13.05.2018

Predigt am 7. Sonntag der Osterzeit B18


Joh 17,6a.11b-19

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Abschiede sind, zumal sie etwas Endgültiges sind, immer auch ein Vermächtnis. Dazu gehört auch, dass zu so einem Abschied die Sorge gehört um die Zurückbleibenden. Es gehören auch Mahnung und Ratschläge dazu. Das alles finden wir im heutigen Evangelium, ein Abschnitt aus den sogenannten Abschiedsreden des Johannes-Evangeliums. Vor allem spüren wir deutlich die Verortung dieses Textes, nämlich am ausgehenden 1. Jahrhundert. Die Gemeinden hatten wie zarte Pflänzchen begonnen, sich zu stabilisieren. Dennoch waren sie eine kleine Minderheit, belächelt, verfolgt. Auch gab es Gefahren, die nicht auf außen kamen, sondern die Gemeinden von innen her gefährdeten: Noch unklare Leitungsstrukturen, Spaltungen, Rechthaberei.  Deshalb drückt sich in diesem als Abschiedsrede konzipierten Text die Sorge um die Gemeinden am Ausgang des 1. Jahrhunderts aus; Mahnungen, Ratschläge, Weisungen. Das macht diesen Text auch für uns heute interessant.
 
2. Ganz am Anfang steht ein ganz entscheidender Satz: „Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir gegeben hast.“ Jesus ist nicht einfach die Offenbarung Gottes, vielmehr hat er den Namen Gottes offenbart. Der Name Gottes, offenbart dem Mose am brennenden Dornbusch: „Ich bin, der ich da bin für euch“. Diesen Namen hat Jesus durch sein Leben offenbart. Er hat einen Gott aufgezeigt, der gerade für die Menschen da ist, die allen Grund hatten, an seine Gegenwart zu zweifeln: Sünder, Zöllner, Aussätzige. Er hat einen Gott aufgezeigt, der noch im Hass und Kreuz die Antwort der Liebe gibt. Jesus hat durch sein Leben und seine Botschaft den Namen Gottes bis zum Äußersten aufgezeigt. Daran erinnert der Anfang des eben gehörten Textes: „Ich habe deinen Namen den Menschen geoffenbart.“ Das ist etwas ganz Kostbares: Die christliche Gemeinde wird daran erinnert, was ihnen Christus hinterlassen hat. Die Offenbarung des Namens Gottes. Das soll die Gemeinde prägen. Der 1. Johannesbrief, aus dem wir einen Ausschnitt in der zweiten Lesung hörten, drückt das so aus: „Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.“
 
3. Und dann drückt eben der Text aus den Abschiedsreden Sorge aus; er drückt auch Sorge aus: Einmal ist es die Sorge um die Einheit: „Heiliger Vater“, so betet Jesus, „bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir“. Es geht um die Einheit, die aus der Liebe Gottes kommt, nicht aus der lehramtlichen Konformität. Die zweite Sorge: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben; und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht aus der Welt sind, wie auch ich nicht aus der Welt bin.“ Es ist die Sorge vor dem Hass der Welt und der Verfolgung. Und die dritte Sorge ist die Sorge um die Heiligung. „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit“. Also nicht aufzugeben, sondern auf dem Weg des Glaubens und der Liebe zu bleiben.
 
4. Abschiedsrede: Vermächtnis, Sorge, Mahnung. Vermächtnis: Ich habe euch Gott gebracht. Ich habe euch den Namen Gottes offenbart. Ich habe euch Gottes Selbstmitteilung geschenkt. Sorge und Mahnung: bleibt in der Einheit, bleibt fest in Zeiten der Anfechtung und bleibt stark auf dem Weg des Glaubens. Wir müssen das nicht anonym belassen nach dem Motto, das gilt für die Kirche, sondern wir können es ganz konkret sagen: Das gilt für jede Gemeinde, das gilt auch für uns als Kugelkirchengemeinde: Wir haben ein kostbares Vermächtnis: Gottes Namen. Lassen wir uns davon prägen. Bleiben wir in der Einheit, in der Gemeinschaft. Es gibt vieles, was uns heute bedroht. Weniger das Belächeltwerden durch andere als vielmehr die Auflösungserscheinungen der Kirche. Und bleiben wir stark im Glauben und in der Liebe.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe