23.09.2018

Predigt am 25. Sonntag B18


Mk 9,30-37

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es ist hilfreich und manchmal sehr aufschlussreich, wenn man die Evangelien bewusst liest auf dem Hintergrund der Zeit, in der sie abgefasst wurden. Denn in dieser Zeit und für diese Menschen wurden sie ja geschrieben. Dann bekommt schon der Anfangssatz des heutigen Evangeliums eine sehr interessante Bedeutung: „In jener Zeit zogen Jesus und seine Jünger durch Galiläa. Jesus wollte aber nicht, dass jemand davon erfuhr; denn er wollte seine Jünger über etwas belehren.“ Wenn also diese Zeilen des Markus-Evangeliums um das Jahr 70 herum aufgeschrieben wurden, also bereits in der zweiten Generation nach Jesus, dann bedeutet so eine Einleitung: „Denn Jesus wollte seine Jünger über etwas belehren“, dass hier das Markus-Evangelium die Gemeinde belehren möchte, für die Markus geschrieben hat. Die Jüngerbelehrung ist also exemplarisch für die Gemeindebelehrung. Begreifen wir den Text also als Gemeindebelehrung, dann hat er plötzlich auch uns als Gemeinde etwas zu sagen. Worüber soll also die Gemeinde belehrt werden?          

 

2. Vieles prägte damals eine christliche Gemeinde. Es waren vor allem ihre Minderheitensituation, die Naherwartung, dass doch Christus bald wiederkommen würde, damit verbunden eine starke Ausstrahlungskraft, aber eben auch die Erfahrung von Verfolgung. Und damit verbunden die Fragen: Warum schützt Gott uns, die kleine Herde seiner Erwählten, nicht? Warum kommt er nicht endlich auf den Wolken, wie er verheißen hat? Und auf diesem Erfahrungshintergrund der Gemeinde setzt nun die Belehrung ein: „Jesus sagte zu seinen Jüngern: Der Menschensohn wird den Menschen ausgeliefert, und sie werden ihn töten“. Was hier gesagt sein will, ist unmittelbar einleuchtend: Seht, selbst Christus wurde verfolgt und ausgeliefert und getötet. Das Ausgeliefertsein gehört zur Existenz der christlichen Gemeinde dazu. In dieser Welt leben bedeutet immer auch dieser Welt ausgeliefert zu sein. Oder wie mal jemand sagte: „Wer sich einsetzt, der setzt sich aus“. Und nun gehört der Einsatz für den Glauben und die Nächstenliebe unbedingt zum Christsein dazu. So wie sich Jesus eingesetzt und damit ausgesetzt hat, ist auch die Aufgabe einer christlichen Gemeinde. Dieses Ausgeliefertsein ist also ein Wesensmerkmal christlicher Existenz, wenn sie sich einsetzt.

 

3. Ja, es wird zum Prüfstein der Treue zu Gott. So wie bei Christus die Treue zu Gott sich am Kreuz vollendet. So wird auch die Treue der Christen sich erweisen gerade im Kreuz. Im Kreuz kann sich die Treue zu Gott vollenden.   Und diese Treue wird beantwortet durch die Treue Gottes: „Doch drei Tage nach seinem Tod wird er auferstehen“, heißt es weiter.

 

4. „Aber die Jünger verstanden den Sinn seiner Worte nicht“, heißt es weiter. Da steckt schon eine Menge Kritik drin, und zwar Kritik an der Gemeinde, für die Markus schreibt. Und dass diese Kritik berechtigt ist, zeigt sich nun in dem peinlichen Szenenwechsel. Jesus ertappt seine Jünger, wie sie sich darüber unterhalten haben, wer denn von Ihnen der Größte sei. Aber ist das nicht auch irgendwie sympathisch? Es gibt eben nicht die perfekte Kirche oder vollendete Gemeinde. Gerade wenn Bischofsernennungen anstehen wie bei uns im Bistum Fulda, beginnt schon rechtzeitig das Gerangel um die besten Ausgangspositionen. Manche bringen sich rechtzeitig in Stellung. Ja, wer ist denn nun der Größte? Oder schauen wir auf unsere Gesellschaft: Deutschland sucht den Superstar; Germany’s Next Topmodel und wie all diese Sendungen heißen, in die viele Jugendliche ihre eigenen Wünsche, mal ganz oben zu sein, hineinprojizieren. Vieles im Leben dreht sich darum: Wie komme ich nach oben, wie erhalte ich Anerkennung, wer ist der Größte? Und offenbar ist auch die christliche Gemeinde davor nicht gefeit: „Die Jünger unterhielten sich darüber, wer von ihnen der Größte sei.“

 

5. Und jetzt wird es feierlich! Diese Feierlichkeit will jetzt die Bedeutung des nun zu Sagenden hervorheben.   Der neue Abschnitt hebt jetzt an mit den Worten: „Da setzte Jesus sich und rief die Zwölf“. In der Art des Lehrers setzte sich Jesus. Und er rief seine Jünger zu sich. Jetzt wird klar: Eine wichtige Unterweisung steht nun an. Wesentliches ist zu sagen. Bedeutsames muss in Erinnerung gerufen werden. Und dann kommt der alles entscheidende Satz: „Wer von Euch der erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein“ Mit anderen Worten: Wenn ihr schon groß sein wollt, dann zeigt eure Größe im Dienen. Wenn ihr schon groß sein wollt, dann zeigt diese Größe darin, dass ihr euch nach unten begebt. Damit ist etwas ganz Wesentliches ausgedrückt: Es braucht Größe, um für andere Menschen da zu sein. Es braucht eine starke Persönlichkeit, um sich nicht abhängig zu machen vom Applaus der anderen. Es braucht enormes Selbstbewusstsein, um angestammte Positionen nach unten zu verlassen. Schwache Persönlichkeiten suchen sich, starke die anderen. Und dann konkretisiert Jesus diese Haltung, nimmt ein Kind in seine Mitte und sagt. „Wer ein solches Kind aufnimmt, der nimmt mich auf.“      

 

6. Und damit endet die Gemeindebelehrung des Markus-Evangeliums. Zusammenfassend kann man also sagen: Bleibt treu, gerade auch im Kreuztragen. Das Ausgeliefertsein gehört zur christlichen Existenz dazu. Das Ausgesetztsein ist ein Zeichen dafür, dass ihr euch einsetzt. Lasst euch nicht beirren. Bleibt treu in den Taten der Nächstenliebe. Und am Ende wird diese Treue dadurch belohnt, dass Gott seine Treue an euch erweist. „Am dritten Tag wird er auferstehen.“

Franz Langstein

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