24.12.2018

Predigt an Weihnachten 2018


 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas.   Eine schöne Geschichte. Eine uns vertraute Geschichte. Wir mögen Weihnachten ohne sie gar nicht feiern. Sie muss vorkommen. Egal, ob sie stimmt oder nicht stimmt. Sie ist uns vertraut. Das Lukas-Evangelium gehört zu Weihnachten dazu. Aber unser Verstand, geschult, wissenschaftlich und historisch denkend, - und deshalb ahnen und spüren wir die Frage: Gab es da wirklich Engel, die jubiliert haben? Hirten, die zur Krippe eilten? Gab es überhaupt einen Stall? Und der Geburtsort Bethlehem? Die historische Faktenlage ist äußerst dünn, um Bethlehem als Geburtsort Christi definitiv festmachen zu können. Eine schöne Geschichte – eine nette Geschichte. Der Verstand mag Probleme bereiten.

  

2. Aber unser Herz möchte diese Geschichte hören. Jedes Jahr neu. Wir würden sie vermissen. Weihnachten ohne Lukas-Evangelium, möglichst gesungen, geht gar nicht. Und selbst wenn die Geschichte nicht stimmte, davon ist auszugehen, würden wir sie hören wollen. Eigenartig. Warum? Sind es Wünsche, die sich in dieser Geschichte verdichten? Frieden auf Erden, wie ihn die Engel verkünden und der durch die Geburt eines Kindes Wirklichkeit wird? Oder ist es grundsätzlich das Ergreifende, dass ein Kind geboren wird? Das Staunen über das Leben, das uns packt? Das Wunder des Lebens, das viele aus eigener Erfahrung nachvollziehen können und für die deshalb Weihnachten etwas sehr Schönes ist. Projektionsfläche also? Ist diese Geschichte eine Projektionsfläche, in der wir viel schöne Wünsche und schöne Erfahrungen wiederfinden? Vielleicht. Wir möchten die Geschichte nicht vermissen. Eine schöne Idylle, eine Ruhe, ein Frieden.

 

3. Ich stelle mir eine klare Sternennacht vor. Und allein schon das Funkeln der Sterne verheißt eine Ruhe und eine Verlässlichkeit, die allein unserem Leben ein Fundament bieten kann, inmitten einer Welt, in der mehr und mehr Fundamente der Verlässlichkeit zerbröseln. Ein Kind, nicht leistungsorientiere Erwachsene. Engel, nicht die Dämonen des Kapitalismus. Hirten, in aller Beschaulichkeit, nicht der Stress der Termine. Die Ruhe einer heiligen Nacht, nicht die Hektik eines lärmenden Tages. Deswegen vielleicht diese Geschichte, die wir gern hören? Einmal im Jahr wollen wir diese Geschichte hören. Einmal im Jahr soll Frieden sein – am Heiligabend. Da passt die Geschichte. Ob die Geschichte wahr ist oder nicht – im historischen Sinn wahr – das blenden wir aus. Zu hart wäre die Erkenntnis, dass diese Geschichte nicht stimmen könnte. Wir möchten, dass sie wahr ist. Wir möchten, dass sie eine andere Seite unseres Lebens zur Sprache bringt.

 

4. Ja, was hat es dann mit dieser Geschichte auf sich? Sie ist wie eine Ouvertüre. Sie steht am Anfang des Evangeliums, am Anfang der „Frohen Botschaft“. Wie eine Ouvertüre. Es kommt nicht darauf an, ob sie im historischen Sinn wahr ist oder nicht. Wir müssen sie begreifen als Ouvertüre, als den Anfang einer frohen Botschaft. Alles klingt in dieser Ouvertüre bereits thematisch an, was sich später im Leben Jesu entfalten und zeigen wird. Alles ist in dieser Weihnachtsgeschichte enthalten, was wir später das „Evangelium – die frohe Botschaft“ nennen werden. Die Freiheit der Einfachheit – die Hirten: „Selig die Armen im Geiste“ wird dieses Kind später verkünden und leben.  Die Solidarität Gottes mit den Menschen, - das Kind im Stall der Welt: „Selig, die Barmherzigen und die, die Frieden stiften“, wird er später sagen.  Und den Stallgeruch der Welt kriegt das Kind nicht mehr los, konfrontiert mit dem Leid der Welt und der Menschen, bis hin zum Kreuz. Die Krippe als Ort des göttlichen Kindes. Bin womöglich ich diese Krippe, in die hinein das göttliche Leben gesenkt ist. Es ist alles in der Geschichte vorhanden, was das Leben Jesu später ausmacht und was mein Leben ausmacht.  Nein, Lukas hat uns mit seiner Weihnachtsgeschichte nicht belogen, wenn er von Hirten, Engeln und einem Stall mit Krippe schreibt. Er schreibt in diesen wunderbaren Bildern, weil er damit eine Wahrheit über unser Leben zum Ausdruck bringen will: Die Wahrheit göttlichen Handelns an unserem Leben.

 

5. Weihnachten – das sind mehr als nur schöne Erinnerungen und Wünsche und Projektionen. Weihnachten ist das Fest des Handelns Gottes am Menschen. Seine Liebe, die ihn nach unten zu uns hinzieht; die Offenbarung Gottes dort, wo wir es am wenigsten vermuten. Inmitten meines Lebens. Und so ahnen wir, warum wir diese Geschichte jedes Jahr aufs Neue hören wollen und warum unser historisch geschulter und an Fakten gebundener Verstand dieser Geschichte nichts anhaben kann? Weil unser Herz eine Sehnsucht hat nach einer tieferen Wahrheit hat, die sich in der Geschichte ausdrücken möchte und die mir gesagt sein möchte. Also doch nur wieder Projektion unserer Sehnsucht? Oder ist es umgekehrt: die Geschichte erzählt uns etwas, das unsere Sehnsucht erst entzündet? Von der Geschichte her springt ein Funke über in unser Herz, und wir werden davon gepackt und ergriffen und wir sagen jedes Jahr aufs Neue: Diese Geschichte will ich wieder hören. Die Geschichte lässt mich aufhorchen und ich fühle: Ja so, so könnte es sein. Damit könnte ich gemeint sein. Möge doch mein Leben eine Verlässlichkeit haben, ein Fundament. Möge doch mein Leben unzertrennlich mit dem Göttlichen verbunden sein. Möge doch die Nacht zur geweihten Nacht, zur Weihnacht werden und möge doch der Stall dieser Welt zum Ort der göttlichen Gegenwart und Liebe werden. Möge doch auf Gott Verlass sein. Und dann erkennen wir im Stall dieser Welt und in der Krippe meines Lebens das göttliche Kind und ich staune: Ja, Gott, auf dich ist Verlass. Du bist für immer da! Auch in der Nacht.

Franz Langstein

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