20.05.2018

Predigt am Pfingstfest 2018


 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Pfingsten – Fest des Heiligen Geistes. Paul Tillich, der große evangelische Theologe, hat einmal gesagt: „Der Heilige Geist ist selten Gegenstand von Predigten, und der religiöse Unterricht scheut vor ihm zurück.  Sein Fest, Pfingsten, ist der frohe Feiertag der Natur und ihrer Schönheit geworden“. Ja, da ist was Wahres dran. Heiliger Geist – das ist so wenig greifbar. „Der Geist weht, wo er will“, sagt schon die Schrift. Heiliger Geist – das ist so wenig konkret. Und doch, nach Lehre der Kirche, ist der Heilige Geist eine Konkretisierung Gottes inmitten unserer Welt. Das lässt aufhorchen. Und dem möchte ich heute am Fest des Heiligen Geistes ein wenig mit Ihnen nachspüren.
 
2. Das  Pfingstfest wird in der Heiligen Schrift nur in der Apostelgeschichte erwähnt. Und dort steht die Erzählung an einer bestimmten Stelle. Folgen wir den Spuren der Apostelgeschichte, dann stoßen wir tatsächlich auf eine wegweisende Fährte. Zu Beginn der Apostelgeschichte wird uns berichtet, dass Jesus in den Himmel aufgefahren ist. Er ist sitzt zur Rechten des Vaters. Er ist also definitiv weg. Dann wird uns berichtet: „Die Jünger verharrten einmütig im Gebet mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern.“ Wir wissen nicht, worum sie gebetet haben. Die Kirche hat aus dieser Szene eine Tradition gemacht, die sogenannte Pfingstnovene. Neun Tage hindurch – von Himmelfahrt bis Pfingsten – betet sie verstärkt um die Gaben des Heiligen Geistes. Ob die Jünger und die Frauen das auch so getan haben, mag bezweifelt werden. Aber interessant ist doch der Zusammenhang: Jesus wird in den Himmel aufgenommen und die Jünger mit den Frauen gehen ins Gebet. Ob die Apostelgeschichte da einen Zusammenhang sieht? Wenn ja, dann wäre der wie folgt wieder zu geben: Die Jünger und die Frauen haben in der Himmelfahrt Jesu erlebt, dass er endgültig weg ist. Und jetzt beten sie, warum? Ja, sie beten, weil sie nicht wissen, wie es weitergehen kann. Oder vielleicht beten sie sogar darum, dass sie ahnen: Wenn er, Christus, schon nicht mehr unter uns ist, dann möge doch der Geist, der durch Jesus Christus in die Welt gekommen ist,  doch nun uns erfüllen, damit er – Christus - weiterhin spürbar in der Welt bleibt. Wir kennen das ja alle: Wenn eine große Persönlichkeit, die die Welt zum Guten verändert hat, stirbt, dann sagt man ja auch: Möge sein Geist weiterhin in dieser Welt wirken; mögen wir angesteckt sein von seinem Geist. Ich glaube doch, dass das gar nicht so abwegig sein kann, zu vermuten, dass die Jünger hier genau darum gebetet haben: „Möge doch der Geist Jesu, der in dieser Welt so wohltuend durch Jesus spürbar wurde, auf uns übergehen, damit er weiterhin unter uns bleibt und sein Werk weitergeführt werden kann.“ Diese Vermutung wird durchaus noch dadurch gestützt, dass die Apostelgeschichte das Pfingstfest tatsächlich ziemlich an den Anfang setzt; und was jetzt nach dem Pfingstfest erzählt wird, ist die Wirkmächtigkeit des Geistes Gottes durch die von ihm erfüllten Menschen. Das Werk Christi geht weiter.  Somit wäre der Heilige Geist eben gar nichts Unkonkretes, sondern die konkrete Daseinsweise des Geistes Jesu Christi durch Menschen. Der Heilige Geist ist somit die Gegenwart Gottes in Gemeinschaften und im Einzelnen. Er ergreift sie, inspiriert sie, verwandelt sie. Der Heilige Geist ist die Kraft, der die Menschen das Werk Jesu fortführen lässt.
 
3. All das wird deutlich, in den Liedern und Gebeten, die wir an Pfingsten beten: „Komm herab, o Heil’ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält. Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.“ Es ist also ein heilsamer Geist; es ist ein ermutigender Geist; es ist ein Hoffnung machender Geist. Der Heilige Geist ist also jene heilsame Kraft, die von Christus ausging, und die nun von den Menschen ausgehen soll, die den Heiligen Geist empfangen, damit, wenn er – Christus – schon nicht mehr da ist, zumindest sein Geist da ist, und indem sein Geist da ist, ist es so, als sei er selbst da. „Da schreitet Christus durch die Zeit, in seiner Kirche Pilgerkleid“. Das ist also Pfingsten. Pfingsten ist die Befähigung des Menschen, den Geist Christi weiterzutragen und somit Christus weiterhin in dieser Welt erfahrbar werden zu lassen. Der Heilige Geist ist also eine Konkretisierung der Daseinsweise Gottes durch Menschen.
 
4. Aber, um nicht missverstanden zu werden, dieser Geist ist nicht einfach ein oberflächliches gutes Tun; er ist nicht einfach so eine Art unernste Toleranz; nein, dieser Geist führt den Menschen viel tiefer in sein eigenes Geheimnis ein. Er führt den Menschen zu der Quelle, aus der Christus selbst lebte. Er führt ihn zu der Liebesglut Gottes selbst; zu Feuer und Sturm. Er führt den Menschen zum Grund seiner Existenz, zur Liebe Gottes, und von daher wird der Mensch zu Quellen geführt, die er nicht von sich aus hat, sondern die sich ihm öffnen. Paul Tillich noch einmal: „Denn der göttliche Geist ist vor allem Macht, die Macht, die den menschlichen Geist über sich hinaustreibt zu dem, was er durch sich selbst nicht erreichen kann: und der Liebe, die größer ist als alle anderen Gaben; zu der Wahrheit, in der die Tiefe des Seins sich uns öffnet; zu dem Heiligen , das die Manifestation des Höchsten ist.“   Und so wird der Mensch verwandelt in der Kraft des Geistes. Pfingsten geht nicht ohne Verwandlung. Nachher war alles anders.

Franz Langstein

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