11.03.2018

Predigt am 4. Fastensonntag B18


Eph 2,4-10

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Stellen wir uns einmal vor, da käme jemand, der mit Religion und Christentum nicht viel am Hut hätte, aber vielleicht neugierig ist und uns deshalb eine Frage stellen würde. Die Frage könnte ungefähr so lauten: „Wer seid ihr Christen eigentlich? Warum gibt es euch? Ihr probiert so eine bisschen was in Richtung ‚bessere Welt‘. Ihr feiert eure Gottesdienste. Mal schön, mal langweilig, mal interessant, mal merkwürdig unverständlich. Ihr haltet euch an eure Vorschriften, Riten und habt euren Kult.   Was soll das? Warum? Was also ist das Christentum?“   Was würden wir da antworten?     


2. Eine erste Antwort müsste vielleicht so aussehen. Äußerlich sieht es so aus: Wir haben unsere Riten, unsere Gebote, unsere Lehre und unser Verhalten. Aber dann müssten wir doch klar und deutlich sagen: „Dass es uns als Christentum gibt, das ist nicht zuerst unser Handeln und unsere Initiative, sondern es ist Handeln und Initiative Gottes. Das Christentum als religiöse Gemeinschaft ist eine Antwort oder ein Antwortversuch auf Gottes Offenbarung in Christus. Es geht nicht nämlich nicht zuerst um unsre Gebote, unsere Riten, unser Tun, sondern zuerst geht es um das Handeln Gottes, um den sich offenbarenden Gott, um den sich als gnädig erweisenden und sich hinschenkenden Gott. Am Anfang stand eine Offenbarung, eine Initiative Gottes. Am Anfang war es also nicht so, dass da Menschen zusammenkamen und sagten: „Kommt, lasst uns mal eine Religion gründen. Ich hab da mal eine Idee. Wir machen da mal was.“ Sondern im Anfang stand Gottes Handeln. Und wir sind die Antwort auf Gottes Handeln. 


3. Diese Initiative Gottes ist heute in der zweiten Lesung aus dem Epheser-Brief wunderbar geschildert: „Gott, der voll Erbarmen ist, hat uns …. in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht…. Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt -, nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann“.   Damit keiner sich rühmen kann. Eben: Keiner soll sagen: „Das ist mein Werk. Das Christentum, die Kirche, diese Gemeinde, das ist mein Werk.“ Wir sind, weil Gott sich offenbart hat. Und deshalb sind wir, weil uns diese Offenbarung Gottes in Christus von einmaliger Bedeutung ist. Diese Bedeutung ist der Grund, dass wir sind. Und diese Bedeutung hat uns das Johannes-Evangelium, das wir gerade hörten, überliefert: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Den Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“ Das also stand am Anfang. Und wir sind der Antwortversuch darauf. D.h., Kirche hat als Ermöglichung für ihren Fortbestand das Bewusstsein lebendig zu halten, dass Gott zuerst an uns gehandelt hat. Und dass uns dieses Handeln Gottes nicht kalt lässt, sondern erfüllt mit Dank, mit Freude, mit Hoffnung. Und dieser Dank, diese Freude, diese Hoffnung manifestiert sich als Gemeinschaft, manifestiert sich in Riten, in verschiedenen Ausdrucksformen, im soziale Handeln. Wenn die Initiative Gottes im Bewusstsein des Christentums verloren geht, dann werden alle Riten hohl und Kirche wird zu einer reinen Organisation, die überraschender Weise dann auch ohne Gott auskommt, weil alles so gut geordnet ist. Kirche lebt dann nicht mehr aus dem sich offenbarenden Gott, sondern aus ihren eigenen Strukturen.  


4. Und ein Letztes: Wenn die Kirche den Grund ihres Daseins in einer Initiative Gottes hat, dann muss man ja sagen: die Initiative Gottes schafft Neues, vorher nicht Dagewesenes, bringt Verborgenes ans Licht. „Aus Gnade seid ihr gerettet“, sagt der Epheserbrief und fährt fort: „Gott hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben“.   Das ist eine neue Wirklichkeit. Die Initiative Gottes schafft also eine neue Wirklichkeit, sie verbindet uns mit Gottes Lebendigkeit, Ewigkeit und Fülle. Und die Kirche ist die Gemeinschaft, die von dieser neuen Wirklichkeit betroffen ist, in ihr lebt, nicht aus eigenen Werken, sondern aus Gnade. Der Gnadentraktat des Trienter Konzils (1547), ein lesenswerter Text, der eine Antwort darstellt auf die Rechtfertigungslehre Martin Luthers, beschreibt diese neue Wirklichkeit: „Die Rechtfertigung ist nicht nur Nachlass der Sünden, sondern zugleich eine Heiligung und Erneuerung des inneren Menschen durch die freiwillige Annahme der Gnade… Dadurch wird der Mensch aus einem Ungerechten zum Gerechten, aus einem Feind (Gottes) zum Freund, so dass er Erbe des ewigen Lebens in der Hoffnung ist“.   5.         Aus diesem Bewusstsein speist sich die Existenz des Christentums und der Kirche und jeder einzelnen Gemeinde. Gott hat Neues geschaffen und unser Leben verwandelt. Und deshalb gibt es uns, weil wir das dankend annehmen, sonntags dankend zelebrieren und versuchen, dies in unserem Leben darzustellen. Kirche ist also nicht zuerst unser Werk, damit keiner sich rühmen kann, sondern zuerst Initiative Gottes.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe