21.05.2017

Predigt am 5. Ostersonntag A17



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welch kleinen und einfachen Sätzen die Evangelien Wahrheiten zum Ausdruck bringen, für die wir im Studium ganze Vorlesungen gehört haben. Ein solcher Satz ist uns heute im Johannes-Evangelium  überliefert: „Jesus sprach zu seinen Jüngern: Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“. Mit diesem Satz werden Emotionen angerührt. „Haus meines Vaters“. Zu denken ist hier an das Vaterhaus bzw. an das Elternhaus. An den Ort der je eigenen Herkunft. Damit verbinden sich oft Gefühle von Geborgenheit, Unbeschwertheit, Beheimatung, kindliche Freude und Ausgelassenheit. So spricht Jesus auch von dem Ort seiner Herkunft als sein Vaterhaus. Und da gibt es viele Wohnungen. Gemeint sind Wohnungen, die wir bewohnen. Denn er, so heißt es später, ist gegangen, um uns „einen Platz zu bereiten“ und uns dorthin zu holen, damit „auch ihr dort seid, wo ich bin.“ Offensichtlich also hat uns Christus eine Wohnung im Vaterhaus bereitet, wo auch er wohnt. An dem Ort seiner Herkunft ist uns ein Platz bereitet.

  

2. Aber natürlich wissen wir, dass es im Himmel keine Wohnungen in dem Sinn gibt, wie wir sie uns auf Erden vorstellen: Eingeteilt in verschiedene Zimmer und berechnet nach Quadratmeterzahlen. Was also meint Jesus mit seinem eigenen Vaterhaus und den vielen Wohnungen darin?

  

3. An anderer Stelle des Johannes-Evangeliums lesen wir: „Er, der einzige, der am Herzen des Vaters ruht“. Damit spricht das Johannes-Evangelium die Wohnung Christi an: Am Herzen des Vaters, also in der Liebe und Geborgenheit und Treue Gottes. Diese große Liebe Gottes ist die Wohnung Christi. Darin ruht er. Daher kommt er. Das ist der Ort seiner Herkunft. Und wir können uns das jetzt leicht vorstellen: Weil das Herz Gottes voll Liebe ist, und zwar voll Liebe zu jedem, gibt es dort so viele Wohnungen. Egal, wie wir sind, sind wir von dieser Liebe umfangen, haben wir Wohnung im Herzen des Vaters. Viele Wohnungen heißt dann aber auch, dass es eben nicht nur eine Wohnung gibt für z.B. nur die Kirchenrechtskonformen, nur die frommen Kirchgänger, die Rechtgläubigen; nein, es gibt viele Wohnungen. Für einen jeden von uns, ob fromm und weniger fromm, für einen jeden von uns mit seiner je eigenen Lebensgeschichte, seinen Irrungen und Wirrungen, seinen Glauben und Zweifel, Ängsten und Hoffnungen, linksliberal oder rechtskonservativ, gibt es eine Wohnung, einen Platz im Herzen des Vaters.

  

4. Dabei ist jetzt noch wichtig zu beachten: Diesen Platz wird es nicht erst einst geben, nach dem Tod; es wird diesen Platz auch nicht erst dann geben, wenn wir alle unsere Zweifel abgelegt haben, wenn wir alle Anforderungen des Christlichen bestanden haben, nein – diesen Platz gibt es schon jetzt. Denn der Sohn ist bereits gegangen und hat uns den Platz bereitet. Wir bewohnen schon jetzt diese Wohnung im Herzen des Vaters. In seiner Liebe und Geborgenheit, seiner Treue und Barmherzigkeit.

  

5. Wir bewohnen also den gleichen Ort, an dem auch Christus wohnt. Im Herzen Gottes. Im Glutzentrum  seiner Liebe. Wir werden mit der gleichen Liebe Gottes erfüllt und durchströmt, mit der auch Christus durchströmt wurde und wird. Und es kommt nur darauf an, dies immer tiefer für sich auch als wahr anzunehmen und zu glauben und zu vertrauen. Denn manchmal hat man ja so seine Zweifel: Bin ich wirklich so von Gott geliebt wie Christus? Aber solche Zweifel würden ja bedeuten, dass es doch nicht so viele Wohnungen gibt. Jedenfalls gäbe es zumindest eine Wohnung für mich nicht. Aber so tröstet uns Christus: „Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“ Christus bittet uns also, Gott und ihm zu vertrauen: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“

Franz Langstein

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