24.09.2017

Predigt am 25. Sonntag im Jahreskreis A

Mt 20,1-16


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es scheint mir so, liebe Schwestern und Brüder,  dass das Evangelium, obgleich wir es ja kennen, jedes Mal neu provoziert. Es kommt uns irgendwie seltsam vor. Derjenige, der wenig arbeitet, bekommt den gleichen Lohn wie der, der viel arbeitet. Das steht nicht nur im Widerspruch zu unserem Gerechtigkeitsempfinden, sondern sogar im Widerspruch zu  anderen Aussagen der Heiligen Schrift, etwa zu der aus dem Römerbrief: „Gott vergilt jeden nach seinen Werken“. Von daher lohnt es sich einmal, genauer hinzuschauen, was denn sozusagen die Kernaussage des heutigen Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg ist.

 

2. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ist uns vorgelegt, weil darin eine ganz tiefe, ernste und entscheidend christliche Aussage über unser Leben gesagt sein will. Zu was ist unser Leben befähigt und bestimmt?

 

3. Nun zunächst einmal müssen wir klar sagen: Diejenigen, die zur ersten Stunde kamen und den ganzen Tag gearbeitet haben, hatten einen Denar mit dem Gutsbesitzer ausgehandelt. Dieser Betrag entsprach dem damals üblichen Lohn. Er war durchaus gerecht; man könnte sagen, er war sozial verträglich. Es rebelliert auch niemand gegen diesen Lohn. Er war als Lohn selbstverständlich. Die zu leistende Arbeit entsprach der Entlohnung von einem Denar. Wenn nun also die zuletzt Gekommenen, die nur eine Stunde gearbeitet haben, auch einen Denar bekommen, dann ist das im eigentlichen Sinn kein Lohn mehr, den sie verdient hätten. Es wurde ihnen im Gleichnis ja auch nicht gesagt, dass sie einen Lohn bekommen, sondern es wurde ihnen gesagt, dass sie erhalten, was recht ist. Wenn also diejenigen, die nur eine Stunde gearbeitet haben, auch einen Denar erhalten, dann ist das also kein Verdienst, kein Lohn, nicht Ausdruck der Gerechtigkeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern dieser Denar ist Ausdruck der freien Güte Gottes.

 

4. Und genau hier liegt nun die Kernaussage des Gleichnisses. Dieser eine Denar, ausgezahlt an diejenigen, die nur eine Stunde gearbeitet haben, ist Ausdruck der unberechenbaren Güte Gottes, Ausdruck der nicht verrechenbaren Gnade Gottes gegen über dem Menschen. Zwischen Gott und Mensch obwaltet also eine Güte, die nicht vom Menschen her als Lohn eingefordert werden kann, weil sie unverdient ist und weil sie Geschenk ist. Es will also gesagt werden: „Du, Menschkind, du bist nicht der, der Gott gegenübertreten könnte mit einem Anspruch auf Lohn, weil du das nämlich gar nicht brauchst. Zwischen Dir und Gott obwaltet eine Liebe, eine Gnade, eine Barmherzigkeit, die Geschenk ist. Es geht nicht um Lohn, es geht um Geschenk. Du stehst vor Gott als der Beschenkte.“ Dafür steht der eine Denar. Diese Wahrheit demütigt den Menschen, weil er doch gern vor Gott Verdienste nachweisen möchte; es aber eine Demütigung, die dem Menschen gut tut. Sie entlastet ihn. Sie befreit ihm vom Druck, vor Gott etwas verdienen zu müssen. Sie  tröstet ihn.

 

5. Es geht dabei nun erst mal gar nicht um die Frage, wie Gott die Menschen behandelt, die immer schon ihm gedient haben, die vielleicht sogar Opfer gebracht haben, vielleicht sogar das Opfer des Lebens und wie Gott die Menschen behandelt, die sich kaum um ihn geschert haben, aber dann am Sterbebett sozusagen sich zu ihm bekehrt haben. Um diese Fragen, über die wir ohnehin keine Aussage machen können, weil das alles allein in Gottes Verfügung steht, geht es nicht. Es geht vielmehr darum: Egal, was ist. Derjenige, der lange gearbeitet hat und derjenige, der nur wenig gearbeitet hat, sie aller erhalten den einen Denar, der Ausdruck der  Güte Gottes ist.

 

6. Aber eine Gefahr gibt es eben doch, gerade für diejenigen, die den ganzen Tag gearbeitet haben. Es ist die Gefahr, dass sie in dem einen Denar nicht mehr die Güte Gottes sehen, sondern ihr eigenes Verdienst. Dass sie nun meinen, sie hätten sich die Liebe Gottes verdient. Das ist die Verwechslung von Gnade und Lohn, Glaube und Leistung, Reich Gottes und Wirtschaftssystem. Wir mögen vielleicht in unserer Welt nach den Maßstäben von Lohn, Leistung, Wirtschaftssystem denken, aber bei Gott versagt dieses Denken.

 

7. Warum können wir vor Gott so nicht denken? Weil der eine Denar als freie Gabe Gottes, die nicht verrechnet werden kann, in Wahrheit doch etwas ganz Wesentliches bedeutet: Was ist denn dieser Denar, den Gott gibt als Ausdruck seiner geschenkhaften Gnade? Das kann doch nur Gott selbst sein. Und damit wird das Gleichnis zu einer tiefen Sinnspitze geführt: Wenn der eine Denar Ausdruck des sich selbst hingebenden Gottes ist, dann ist uns damit alles gegeben, was wir nicht selbst verdienen können, sondern nur empfangen können. Und so gesehen, sind wir dann alle die zuletzt Gekommenen, die unfassbar etwas erhalten, worauf sie aufgrund ihrer Leistung keinen Anspruch haben. Der einzige Anspruch, der eventuell ableitbar wäre, wäre der, das wir leben und deshalb sagen könnten: „Gott, du hast das Leben gewollt. Und du hast in dieses Leben die Fähigkeit und Möglichkeit eingebaut, dich selbst zu empfangen. Nun bist du es uns schuldig, dich uns zu schenken. Denn dazu ist wohl unser Leben im Tiefsten bestimmt. Es war vereinbart, dass wir erhalten, was recht ist.“

Franz Langstein

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