31.12.2017

Predigt am Sonntag nach Weihnachten 2017

Lk 2,22-40


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wie wir gerade gehört haben, wird uns im heutigen Evangelium erzählt, dass die Eltern Jesu ihr Kind nach Jerusalem in den Tempel brachten, um es nach dem Gesetz dem Herrn zu weihen. „Nach dem Gesetz“, d.h. es gab da einerseits diese Vorschrift, andererseits aber stellt so eine Handlung immer auch ein Akt des Vertrauens da. Das Kind dem Herrn zu weihen bedeutet nämlich, es mit all dem, was des Kindes Lebenswege sein werden, dem Herrn anzuvertrauen. Es ist so, als wollte man sagen: Wir als Eltern wissen nicht, was die Lebenswege des Kindes sein werden, wir können bei aller Sorge doch nicht bis ins Letzte planen, deshalb vertrauen wir es dem Herrn an. Es drückt sich also in dem Reinigungsopfer im Tempel immer auch Gottvertrauen aus.

 

2. Und dieses Gottvertrauen wird schon im Tempel auf die Probe gestellt. Denn Simeon nahm das Kind in seine Arm und prophezeite: „Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ Da ist also die Rede davon, welchen Weg dieses Kind einmal gehen wird, und es ist die Rede davon, dass Maria ein Schwert durch die Seele dringen wird, d.h. sie starke seelische Schmerzen erleiden wird. Und wenn wir uns das mal vor Augen halten, dass da einerseits die Eltern Jesu mit der Weihe ihres Kindes ein Zeichen ihres Gottvertrauens setzen, andererseits aber schon bei dieser Weihe im Tempel schon die Prophezeiung vom Schwert, das in die Seele dringt, gegeben ist, dann rühren wir genau hier an diesem Punkt an einem wichtigen Aspekt auch unseres Glaubens und unseres Lebens.

 

3. Wir wissen es aus eigener Erfahrung: Glaube und Schwert, also Schwert im Sinn von seelischen Schmerz, gehören zusammen. Glaube kann nämlich auch bedeuten: Das Schwert, das die Seele durchdringt, auszuhalten. Glaube ist nicht das vorschnelle Wissen um Glück, Geborgenheit, Klarheit, Versöhntheit. Glaube kann, wie bei Maria bedeuten, ganz auf Gott vertraut zu haben und doch unter dem Kreuz des Sohnes stehen zu müssen. Auf den Glaubenswegen bleibt der Mensch nicht verschont von Unglück und Schicksal und Leid, sondern: Er kann jenen Punkt erreichen, wo er entweder nur noch verzweifeln kann oder ganz bedingungslos, fast grundlos, sich einer Liebe anzuvertrauen, die er aber nicht mehr so richtig versteht. Vielleicht ist gerade an diesem Punkt das Gottvertrauen am größten. Vielleicht erfüllt sich für Maria gerade unter dem Kreuz ihres Sohnes jenes Vertrauen, dass sie im Tempel Gott gezeigt haben wollte, als sie ihren Sohn Gott weihte. Glaube und das die Seele durchdringende Schwert gehören zusammen.

 

4. Wenn das so ist, dann wäre Unglaube so zu tun, als würde der Glaube alle Probleme lösen und man künstlich sich permanent in eine Halleluja-Stimmung versetzt, nur um Gott zu gefallen, anstatt das Unberechenbare, Widersprüchliche, Schwierige auszuhalten und in Hoffnung zu ertragen. Unglaube wäre, wir könnten unsere Lebenswege planen und mit Gottes Hilfe wird es dann gelingen, anstatt anzuerkennen, wie sehr unser Leben oft nicht in unserer Planung liegt und es anders kommt, als gewollt und dass dann kein Zeichen des Unglaubens oder der Gottferne ist, sondern eine Herausforderung meines Gottvertrauens. Unglaube ist heute, wenn man meint, die Wissenschaften werden schon eines Tages alle Probleme gelöst haben, wozu brauchen wir noch Gott, anstatt anzuerkennen, dass die Welt und das Leben in sich nicht vollkommen sind und immer neu das Schwert auszuhalten ist, das unsere Seele durchdringt.

 

5. Karl Rahner hat dies einmal in die wunderbaren Worte gefasst: „Glaube ist es, wenn wir den Stoß des Schwertes in unser Dasein annehmen: Das Schwert der Frage, die keine Antwort mehr findet; das Schwert, dass alles Leben in seinem Schmerz im Tode endet; das Schwert, dass nicht einmal die Liebe in diesem Leben alle Widersprüche auflöst, das Schwert der Abschiede, der Enttäuschungen, des Altwerdens, der Torheiten, die wir selbst begehen; der Bitterkeiten. Alle diese siebenfachen Schwerter durchdringen unser Dasein. Und wenn wir das gelassen und hoffend gelten lassen, glauben wird“.

 

6. Natürlich bedeutet Glaube auch Glück, bedeutet er Freude, bedeutet er Frieden, Versöhnung und Halt und Zuversicht. Aber das nehmen wir an als Geschenk, als Frucht des Glaubens, ja vielleicht sogar als Frucht eines erprobten und vom Schwert durchdrungenen Glaubens. Am Sonntag nach Weihnachten wird uns als Maria, die vertrauende und vom Schwert durchdrungene vor Augen gestellt. Am Sonntag nach Weihnachten wird also auch auf diese Weise Weihnachten nochmals thematisiert. Er kam in unsrer Dunkelheit, in unsere Nacht, in unseren Stall. Am Kreuz wurde auch sein Herz vom Schwert durchbohrt. Wir sind auf unseren Glaubenswegen nie allein. Dank Weihnachten.

Franz Langstein

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