18.03.2018

Predigt am MISEREOR-Sonntag 2018


 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Heute ist der MISEREOR-Sonntag, d.h. das katholische Hilfswerk MISEREROR  bittet in der Kollekte des heutigen Sonntags um eine Spende für Notleidende in der ganzen Welt. Und wenn wir heute dieser Bitte nachkommen und einen gewissen Geldbetrag spenden, dann ist das nicht einfach ein Almosen, das wir geben, also nicht einfach eine Pflicht oder ein Opfer, das wir geben, aber nicht gerne geben. Mit andren Worten: Die Spende, zu der wir heute durch MISEREOR aufgerufen sind, darf nicht so sein, dass sie eigentlich mit mir nichts zu tun hat. Vielmehr muss sie so sein, dass sie eine Frucht meiner inneren Einstellung ist. Sie ist Ausdruck meiner Christlichkeit. Es drängt mich, den Armen zu helfen, und zwar von innen heraus, so wie Jesus einmal gesagt hat, als er die vielen Menschen sah, die kaum etwas zu essen hatten: „Mich erbarmt des Volkes“ – lateinisch: „Misereor  super turbam“. Daher kommt der Name „Misereor“. Wir sind also heute in unserer inneren Haltung der Barmherzigkeit angesprochen und lassen uns von ihr bewegen.  MISEREOR ruft also nicht einfach zur Spende auf, sondern diese Spende ist ein Ausdruck einer wesentlichen christlichen Haltung.  


2. Die Würzburger Synode hat dies auf einzigartige Weise zum Ausdruck gebracht: „Gerade wir müssen in unserem Land handeln und helfen und teilen – aus dem Bewusstsein heraus, ein gemeinsames Volk Gottes zu sein, das zum Subjekt einer neuen verheißungsvollen Geschichte berufen wurde, und teilzuhaben an der einen Tischgemeinschaft des Herrn als dem großen Sakrament dieser neuen Geschichte. Die Kosten, die uns dafür abverlangt werden, sind nicht ein nachträgliches Almosen, sie sind eigentlich die Unkosten unserer Katholizität, die Unkosten unseres Volk-Gottes-Seins, der Preis unseres Glaubens“. Mit anderen Worten: Katholisch sein, und ich meine „katholisch“ nicht als Konfessionsbegriff, sondern als  Wesensbezeichnung des Christlichen im Sinn von „allumfassend, also: Katholisch sein ist so eine Art „Feeling“, eine Art Bewusstsein davon, dass wir an einer großen Tischgemeinschaft teilhaben als dem Zeichen einer neuen Welt, als Zeichen unserer Hoffnung. Von daher fühlt jeder wahrhaft katholische Mensch eine tiefe Verbundenheit mit den Mitmenschen, besonders mit denen, die auf der Schattenseite des Lebens sind. Was wir also heute am MISEREOR-Sonntag tun, gehört zum Wesen der Katholizität, ist der „Preis unseres Glaubens.“  


3. Deshalb ist es immer wieder schön zu sehen, wie es Menschen gibt, die aus diesem Geist der Katholizität, aus dem Bewusstsein einer tiefen Zusammengehörigkeit der Menschheit, handeln. Im Kleinen wie im Großen, am Nächsten wie auch am Fernsten. Wenn ehemalige Ministranten unserer Gemeinde nach der Schule an einem Sozialprojekt in Afrika oder Lateinamerika arbeiten. Wer weiß schon, ob – bewusst oder unbewusst – dieses tief sitzende Gespür einer Katholizität auch ein Teil ihrer Motivation war, solches zu tun.  Wenn Menschen unserer Gemeinde jahrelang den ehemaligen Kaplan Willi Link  unterstützt haben und mittlerweile ein hoher sechsstelliger Betrag zusammengekommen ist. Hier lebt etwas von dem Geist der Katholizität.  


4. Oder wenn wir heute auf unseren „Eine-Welt-Kreis“, der sich – der Kugelkirche angepasst, „Eine-Welt-Kugel-Kreis“ nennt, schauen, der heute sein 10jähriges Jubiläum feiert. Dann geschieht die Mitarbeit in diesem Kreis aus dem Bewusstsein und aus dem Antrieb heraus, katholisch zu sein, d.h. nicht im konfessionellen Sinn, sondern allumfassend, d.h. aus dem Gefühl einer tiefen Zusammengehörigkeit aller Menschen. Und dieses Gefühl ist Wesensbestandteil des Christlichen. (Nebenbei bemerkt, weshalb es nur schwer denkbar ist, dass sich jemand „christlich“ nennt und die AfD wählt).  


5. 10 Jahre „Eine-Welt-Kugel-Kreis“ heißt auch 10 Jahre segensreiches Engagement und Wirken. Das heißt auch eine gute Vernetzung mit ähnlichen Gruppierungen in unserer Stadt. Das heißt einen regen Austausch mit den Partnern, die unterstützt werden. So hatten wir Besuch aus Ghana, aus Tansania, Burkina Faso. Mitglieder des Kreises waren in Uganda. Es wird etwas spürbar von dieser Katholizität. Seit 2016 wird ein Projekt in Burkina Faso unterstützt. Es geht um Infrastruktur, um Schritte gegen die Verwüstung und gegen den Wassermangel. Vor Ort ist dies ein gemeinsames Projekt von Christen und Moslems: Der dortige Bischof und Imam arbeiten sehr gut zusammen. Ein Hoffnungszeichen des Friedens. Der Kreis arbeitet dabei eng mit MISEREOR zusammen. Mit Hilfe der Gemeinde konnte bisher ein Spendenbetrag von 12.500 Euro aufgebracht werden.  


6. Es ist gut, dass aus dem Bewusstsein der Katholizität in unserer Gemeinde so ein Kreis entstanden ist. Ein solches Handeln ist Wesensbestandteil der Kirche. Eine Kirchengemeinde wäre ärmer, wenn sie dieses Wesen in sich nicht ausprägen würde. Daher gilt mein und unser Dank den Mitgliedern des EWKK. Wer übrigens Lust bekommen hat, mitzuwirken, Sie können nach dem Gottesdienst auch die Leute ansprechen.

Franz Langstein

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Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe