22.07.2018

Predigt am 16. Sonntag B18


Mk 6,30-34

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Als in den 90er Jahren zum ersten Mal der Schachcomputer Deep Blue den amtierenden Schachweltmeister, Garri Kasparow, besiegen konnte, hatten nicht wenige die Sorge: Wohin wird uns das Ganze noch führen? Wird es mal Computer oder gar Androiden geben, die uns überlegen sind? Science Fiction Filme thematisieren dies ja schon länger. Wird es mal Androiden geben, die Selbstbewusstsein entwickeln? Darf der Mensch sich selbst nachbauen? Kann er das überhaupt?   In dem Zusammenhang bin ich auf sehr interessantes Zitat gestoßen, das ich als Ausgangspunkt für die heutige Predigt nehmen möchte. Das Zitat stand in der Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“. Da wurde jemand gefragt: „Worin sehen Sie die größte Stärke des Menschen im Vergleich zum Computer?“ Und der Gefragte antwortete: „Im Nichtstun. Kein Computer wird dazu je in der Lage sein. Wenn eine Maschine nichts tut, ist sie nichts. Wenn wir nichts tun, sind wir zutiefst menschlich. Wir existieren einfach. Das ist doch wunderbar“.

 

2. Da ist ganz viel Wahres dran. Wenn wir Menschen nichts tun, sind wir deshalb noch lange nichts. Wenn ein Computer nichts mehr tut, ist er unnütz oder kaputt und wird entsorgt. Eine Maschine ist zum Tun verdammt, sonst taugt sie nichts; sie wird unbrauchbar und ist unnütz. Ein Mensch, der nichts tut, behält seinen Wert.

 

3. Und mit diesem Gedanken sind wir schon mitten im Evangelium: „Jesus sagte zu seinen Jüngern: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein.“ Einfach mal die vielen Leute, die da kamen, unberücksichtigt lassen, nicht sich von der Pflicht, immer helfen zu müssen, verleiten zu lassen, wie bedeutsam doch das Leben ist. Sondern sich einfach mal zurückziehen, um sich zu erholen, um allein zu sein, um Ruhe zu finden.

 

4. Dieses Zur-Ruhe-finden macht uns zutiefst menschlich. Ein Computer, der nichts mehr macht, wird entsorgt. Der Mensch, der zur Ruhe kommt, behält seinen Wert. Aber ist das so? Fühlen sich nicht einige Menschen unnütz, wenn sie nichts mehr tun können? Wie viel an Selbstwert zieht der Mensch daraus, dass er leistungsfähig ist und viel leistet? Je mehr, umso wertvoller scheint das Leben zu sein. Verlangt nicht eine Leistungsgesellschaft genau dieses Mentalität? Alte, Kranke, Arbeitslose, Asylanten: Sie liegen uns nur auf der Tasche. Und denkt man nicht auch selbst so von sich? Erlaubt man sich Ruhe? Kommt man sich nicht unnütz vor, wenn man ruht? Schlechtes Gewissen, weil man mal faul ist?

 

5. Jesus nahm seine Jünger mit an einen einsamen Ort, um zur Ruhe zu finden. Es geht dabei nicht nur um das Ausruhen, es geht dabei auch um die zutiefst menschliche und heilsame Erfahrung: Der Wert des Menschen definiert sich nicht von dem her, was er leistet. Er ist kein Android. Der Wert des Menschen definiert sich aus seinem Menschsein heraus. Weil er Mensch ist, ist sein Leben sinnvoll und gut und wertvoll. Diese Erfahrung macht der Mensch, wenn er sich es zugesteht, einmal zur Ruhe zu kommen. Die Gefahr ist also nicht nur, dass Androiden oder Roboter immer menschlicher werden, sondern auch, dass der Mensch immer mehr ein Roboter wird. Und somit gilt für den Menschen wie für jeden Roboter: Wer still steht und nichts bringt, ist unnütz und wird entsorgt. Ich muss da jetzt keine Beispiele bringen, auf welchen Gebieten diese Mentalität bereits durchgebrochen ist.

 

6. Also christlich gesprochen: Der Wert des Menschen definiert sich nicht aus dem, was der Mensch leistet; er definiert sich aus der Tatsache, dass er von Gott geliebt ist. Wie wertvoll muss ein Leben sein, dass von Gott geliebt ist? Auch das ist der Sinn des zur Ruhekommens. Sich dessen gewahr zu werden. Und das ist auch der Sinn des Sonntags, des Ruhetages. Und des Gottesdienstes am Sonntag. Bei Gott zur Ruhe zu kommen und sich des eigenen Wertes neu gewiss zu werden durch das heilige Sakrament, dass uns die Liebe Gottes offenbart.

Franz Langstein

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