26.11.2017

Predigt am Christkönigssonntag A 2017



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Das heutige Evangelium, das uns die Kirche am Fest „Christkönig“ vorlegt, ist eigentlich vollkommen klar. Der Maßstab, nach dem wir gerichtet werden, ist das Maß unserer getanenen Nächstenliebe: Hungrigen zu essen geben, Dürstenden zu trinken, Fremde und Obdachlose aufnehmen, Kranke und Gefangene besuchen, Nackte zu bekleiden. Heute würde man noch ergänzen: Armen würdigen Wohnraum zu geben, Arbeitslosen und Rentner genug Auskommen, um würdig leben zu können, Arbeitende Menschen nicht auszubeuten und mit Hungerlöhnen abzuspeisen usw.   Das ist der Maßstab.

 

2. Dabei muss man gar nicht die Ewigkeit bemühen, um diesen Taten der Nächstenliebe einen Wert zu geben. Sie sind auch ohne die Ewigkeit wertvoll. Warum? Weil jeder von uns mal krank, einsam, arm oder verzweifelt werden kann. Wie froh wären wir dann, in einer Gesellschaft oder Gemeinschaft zu leben, in der man aufgehoben und geborgen ist. Wir würden uns wünschen, dass es jemand gibt, der sich in der Not um uns kümmert, der eben Nächstenliebe zeigt. Ich denke an meine Eltern, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Nein, die Taten der Nächstenliebe muss man nicht mit der Ewigkeit und mit der Aussicht auf ewigen Lohn begründen. Sie sind in sich wertvoll.

 

3. Wie sähe denn eine Gesellschaft aus, in der sich umeinander gekümmert würde? Daran kann man den Wert der Nächstenliebe erkennen. Sie ist gesellschaftsrelevant. Sie ist relevant für das menschliche Zusammenleben. Nicht wahnwitzige Leistungsanforderungen, die Menschen kaputt machen, sondern Rücksicht bestimmt das Zusammenleben. Nicht noch mehr Gewinnmaximierung, sondern die Fähigkeit zum Teilen und zur Solidarität bestimmt das Zusammenleben. Nein, der Maßstab, den das heutige Evangelium aufzeigt, muss nicht mit der Aussicht auf den jenseitigen Lohn begründet werden. Er schafft vielmehr ein Stück Himmel auf Erden. Und das Zuwiderhandeln gegen die Nächstenliebe muss nicht mit der Hölle bedroht werden („Und sie werden fortgehen und die ewige Strafe erhalten), wir schaffen uns mit der Unfähigkeit zur Nächstenliebe schon genug Hölle auf Erden. Da ist das Evangelium ganz realistisch.

 

4. Und dennoch muss gesagt werden: Bei aller Klarheit und Einsicht darüber, dass die Taten der Nächstenliebe durchaus irdisch relevant sind und dass das allein schon genügen würde, bekommen sie auch im heutigen Evangelium Relevanz für die Ewigkeit. „Was ihr für  einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ „Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz“. Und das Evangelium treibt das Ganze sogar auf die Spitze und betont, dass diejenigen, die hier gemeint sind, gar nicht wussten, was sie für die Ewigkeit getan haben. „Herr, wann haben wir dich hungrig, durstig, nackt, obdachlos, krank und im Gefängnis gesehen und haben dir geholfen?“ Sie wissen es gar nicht, dass ihr Handeln auch Bedeutung hatte für die Ewigkeit. Ganz absichtslos. Der Arme wurde nicht verzweckt für die eigenen Ewigkeit. „Ich helfe dir, damit ich in den Himmel komme“.   

 

5. Dieser Aspekt scheint mir wichtig zu sein. Warum? Ich habe gelernt, dass es nach dem Tod Himmel, Hölle und Fegefeuer gibt. Und das Fegefeuer begründet man damit, dass der Mensch im Angesicht der Heiligkeit und Liebe Gottes seine eigene Sündhaftigkeit erkennt, und dass ihm das schmerzt, und dass dieser Schmerz mit „Fegefeuer“ bezeichnet wird. Vielleicht ist was dran; ich will das gar nicht ausschließen. Nur es war noch niemand drüben, der uns schildert, was jenseits der Schwelle des Todes tatsächlich ist. Ich möchte lieber an einen ganz anderen Gott glauben; nicht an den, der mir erst mal meine Sünde bewusst macht, sondern an den, der mir meine Güte bewusst macht. „Herr, ich habe gar nicht gewusst, dass ich mit dieser oder jener für mich selbstverständlichen Tat Dir was Gutes getan habe“. „Ich habe gar nicht gewusst, dass ich Dir gütig war“. Was wäre das doch für eine Freude, mir würden die Augen geöffnet, dass ich doch auch ein wenig ganz selbstverständliche und selbstlose und deshalb oft gar nicht bewusste Nächstenliebe gezeigt habe, und diese mir offenbart würde. Mir würde gezeigt, dass ich doch Christus ähnlicher gewesen bin, als ich selbst von mir geglaubt habe. Wie schön wäre es, wenn mir nicht zuerst gesagt würde: Du bist  ein Sünder, sondern du bist gut. „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Ja, dann wird die Freude groß sein.

 

6. Christkönigsfest: Das wäre ein königlicher Christus, der mir nicht zuerst meine Sünden bewusst macht (die sind ja ohnehin vergeben durch die Hingabe Christi am Kreuz), sondern der mir zuerst meine Güte bewusst macht. An so einen Gott möchte ich viel lieber glauben. Also handeln wir weiterhin gütig, absichtslos, vielleicht manchmal pflichtbewusst, manchmal sogar unbewusst, weil es uns Menschen gut tut. Und darüber hinaus folgt die Überraschung am Schluss.

Franz Langstein

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