07.10.2018

Predigt am 27. Sonntag B18


Mk 10,13-16

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Da nahm also Jesus Kinder, stellte sie in die Mitte und sagte zu den Leuten: „Lasst die Kinder zu mir kommen, denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ Wir haben diesen Satz Jesu schon all die Jahre hinweg gehört, wenn er an einem bestimmten Sonntag vorgelesen wird. Die Brisanz des Satzes wird uns allerdings erst bewusst, wenn man die gesellschaftliche Situation der damaligen Zeit mit einbezieht. Kinder hatten damals überhaupt nicht den Stellenwert, den man den Kindern heute zuweist. Kinder hatten nichts zu sagen und waren dem Erwachsenen nicht gleichgestellen. Es heißt im Evangelium, dass die Jünger die Eltern abwiesen, als diese ihre Kinder zu Jesus bringen wollten, damit Jesus sie segnete. Unter den damaligen Verhältnissen ist das nur allzu verständlich.   

 

2. Und was macht Jesus jetzt? Er wurde unwillig, heißt es. Er nimmt nicht nur die Kinder ernst; er lässt nicht einfach nur die Kinder zu sich kommen; er stellt sie auch nicht den Erwachsenen als gleichwertig vor, sondern er nimmt sogar die Kinder als Vorbild für die Erwachsenen: „Lasst die Kinder zu mir kommen, denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ Jesus läuft hier Gefahr, dass man ihn auslacht. Aber Jesus setzt noch einen drauf: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Jesus meint also allen Ernstes, dass die Kinder etwas haben, was wir Erwachsene nicht mehr haben, aber wohl auch mal hatten, als wir Kinder waren. Was war das?  

   

3. Nun, ein Kind hat ein ganz tiefes Urvertrauen. Wenn ein Kind behütet aufwächst und Liebe erfährt, dann ist genau diese Erfahrung für ein Kind lebenswichtig. Das Kind erfährt hier die Bestätigung seines Urvertrauens. Das Kind erfährt: Alles ist gut. Das Kind, das vieles nicht versteht, braucht auch vieles nicht zu verstehen, da es aus der Voraussetzung lebt: Alles ist gut. Selbst wenn jemand stirbt - sagen wir mal die Oma -, selbst dann sagt das Kind für sich: „Oma ist im Himmel“ und es ist wieder alles gut. Das kann ein Kind: Nicht alles zu verstehen und auch nicht alles verstehen zu wollen, aber aus einem tiefen Urvertrauen heraus wissen zu dürfen: Es ist alles gut. Mit anderen Worten: Das Behütetsein, das ein Kind erfährt, schenkt dem Kind unbewusst die Erfahrung, dass nicht nur sein Leben durch Vater und Mutter jetzt beschützt ist, sondern auch dass das Leben grundsätzlich in seiner Existenz behütet ist. Das Behütetsein, welches ein Kind erfährt, verweist auf ein umfassenderes Behütetsein, so dass das Leben insgesamt behütet ist und gut ist. Das Behütetsein verweist auf die Geborgenheit in Gott. Dieses Urvertrauen hat das Kind dem Erwachsenen voraus.       

 

4. Bei uns ist das anders. Zum Erwachsenenwerden kommt eben dann der Bruch zur Kindheit. Plötzlich ist nicht mehr alles so gut. „Ist Oma wirklich im Himmel?“ Was wir bisher nicht verstanden haben und vertrauensvoll als Wirklichkeit angenommen haben, wollen wir verstehen. „Lässt Gott wirklich die Blumen wachsen?“ Und die Antworten, die wir finden, kommen oft ohne Gott aus. Sie genügen. Plötzlich braucht es Gott nicht mehr. Aber mit dem Wegbruch Gottes bricht noch etwas weg: Es bricht das Gefühl weg, allumfassend behütet zu sein. Es bricht das Gefühl weg, dass das Leben in einer viel größeren Wirklichkeit geborgen ist. Das heißt in Sprach der Bibel: Es bricht das Reich Gottes weg. „Lasst die Kinder zu mir kommen, denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“

 

5. Da müssten also wir Erwachsene wieder hinkommen. Zu einem ganz tiefen Urvertrauen. Es gibt doch auch in unsrem Leben vieles, was wir nicht verstehen. So viel Leiderfahrung, so viele Schicksale. Die große Frage, die sich dann stellt, ist immer die Frage: „Warum?“ Und wir finden keine Antwort. Vielleicht geht es gerade um dieses allerletzte Urvertrauen: Du, mein Kind, musst nicht alles verstehen. Lerne mit offenen Fragen zu leben und habe Vertrauen. „Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“     „Er nahm die Kinder in seine Arme, legte ihnen die Hände auf und segnete sie“. Dieses von Gott Gesegnetsein muss uns genügen. Es ist Grund für unser Vertrauen.

Franz Langstein

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