29.01.2017

Predigt am 4. Sonntag A17

Mt 5,1-12


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir haben heute den Beginn der Bergpredigt gehört, der wohl berühmtesten Rede Jesu. Wir werden an den kommenden Sonntagen weitere Abschnitte daraus hören. Heute hörten wir die Seligpreisungen. Sie atmen schon den neuen Geist, der mit Jesus in die Welt kommen soll; und sie bewirken irgendwie auch eine gewisse Sehnsucht, so, als wolle man sagen: Das ist doch zu schön, um wahr zu sein. Aber wenn wir diese Sehnsucht in uns spüren, wäre das dann nicht ein Zeichen, dass wir in den Seligpreisungen eine tiefe Wahrheit erahnen? „Selig, die keine Gewalt anwenden; selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; selig, die Frieden stiften…“ Solche Sätze in der heutigen Zeit. Das klingt wie ein Kontrastprogramm – ein notwendiges Kontrastprogramm angesichts dessen, was in der Welt alles so passiert oder was heute mit Computerspielen und Fernsehprogrammen auf die Menschen so einprasselt.

 

2. Aber um die Bergpredigt und die Seligpreisungen besser zu verstehen, lohnt es sich auf den Anfang zu achten, den Matthäus ganz bewusst so „komponiert“ hat.  Da heißt es: „Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf einen Berg.“ Zunächst: „Als Jesus die vielen Menschen sah“. Was waren das für Menschen? Woher kamen sie? Von den „vielen Menschen“ war unmittelbar vorher die Rede: „Und ganze Scharen folgten Jesus, aus Galiläa, der Dekapolis, Jerusalem, Judäa und aus dem ganzen Land jenseits der Jordan.“ Der Neustamentler Gerhard Lohfink machte darauf aufmerksam, dass es sich bei den hier aufgezählten Volksscharen um das alte „Zwölfstämme-Volk“ Israel handelt. Die hier aufgezählten Gebiete entsprechen dem wiederhergestellten Volk Israel. Damit hätten wir einen wichtigen Hinweis, in welche Richtung wir weiter denken sollten. Dann ist davon die Rede, dass Jesus auf einen Berg steigt. Man kann hierin durchaus eine Anspielung sehen an jene Szene im Alten Testament, in der berichtet wird, wie Moses auf einen Berg steigt, um die Gebote Gottes zu empfangen. Es ist die Szene vom Bundesschluss am Sinai. Wenn wir also sagen, dass Matthäus bewusst die Einleitung der Bergpredigt so komponiert hat, dann haben wir hier einen Schlüssel für das Verständnis der Bergpredigt: Jesus ist gleichsam der neue Moses, der einen neuen Bund schließt, um ein neues Israel, ein neues auserwähltes Volk, wiederherzustellen. Die Bergpredigt ist sozusagen die Bundesurkunde des Neuen Bundes.

     

3. Und damit hätten wir eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Die Seligpreisungen sind nicht einfach Verhaltensregeln für einzelne Leute, sie sind sozusagen „Glückwünsche“ für eine Gemeinschaft, der es gelungen ist, einen neuen Stil des Umgangs zu pflegen, weil sie Gottes Bundesvolk sind. Und: Was hier als Verheißung formuliert ist, gilt nicht einst, in der Ewigkeit. „Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden.“ Sondern das gilt jetzt, in einer neuen Gemeinschaft von Menschen. Hier, im neuen Israel, soll die Sehnsucht nach Gerechtigkeit gestillt sein, weil es hier gerecht zugeht. Deswegen wird diese neue Gemeinschaft „selig“ gepriesen. Es geht also nicht um eine Vertröstung auf die Zeit nach dem Tod, sondern es geht um die Seligkeit auf Erden, wenn Menschen anders miteinander umgehen. Deshalb wird Jesus im Laufe der Bergpredigt später auch sagen können: „Ihr seid das Licht der Welt“. Das heißt: Hier, in der Gemeinschaft des Volkes Gottes wird ein Miteinander gepflegt, das man fast sagen könnte: „Zu schön, um wahr zu sein“.

 

4. Man hat die Seligpreisungen auch einmal genannt als die „Einlassbedingungen zum Gottesreich“. Ein missverständliches Wort, wenn man darunter versteht, dass der Einzelne hier Bedingungen erfüllen muss, um dann einst nach dem Tod in den Himmel zu kommen. Das ist nicht damit gemeint. „Einlassbedingungen zum Gottesreich“ meint, dass es Haltungen für den Menschen, die es ermöglichen, ein Stück Himmel auf Erden erfahrbar werden zu lassen. Das ist die Absicht der Bergpredigt. Keine Vertröstung auf ein Jenseits, sondern ein Erfülltsein von der Liebe Gottes als Zeichen des Neuen Bundes. 

 

5. Lassen wir uns jetzt neu erfüllen von dieser Liebe, wenn wir unter heiligen Zeichen den Neuen Bund Christi mit uns Menschen feiern.

Franz Langstein

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