01.11.2018

Predigt am Fest Allerheiligen 2018


 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir Christen bekennen von Gott, dass er dreifaltig ist. Wir drücken damit auch aus, dass Gott die Lebensfülle ist. Diese Fülle ist aber nur denkbar, wenn Gott Beziehung ist. Leben ist Beziehung. Wenn also Gott das Leben ist und wenn dieses Leben ohne Beziehung nicht zur Fülle kommt, dann gilt das wohl auch im gleichen Sinn für uns Menschen, zumal wir Christen wiederum sagen, dass der Mensch Ebenbild Gottes ist, d.h. wie Gott nur dann Leben hat, wenn er Beziehung hat.

 

2. Und dass das so ist, ist wohl allen bekannt. Das fängt bei uns Menschen ja schon sehr früh an. Wir werden z.B. zu früh geboren. Wir sind nach unserer Geburt allein gar nicht lebensfähig. Wir sind angewiesen auf Beziehung: Mutter, Vater. Wir brauchen die Erfahrung von Geborgenheit, von Schutz und Liebe. Wir brauchen Beziehung, damit wir Sprache lernen. Und vieles andere mehr. Ohne Beziehung verkümmert das Leben, stirbt das Leben.

 

3. Das Gleiche gilt auch für unseren Glauben. Der Glaube an Gott wird grundgelegt in der Beziehung zu andreren. Die Eltern brachten mir das Beten bei, das Kreuzzeichen, den Glauben an Gott, die Gottesdienste. In der Erfahrung von Geborgenheit durch meine Eltern weitete sich mein Herz zur Ahnung eines ganz grundsätzlichen Geborgenseins in Gott. In der Gemeinschaft mit ähnlich Glaubenden wurde mein eigener Glaube gestützt. In der Gemeinde findet man Heimat im Glauben.

 

4. Deshalb ist Gott auch Mensch geworden. Eine letzte und tiefste Offenbarung Gottes kann nicht hergestellt werden durch Bücher, Buchstaben, Katechismen, Gesetze; auch nicht durch Visionen und Erscheinungen. Eine letzte Offenbarung Gottes kann sich nur ereignen in Beziehung, wir sagen dazu: Personal. In der Person Jesu Christi kommt der Mensch mit Gott und Gott mit den Menschen in eine personale Beziehung. Hier ereignet sich Offenbarung. Hier erwächst tiefer Glaube.

 

5. Wir feiern heute Allerheiligen. Feiern wir nicht genau auch das? Was trägt uns im Glauben? Was bringt uns voran im Glauben? Es sind doch nicht die Regeln. Es ist doch nicht der Katechismus. Es ist auch nicht immer eine schöne Liturgie oder die Kraft der Sakramente. Es sind vielmehr die Heiligen. Wobei ich mit „Heiligen“ nicht nur die großen und bekannten Heiligen meine, sondern vielmehr auch die vielen Unbekannten, und hier vor allen die vielen, die uns irgendwie auf unserem Lebensweg geholfen haben, Vorbild waren, Ermutigung und Hilfe, Güte und Trost. Die vielen, von denen man sagen kann: Schön, dass es sie in meinem Leben gibt oder gegeben hat. Diejenigen also, die unscheinbar Güte und Licht ausstrahlen, die ohne Stolz zu sein, Gutes um sich ausbreiten;  diejenigen, die Nächstenliebe für selbstverständlich halten, ohne daraus für sich einen Mehrwert des Lebens abzuleiten. Einfach die Gütigen, Liebevollen, Ermutigenden. Einfach die Seligen, die barmherzig sind, die Frieden stiften, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, die geistlich arm sind und nicht Gott ihre guten Taten vorrechnen. In der Beziehung und der Erfahrung solcher Menschen sind wir selbst gewachsen, auch im Glauben und erfahren wir Kirche von der schönen Seite. Hier erfahren wir die Schönheit der Kirche, die „Braut Christi“ genannt wird.

 

6. Allerheiligen erinnert uns somit an die Notwendigkeit der Beziehung in der „communio sanctorum“, Gemeinschaft der Heiligen, wie wir dies ja im Glaubensbekenntnis sprechen. Allerheiligen ist das Fest einer lichtvollen Kirche, die tragende und tröstende Gemeinschaft ist. Allerheiligen ist das Fest, das die Musik einer schönen Kirche ertönen lässt und den wohlriechenden Duft des Weihrauchs einer wertvollen Gemeinschaft aufnehmen lässt und den köstlichen Wein der Communio sanctorum uns trinken lässt.  Was also Christsein heißt, vollzieht sich immer in Beziehung, vollzieht sich personal. Auch draußen in der Welt. Nicht Bücher und Buchstaben, sondern das Christliche ist gefragt, wie es im Menschen aufleuchtet.

Franz Langstein

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Sonntag 11.00 h Heilige Messe
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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe