10.05.2018

Predigt am Fest Christi Himmelfahrt 2018


Apg 1,1-11

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es gibt im Christentum einen ganz wichtigen Satz, auf dem unser Glaube und unsere Hoffnung ruhen, ja das gesamte Christenum aufbaut. Der Satz lautet: „Wir sind durch den Tod und die Auferstehung Christi erlöst“. Dieser Satz, obgleich er von zentraler Bedeutung ist, ist mehrfach gefährdet. Er wird oft – leider – als Floskel benutzt; er wirkt abgedroschen. Der Inhalt des Satzes ist zwar richtig, aber was soll er bedeuten? Und er wirft auch die Frage auf: Warum muss ich erlöst werden? Wozu muss ich erlöst werden? Und warum braucht es dafür den Tod Christi? Es zeigt sich, dass einer der zentralsten Sätze des Christentums heute schwer verständlich ist. Wir würden vielleicht alle dem Satz zustimmen und sagen: „Er ist richtig“, aber was damit anzufangen wissen, das ist eine andere Sache.
 
2. Mir scheint, dass die Erzählungen von der Himmelfahrt Christi, wie sie uns im Markus-, im Lukasevangelium und in der Apostelgeschichte überliefert sind, hier doch einen Schlüssel anbieten wollen, mit Hilfe dessen wir die Tür zu einem besseren Verständnis unserer Erlösung kommen sollen. Ja, mir scheint, als ob das Fest Christi Himmelfahrt so eine Art Korrektiv ist, das uns schützen will vor einem verkehrten Verständnis des Satzes: „Wir sind durch Christi Tod und Auferstehung erlöst.“
 
3. Fangen wir von hinten an. Inwieweit korrigiert die Himmelfahrt Christi das Fest der Auferstehung? Nun, wir haben das bei unserem letzten theologischen Frühschoppen gut herausgearbeitet: Die Auferstehung Christi ist nicht einfach die Wiederbelebung eines Toten, ähnlich wie es uns von Lazarus berichtet wird. Die Auferstehung Christi ist auch nicht eine Art Belohnung am Ende eines heroischen Lebens, wie dies zum Beispiel von Elija erzählt wird, der im Feuerwagen gen Himmel fuhr. Oder wie dies uns auch in anderen Mythologien erzählt wird. Die Himmelfahrt Jesu korrigiert nun all diese möglichen Missverständnis und sagt: Die Auferstehung Christi ist das von Gott aus dem Tod Gerufensein zur Rechten Gottes. Christus wird in den Himmel aufgenommen heißt also: Die Auferstehung ist etwas grundsätzlich anderes, das nicht vom Menschen her möglich ist, das allein Gottes Werk ist. Er hat den am Kreuz – weltlich gesprochen – Gescheiterten in seiner Herrlichkeit aufgenommen. Er hat den, der am Kreuz rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ und der nach dem Markus-Evangelium laut schreiend verschied, erhöht zu seiner Rechten. Nicht einfach eine irdische Wiederbelebung, nicht einfach eine nachträglich Belohnung eines heroisch lebenden Menschen, sondern Erweis der göttlichen Macht an einem bis in die tiefste Tiefe Gesunkenen. Also ein Machterweis, oder sollten wir besser sagen, ein Liebeserweis?, der von woanders herkommt.      
 
4. Was aber sagt nun das Fest Christi Himmelfahrt über den Kreuzestod Christi aus? Inwiefern wird von hier aus ein Licht auf den Karfreitag geworfen? Der Karfreitag stellt den „Höhepunkt“ des Willens Gottes dar, hinabzusteigen in unsere menschliche Existenz. In Christus hat Gott alles Leben, alle Höhen und Tiefen, der menschlichen Existenz annehmen wollen. Nichts Menschliches sollte ausgeklammert werden: Kein Tod, kein Hass, keine Gewalt, kein Schmerz, keine Verzweiflung, keine Gottverlassenheit. Alles, was Menschen bedrängt, hat Christus bedrängt und angenommen. Die Theologie sagt. „Er hat unsere menschliche Natur angenommen.“ Indem er also so tief sinken musste, um unsere menschliche Natur anzunehmen, sagt nun das Fest Christi Himmelfahrt: Er, der in die Tiefe gesunken ist, um unsere Natur anzunehmen, ist auch in die Höhe gefahren, um unsere Natur mitzunehmen. In ihm ist alles Irdische erhoben. In ihm ist alles, was Menschen niederdrücken könnte und gottfern erscheinen lassen, bereits erhöht zur Rechten des Vaters. Es gibt nichts in unsere Natur, was nicht bei Gott angenommen und angekommen ist. Christus musste so tief sinken, damit aus der tiefsten Tiefe alles zu Gott erhöht werden kann. Treffend hat es das Tagesgebet wiedergegeben: „Allmächtiger, ewiger Gott, erfülle uns mit Freude und Dankbarkeit, denn in der Himmelfahrt deines Sohnes hast du den Menschen erhöht.“ Und in der Präfation heißt es nachher: „Vor ihren Augen wurde er zum Himmel erhoben, damit er uns Anteil gebe an seinem göttlichen Leben“.
 
5. Wieso sagt also das Christentum den zentralen Satz seines Glaubens: „Wir sind durch den Tod und die Auferstehung Christi erlöst“? Diese Frage müsste man nun wie folgt beantworten: Von Gott her gesehen: Die menschliche Natur mit all ihren Abgründen und Tiefen ist in Christus voll und ganz im Kreuz Christi von Gott angenommen worden, so dass sie durch die Auferstehung Christi schon erhöht ist und bei Gott daheim ist. Vom Menschen her gesehen: Ich darf alles, was mir gottfern erscheint, alles Schwierige im Leben, Leidvolle, auch die Schuld, nicht mehr von Gott getrennt denken, selbst wenn ich mich dabei gottfern fühle. Vielmehr darf ich von meiner gesamten Existenz glauben und annehmen, dass sie gewürdigt ist, an Gottes Herrlichkeit teilzunehmen.  Es  ist also nich tnur Gott zu den Menschen gekommen, es ist auch der Mensch zu Gott gekommen.

Franz Langstein

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