01.04.2018

Predigt an Ostern


 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir heute Ostern und somit die Auferstehung Christi feiern, dann wissen wir, dass gerade dieser Artikel des christlichen Glaubensbekenntnisses „Auferstanden von den Toten“ heute besonders unter kritischen Beschuss geraten ist. Vielen Menschen fällt es schwer, daran zu glauben – auch so manchem Christen. Unser eigener kritischer Verstand, der geschult ist durch strenges wissenschaftliches Denken, Verifizierung durch Nachweisbarkeit, bringt uns bezüglich des Glaubens an die Auferstehung doch erheblich in Bedrängnis und Zweifel. Man muss nur mal in einer Diskussionsrunde sitzen und über Auferstehung sprechen, dann wird man bombardiert mit Argumenten, die alle gegen die Auferstehung sprechen: Wir sind nur ein Produkt der Evolution. Hoffnung auf ewiges Leben sei eine Vertröstung für ein freudloses Dasein. Feuerbach hat Gott entlarvt als den Wunsch nach Glück, der im Leben so oft unerfüllt bliebe. Gott als Produkt unserer Sehnsucht; Auferstehung als Produkt unserer Fantasie, um das Leben hier besser aushalten zu können. Und außerdem: Ist Auferstehung etwas Wünschenswertes? Erfüllt es uns mit Freude und Hoffnung oder ist doch die Reaktion eher Achselzucken? Wer weiß schon, was uns erwartet.
 
2. Ich vermute mal, dass all diese Zweifel und all die Fragen von einem Missverständnis herrühren, wie wir „Auferstehung“ verstehen. Da ist eine eigentümliche Trennung zwischen Irdischem und Göttlichem, Zeitlichem und Ewigem. Jetzt das Irdische, das Jammertal, einst das Himmlische und Paradiesische. Jetzt noch Erde, einst dann Himmel. Jetzt noch tragen wir den Todesleib, einst den Auferstehungsleib. Erst diese Trennung bedient doch die Vorstellung, die Feuerbach äußerte: Was man eben auf Erden jetzt noch nicht hat, wird in die Ewigkeit projiziert. Das „Einst“ soll das „Jetzt“ erträglich machen. Übrigens lebt das alles auch im säkularen Bereich weiter und so manche Ideologie propagiert diese Hoffnung auf das „Einst“: „Jetzt müssen wir uns ranhalten und schaffen, damit es einst unseren Kindern mal besser geht.“ „Jetzt müssen wir Opfer bringen, damit einst die Welt besser ist“. Der Mensch vertröstet sein Dasein auch im säkularen Bereich mit der stillen unausgesprochenen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Österliche Restbestände? Aber zurück: Die österliche Botschaft ist nicht die Botschaft einer Trennung von Jetzt und Einst. Die österliche Botschaft stellt nicht eine Wirklichkeit in Aussicht, die uns einst erwartet. Die österliche Botschaft ist nicht die Verkündigung eines trostvollen Paradieses, um das Jammertal auf Erden besser bewältigen zu können. Sondern was ist Ostern dann?
 
3. Die Liturgie legt uns die Texte vor, wie wir Ostern verstehen sollen: In der zweiten Lesung aus dem Kolosserbrief haben wir gehört: „Ihr seid mit Christus auferweckt“, und: „Euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott“. „Ihr seid“, heißt es hier. Ostern beschreibt also nicht einfach eine Zukunftshoffnung, sondern eine neue Wirklichkeit. Ostern richtet den Blick nicht in Jenseits, sondern ins „Schon-jetzt“. Freilich ist diese neue Wirklichkeit jetzt noch verborgen, sie wird einst offenbar. „Wenn Christus, unser Leben offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit“. Darum geht es: Was aussteht, ist das Offenbarwerden dessen, wer wir schon jetzt sind: nämlich mit Christus leben wir in der neuen Wirklichkeit, dass unser Leben in Gott verborgen ist. Was also aussteht, ist nicht eine dem irdischen Leben nun im Tod hinzukommende Ewigkeit, sondern die Erkenntnis dessen, wer wir eigentlich schon jetzt sind. Wir können zwischen irdischen Leben und Ewigkeit nicht mehr trennen. Wir können zwischen Tod und Auferstehung nicht mehr trennen. Das Leben muss als eines begriffen werden: Wir Leben von der Stunde der Geburt an in Gott verborgen. Von Ostern her stellt sich also nicht die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, sondern wer wir als Menschen jetzt sind.
 
4. Und damit ist Ostern nicht einfach eine billige Verströstung auf das kommende Paradies, sondern Ostern ist die Rede von der Größe und Würde des Menschen. Ostern verkündet, dass unser Leben schon jetzt in einem größeren Geheimnis verborgen ist, das wir Gott nennen. Ostern verkündet, dass wir mehr sind als wir scheinen, mehr als ein Produkt der Evolution. Und all unsere Sehnsucht nach Glück, unsere Hoffnungen auf ein Einst als Offenbarwerden unseres eigentlichen Seins sind somit nicht Ursache für ein nur in der Fantasie vorgestelltes ewiges Leben, sondern unsere Hoffnungen und Sehnsüchte sind Ausdruck dieser unserer Würde und Größe. Weil der Mensch mehr ist als nur Biologie, hat er Sehnsucht und Hoffnung und Zuversicht auf dieses „Mehr“. Ewigkeitshoffnungen sind nicht Ausdruck einer verzweifelten Fantasie oder krankhaften Glücksprojektion, sondern Erweis und Auszeichnung des Menschen, der sich selbst übersteigt auf Gott hin.
 
5. Ostern sagt dem Menschen etwas ganz Großes zu: Maria Magdalena  hat es am Grab Jesu erfahren: Christus, der Auferstandene spricht sie mit Namen an. Jemanden mit Namen ansprechen, heißt: Ihm Würde und Persönlichkeit zu verleihen. Schon jetzt – nicht erst einst – sind wir von Gott mit unsrem Namen Angesprochene: von Gott, von niemandem Geringeren. Das ist Ostern.

Franz Langstein

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