12.08.2018

Predigt am 19. Sonntag B18


Joh 6,24-35

Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ist, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch.“ Ein Satz aus der großen Brotrede oder auch eucharistischen Rede Jesu im 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums. Schon damals für die Leser oder Zuhörer eine harte und schwere Kost. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Am Ende dieser Brotrede heißt es, dass viele seiner Jünger, die Jesus bis dahin gefolgt waren, ihn nun verließen. Zu unerträglich sind diese Worte. „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch.“

 

2. Ich glaube, dass der Beginn dieser Brotrede von zentraler Bedeutung ist für das Verständnis des gesamten Textes. Das, was da am Anfang geschildert wird, ist wie ein Wink mit dem Zaunpfahl, der uns darauf hinweisen will, wie wir die Brotrede zu verstehen haben. Wir haben den Anfang der Brotrede vor zwei Wochen gehört. Da war die Rede von einem Wunder – das Wunder der Brotvermehrung. Mit fünf Broten und zwei Fischen werden tausende Menschen gesättigt. Das Johannes-Evangelium spricht dabei nicht von einem Wunder, sondern von einem Zeichen. Die Wundererzählungen sind also Verkündigung und nicht Spektakel, sie sind zuerst ein Zeichen für etwas und nicht um ihrer selbst willen niedergeschrieben; man hat nicht das Wunder zu bestaunen, sondern zu verstehen. Und gerade dieses Zeichen der Brotvermehrung müssen wir verstehen, weil es am Anfang der Brotrede steht und uns ein Zeichen sein will, wie die Brotrede zu verstehen ist.

 

3. Ich war vor Kurzem in dem Film „Franziskus“, ein wunderbarer Film über unsren Papst. Da wurde eine Szene gezeigt, wie der Papst in einem Armenviertel Südamerikas zu den Armen predigt und ihnen sagt, dass sie selbst reich sein können, reich im Herzen, wenn sie den noch Ärmere, die kaum   etwas zu essen haben, ihre Bohnensuppe teilen, indem sie diese mit Wasser verlängern Dann reicht sie für mehrere Leute. Sozusagen eine Bohnensuppenvermehrung. Aus Liebe, aus Achtsamkeit, aus einem Gemeinschaftssinn heraus. Und könnte das nicht bei der Brotvermehrung ähnlich gewesen sein? Jesus heißt die vielen Menschen in kleinen Gruppen Platz zu nehmen.   Das heißt: Sie sollen eine Gemeinschaft bilden. Und könnte das nicht bedeuten, dass erst die Gemeinschaft es ermöglicht, das Brot miteinander zu teilen? Dass da vielleicht doch irgendwie jeder Proviant hatte, aber die Angst groß war, dass das nicht für die Tausende reichen könnte. Aber für die kleine Gruppe, für die vertraute Gemeinschaft? Jedenfalls wurden plötzlich alle satt. Vielleicht will gerade dieses Zeichen der Brotvermehrung den Verständnishorizont öffnen, auf dem wir nun die Brotrede und somit auch das heutige Evangelium zu verstehen haben.    

 

4. Das Zeichen der Brotvermehrung oder von mir aus auch der Bohnensuppenvermehrung in den Slums von Südamerika zeigt, dass Gott eine Beziehungswirklichkeit ist. Wo Menschen in liebender Beziehung und Achtsamkeit füreinander leben, wird Gott erfahrbar. Gott ist eine Beziehungswirklichkeit heißt, dass Gottes Gegenwart im liebenden Miteinander von Menschen erfahrbar wird, und zwar wirksam erfahrbar wird. Die Bohnensuppe mit Wasser verlängern heißt dann, dass wirklich alle satt werden. Gott ist gegenwärtig im Wunder der Liebe und in der Kraft des Herzens. Theologisch: Im Heiligen Geist, der die Herzen bewegt. Gott ist eine Beziehungswirklichkeit.

 

5. Und jetzt, wenn wir dieses Zeichen der Brotvermehrung als Verständnishilfe für die Brotrede ernst nehmen, können wir wieder zurückkommen zur Brotrede: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ist, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch.“ Gottes Liebe, die vom Himmel herabgekommen ist, bleibt auf Erden lebendig und erfahrbar, wo Menschen sich zu einer neuen Gemeinschaft des Glaubens und der Liebe zusammenfinden. Dort wird diese Liebe dann auch sakramental im Brot erfahrbar. „Das ist mein Fleisch“ heißt nicht anders als: „Das ist mein Leben“. Wo Menschen einander beistehen, erfahren sie das Leben Jesu, der auch den Menschen mit Liebe zugewandt war.   Sein Leben wird erfahrbar als Heiland, als Helfer, als Tröster, als Vergebender, wie damals vor 2000 Jahren.  

 

6. Das eucharistische Brot ist nicht deshalb gegeben, weil da vorne ein Priester aus eigener Machtvollkommenheit herumzaubert, so wie mal vor einigen Jahren ein für uns Priester zuständiger Kardinal in Rom an uns geschrieben hat: Der Priester habe die Macht, Gott in eine Hostie zu zwingen. Was ist das für ein Schwachsinn. Nein, Christus ist gegenwärtig, weil eine Gemeinschaft in seinem Namen zusammenkommt. Und wo eine Gemeinschaft Brot füreinander ist, wird Christus Brot für uns ist. Denn er ist das Brot, dass er hingibt für das Leben der Welt. Und dann müssten wir auch mal nachdenken über ganz neue Formen des Priestertums. Das wird dann auch Thema des nächsten theologischen Frühschoppens sein am nächsten Sonntag. Gott ist also immer eine Beziehungswirklichkeit, weil Gott selbst liebende Beziehung ist zwischen Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Franz Langstein

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