09.12.2018

Predigt am 2. Advent C 2019


Lk 3,1-6

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Sonderbares war am Montag in der Oberhessischen Presse zu lesen: „Marburg will sich bis zum (Weihnachts)fest in wenigen Wochen als Weihnachtsstadt mit Romantik-Flair präsentieren.“ Und Oberbürgermeister Dr. Spies wird zitiert: „Marburg ist eine Weihnachtsstadt mit einer romantischen Tradition“ und die Stadt sei ein Ort, der wie für Weihnachten gemacht sei. Aufmerksam und neugierig geworden, was denn an Marburg das Besondere sei, dass man ausgerechnet hier eine Stadt vorfindet, die wie für Weihnachten gemacht sei, fand ich dann allerdings nur den Hinweis auf den schönen Marktplatz und dass es neben Glühwein und Bratwurst auch Falafel gibt.

 

2.  Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht: Mir geht es so, wenn ich als Christ das lese, dann spüre ich eine Hilflosigkeit hart an der Grenze zur Peinlichkeit, dem Weihnachtsfest einen Sinn abzugewinnen, bei dem das Wort „Gott“ oder der Name „Jesus“ nicht vorkommen darf. Marburg soll also eine Weihnachtsstadt werden, ohne Jesus, aber mit Bratwurst.

 

3.   Ich habe die Erinnerung an diesen Zeitungsartikel mal als Aufhänger genommen, weil wir heute im Evangelium auch jemanden haben, der eine Art „Weihnachtsstätte“ bauen soll. Johannes der Täufer. Er war erfüllt vom Kommen des Messias und wollte das Volk dafür bereiten, also  weihnachtlich bereiten auf die Begegnung mit Christus. Dafür ging er in die Wüste. Da gab es keinen Glühwein mit Bratwurst. Er ernährte sich – so wird uns erzählt – von Heuschrecken und wildem Honig. Man nannte ihn auch den „Rufer in der Wüste“. Die Wüste soll zum Weihnachtsort werden?

 

4.   Und an dieser Stelle können wir direkt mal anknüpfen an die erste Lesung, die wir ganz am Anfang hörten, aus dem Buch Baruch: „Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht.“ Was für ein wunderbarer Satz. „Das Kleid deiner Trauer und deines Elends“. Das Volk Israel lebt in der Fremde, in Gefangenschaft. „Kleid deiner Trauer und deines Elends“ ist ein Bild dieses Schicksals. Es gibt manche Bilder, die solche oder ähnliche Schicksale beschreiben: Nacht, Scherbenhaufen, und eben auch das Bild der „Wüste“. Und genau diese Orte, Wüste, Nacht, sollen zu weihnachtlichen Orten werden. Der Name „Weihnacht“ drückt es ja auch aus: „Geweihte Nacht“. Oder „Heilige Nacht“. Oder wie es im Buch Jesaja heißt: „Wüste und Öde sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen.“ Oder wie in der schon erwähnten ersten Lesung: „Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht.“

 

5.   Hier geschieht eine Verwandlung. Die Nacht bleibt die Nacht, aber sie wird eine geweihte, eine heilige Nacht. Die Wüste bleibt Wüste, aber sie blüht. Und der Mensch bleibt Mensch in seiner Schicksalhaftigkeit, aber er trägt nicht mehr das Gewand des Elends, sondern wird bekleidet mit dem „Schmuck der Herrlichkeit, die Gott für immer verleiht“. Unser Leben wird also zur weihnachtlichen Stätte. Unser Leben ist der Ort, der geheiligt ist durch die Gegenwart Gottes. Ja, man kann es noch deutlicher sagen: Unsere Nächte, unser Dunkel, unsere Schicksale, Zweifel, Ängste sind die Orte, die weihnachtlich geworden sind. Sie sind Orte seiner Gegenwart, weil Gott in Christus in dieses Dunkel gekommen ist. Nicht Marburg wird Weihnachtsstadt, nicht die schönen Fachwerkhäuser mit ihrem romantischen Flair, sondern der Mensch, wird zur weihnachtlichen Stätte.  Nicht das Herausgeputzte und die schöne Umgebung sind wie geschaffen für Weihnachten, sondern der Mensch auch in seiner Wüstensituation und in seinem Dunkel.  Dafür steht der Mensch Johannes der Täufer in der Wüste.

Franz Langstein

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