den umgekehrten Weg. Er geht den Weg nach unten. Sein Ziel ist nicht, oben zu sein, sondern unten zu sein. Dabei kreuzt er die Vielen, die ihm entgegenkommen auf dem Weg nach oben, die Schriftgelehrten, die Hohenpriester, die Mächtigen seiner Zeit; alle, die wie Gott sein wollen; alle, die sich einen ewigen Namen machen wollen.  Er kreuzt sie und lässt sie zurück auf seinem Weg nach unten. Jesus hat ein anderes Ziel:
 
3. Jesus hält nicht an seiner Gottheit fest, um bei den Gottlosen zu sein. Er hält nicht an seinem Besitzstand fest, um bei den Besitzlosen zu sein. Er hat keine Heimat, auch keine himmlische – die hat er verlassen –, um bei den Heimatlosen zu sein und Hoffnungslosen. Er geht ins Leiden, um bei den Leidenden zu sein. Er geht in die Würdelosigkeit, um bei denen zu sein, die ihrer Würde beraubt werden.  Er lässt sich selbst los, um bei denen zu sein, die sich nicht einmal selbst haben. „Sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich“, so drückt das der Philipperbrief aus.
 
4. Es ist ein Weg nach unten, weil viele Menschen unten sind. In ihm neigt sich Gott ganz seiner geschundenen Schöpfung zu. Es ist ein Weg äußerster Solidarität mit der Menschheit. „Er wurde den Menschen gleich und erniedrigte sich.“ Er tauscht seine himmlische Herrlichkeit mit unseren armseligen irdischen Hütten. „Er entäußerte sich.“
 
5. Auf diesem Weg von oben nach unten kommt uns also Christus entgegen, die wir – relativ zu Gott – ziemlich weit unten sind, aber nicht ganz unten. Deshalb zieht er an uns vorüber, noch tiefer, noch weiter nach unten. Unsere Tiefe ist ihm nicht tief genug. Wenn wir vielleicht einmal ganz ganz tief gefallen sein sollten, gepeinigt von Not oder Schicksal, dann werden wir vielleicht eine Ahnung davon bekommen, wie tief sich Christus entäußert hat.
 
6. Und so ist es gut, dass Christus an uns vorüberzieht, um schon einmal dort zu sein, wo wir in unserer Todesangst vielleicht auch einmal sein werden. Und es ist gut, dass er an uns vorüberzieht, weil er sich auch so unserem Verlangen entzieht, der Gott unsrer Wünsche zu sein. Und indem er an uns vorüberzieht in die Tiefe des Kreuzes, sind wir wieder verlassen. Wir suchten einen Gott über uns, und fanden ihn nicht mehr, weil er unter uns ist. Wir fragten nach der Allmacht Gottes: Wieso hilfst du nicht von oben herab?, und wundern uns, wenn keine Hilfe kommt, weil er längst an uns vorübergezogen ist in jene Tiefe, um uns beim Fallen zu bergen. Wir fühlen auf neue Weise eine Gottferne: Der Gott oben ist nicht mehr, weil er unten ist. Wir sind auf einmal über ihm und können damit noch nicht so viel anfangen. Christus bückt sich unter uns, um uns die Füße zu waschen und empört wie Petrus sagen viele: Niemals sollst du mir die Füße waschen.  „Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave“. Die Frage ist also nicht, wie finden wir Gott da oben wieder, sondern wie finden wir Gott da unten. Weit unter mir. In den unbehausten Hütten der Menschheit und der geschundenen Kreatur.
 
7. „Er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“. Gehorsam, nicht Gott gegenüber. Gott verlangt nicht das grausame Opfer seines Sohnes. Gehorsam den Menschen gegenüber. Sie brauchen einen Gott, auf ihr Rufen hörte er.
 
8. „Darum hat Gott ihn erhöht, und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu“. Nur so geschieht Vollendung. Nicht indem der Mensch Gott nach oben entgegengeht, sondern indem Gott den Menschen nach unten folgt.
 
9. Und so öffnen sich heute die Stadttore Jerusalems, damit Christus einzieht, um diesen Weg nach unten und somit sein eigenes Leben und seine Sendung zu vollenden.  Und Rettung zu bringen.

Franz Langstein

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