14.02.2018

Predigt am Aschermittwoch 2018


 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Heute beginnt die Fastenzeit. Und sie beginnt mit einem starken Zeichen: Wir lassen uns mit Asche bekreuzigen und hören dabei den Satz: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“. Das ist eine ungewöhnliche Handlung, sich Staub auflegen zu lassen. Und genauso ungewöhnlich ist der Satz: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“. Ungewöhnlich? Ist er nicht vollkommen realistisch? Wir alle kehren zum Staub zurück, verwesen in der Erde. Und bei der mittlerweile mehrheitlich vorkommenden Urnenbestattung wird dieser Satz nochmal ganz augenfällig: Wir bestatten in einer kostbaren Urne die Asche eines Menschen. Der Satz, den wir zur Ascheauflegung hören, ist ganz realistisch.

  

2. Und doch mögen wir uns gerade als Christen wundern und uns fragen: Aber das ist doch nur die eine Seite der Realität. Es gibt doch noch die andere: Die der Auferstehung. Der Körper mag zu Staub werden, aber der Mensch in seiner Identität, der Menschen mit seinem eigentlichen Selbst wird doch auferstehen und leben. Es bleibt doch nicht bei der Staubverfallenheit. Vielmehr werden wir Kinder Gottes genannt. Wo bleibt am Aschermittwoch diese Hoffnung? Dieser Satz: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“ ist doch sehr einseitig. Zu sehr naturalistisch oder materialistisch. Er könnte aus dem Mund eines Atheisten oder eines ganz materialistischen Realisten kommen. Stimmt das? Könnte er das wirklich? Oder würde sich wohl doch eher ein ganz naturalistisch eingestellter Atheist scheuen, solch einen Satz zu sagen, weil er die Nichtigkeit und Begrenztheit und Hoffnungslosigkeit des Lebens, die sich darin ausdrückt, nicht auszusprechen wagt? Kann deshalb wohl nur ein Christ einen solchen Satz sagen, weil nur er weiß, dass es nicht die ganze Wahrheit ist?  


3. „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“.  Woher kommt der Satz eigentlich? Er steht im Buch Genesis (3,19). Adam und Eva hatten entgegen der Weisung Gottes vom Baum der Erkenntnis gegessen. Gott eröffnet ihnen, dass sie deswegen nicht länger im Paradies bleiben können. Fortan wird das Leben beschwerlich. Im Schweiße ihres Angesichts müssen sie arbeiten, und Eva wird unter Schmerzen gebären. Und dann heißt es: „Bis ihr zum Erdboden zurückkehrt, von dem ihr genommen seid. Denn Staub bist du und zu Staube musst du zurückkehren“. Hier am Schöpfungsmorgen steht dieser Satz. Und er erinnert an zweierlei: Der Mensch entstammt  seiner natürlichen Abstammung her der Erde. Adam ist der von der Erde Genommene. Ganz biologisch ist der Mensch dem rein Irdischen entnommen und ein rein irdisches Wesen. Es gibt nichts Biologisches an uns, was uns gerechtfertigter weise sagen lassen könnte: Wir lebten ewig. Der Natur ist das ewige Leben nicht zu entnehmen. Es müsste, wenn es denn gegeben wäre, von wo anders herkommen. So gesehen stimmt der Satz: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“. Aber zweitens muss gesagt werden: Wir lesen vorher in dem Zusammenhang der Schöpfung des Adam: „Da bildete Gott, der Herr, den Menschen aus dem Staub der Ackerscholle und blies in seine Nase den Odem des Lebens; so war der Mensch zu einem lebendigen Wesen“. Der Mensch ist also mehr also nur aus dem „Staub der Ackerscholle“, vielmehr atmet Gottes Atem in ihm, Gottes Geist. Der Mensch steht also von Anfang an in einer besonderen Würde der Gottverbundenheit. Diese Gottverbundenheit ist eine Liebesbeziehung Gottes zu den Menschen; sie ist aber eine Beziehung des Menschen zu Gott. Und irgendetwas, die Bibel beschreibt es als Sündenfall, hat sich in diese Gottverbundenheit so hineingeschlichen, dass diese Liebesbeziehung gestört ist. Und nun kann man erst recht sagen: Keine Biologie, keine naturalistische Sichtweise des Menschen, ja, nicht einmal des Menschen Anstrengung selbst, vermag dem Menschen Ewigkeit, Gnade, Gottesbeziehung wieder zu geben.


4. Deswegen: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“, ist ein ganz realistischer Satz. Und der Mensch muss wohl, wie die Bibel es sagt, im Schweiße seines Angesichts und unter Schmerzen diesen Realismus auch spüren. Wir leben nicht im Paradies. Wir erfahren oft genug sehr schmerzlich, dass wir Staub sind, hinfällig, nicht aus eigener Kraft befähigt, das Paradies zu schaffen.  Und vielleicht muss man manchmal ganz realistisch die Erfahrung dessen machen, dass wir nur Staub sind. Schicksale sind kein Unglück, sie gehören zum Staubsein dazu. Krank sein und Sterben ist kein Unglück, es gehört zum Staubsein dazu. Wir unterliegen allen kreatürlichen Gesetzen. Wer deswegen den bitteren Kelch des Staubseins verkosten muss, wie Christus seinen Kelch trinken musste, der wird dann vielleicht eine Ahnung bekommen, dass aus der Natur und der Biologie keine Rettung kommt, sondern dass ihn allein doch nur wieder die Gottesbeziehung rettet, d.h. jene Beziehung, die Gott durch Jesus Christus zu uns unwiderruflich aufgebaut hat. Und dann sind wir wieder am Anfang: Gott, der Herr, blies einen Lebensodem ein, seinen Geist, sein Leben.


5. Deswegen kann gerade der Christ ganz realistisch sagen: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“. Denn er hofft, dass in der Erfahrung dieser Realität sich das Leben öffnet auf Gottes rettende Tat. Ja, dass diese Realität Gottes rettende Tat provoziert und seine Liebe zutiefst herausfordert.  Aber Gottes rettende Tat ist ein Beziehungsgeschehen. Und – wie für jede Beziehung – gilt auch in der Gottesbeziehung: Es braucht immer wieder ein Innehalten, ein Neubesinnen, eine Erneuerung, eine Vertiefung, ein Einüben: So ist die Fastenzeit eine solche Zeit. Sie ist zuerst eine religiöse Zeit. Sie ist das Vertiefen der Gottesbeziehung. Sie ist ein Hineintauchen und ein Bewusstwerden in jene Beziehung, die allein für die Realität unsers Staubseins rettend ist. Nicht die Natur schafft ewiges Leben, sondern die Gottesliebe. Und das in zweifacher Hinsicht: Die Liebe Gottes zu den Menschen und die Liebe des Menschen zu Gott. Beginnen wir so diese Vierzig Tage.

Franz Langstein

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