22.01.2017

Predigt am 3. Sonntag A17

Mt 4,12-23


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Das heutige Evangelium beschreibt den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. Und alle wesentlichen Aspekte der Sendung Jesu kommen hier bereits zum Ausdruck. Ich fühlte mich ein wenig erinnert an das, was wir mal früher gelernt haben, was zu beachten ist, wenn man einen Notfall meldet. Die vier W’s, also die W-Fragen: Wer   - wo – wie   und was. Also: Um wen geht es? Wo ist es passiert? Wie ist es passiert? Und um was geht es? Eigenartig: die vier W-Fragen werden hier genau eingehalten: Wer? – Es geht um Jesus. Und zwar, wenn man das Evangelium liest, um den Jesus, von dem vorher berichtet wurde, dass er sich schon in seiner Kindheit als etwas Besonderes gezeigt hat und dass er in der Taufe von Gott als Gottes Sohn bezeugt wurde. Um diesen Jesus geht. Wo? – Jesus zog sich nach Galiliäa zurück. Er verließ Nazareth, um in Kafarnaum zu wohnen. Wie? – Jesus beruft erst einmal Menschen. Hier: Die Brüderpaare Petrus und Andreas sowie Johannes und Jakobus. Und was? – Jesus lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden. Damit ist alles geklärt. Das Wesentliche ist gesagt. Jetzt kann es losgehen. Der Beginn des öffentlichen Wirkens! Wer – wo – wie –was.

 

2. Vielleicht sollten wir das Evangelium mal als Anlass nehmen, um über uns als Kirche, als Gemeinde, als Christen zu reflektieren. Wir stehen doch auch im Dienst und in der Sendung Jesu, und zwar nicht nur als Einzelne, sondern vor allen als Gemeinde und als Kirche. Eine solche Selbstreflexion ist mal ganz gut. Kurz und knapp werden wieder bestimmte wesentliche Punkte unseres Christseins in Erinnerung gerufen. Wer – wo – wie – was.

 

3. Wer? – Nun wir als Christen, wörtlich genommen als „Gesalbte“. „Gesalbt sein“ ist ein Unterschied zum einfachen „Angestellt sein“ oder „Übernommen werden“ oder „ehrenamtlich tätig sein“.   „Gesalbt sein“ hat was mit Würde zu tun. Jesus ist der Christus, d.h. der von Gott Gesalbte, also zu Würde und Sendung Gesalbte. Das dürfen wir auch durchaus von uns so verstehen. Die Frage „Wer“ macht uns bewusst, wer wir eigentlich vor Gott sind, als Gesalbte, als Getaufte. Wir stehen in der Würde der Gotteskindschaft.

 

4. Wo? – Nun, im Bezug auf die Kirche ist die Antwort: Auf der ganzen Welt. In Bezug auf unsere Gemeinde: Hier in Marburg. In Bezug auf jeden Einzelnen von uns: Dort, wo er lebt. Egal, wo auch immer: Dieses „Wo“ ist von Bedeutung. Bei Jesus heißt es, dass er sich in Galiläa niederließ. Und dann heißt es weiter: „Das Volk hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes sitzen, ist ein Licht erschienen.“ Hier bekommt die Ortswahl Sinn und Bedeutung. Der Ortswechsel ist also ein Heilsereignis. Es hat also auch Sinn und Bedeutung, wenn wir als Christen die Kugelkirchengemeinde in Marburg bilden. Ob wir soweit gehen dürfen und sagen dürfen: Diese Ortswahl ist ein Heilsereignis? Aber immerhin: durch unser Hiersein bleibt etwas lebendig von der Gegenwart Gottes, in Wort und Sakrament, im Miteinander und Füreinander. Kurz: Es gilt an diesem Ort die Liebe Gottes lebendig und erfahrbar zu machen.

 

5. Wie? Nun Jesus hat seine Sendung nicht allein durchziehen wollen. Er hat Menschen ausgesucht, die mit ihm unterwegs sein sollten. Das ist wohl klar: Die Sendung, in die wir hineingestellt werden, kann nur gemeinsam angegangen und erfüllt werden. Die Aufgabe, vor uns aufgetragen ist, kann keiner allein für sich bewältigen. Wir suchen Menschen und es finden sich Menschen, die sich anstecken lassen von der Liebe Gottes und diese mit anderen zusammen, weitergeben wollen. Und dabei spielen die Herkunft, der soziale Status oder der Bildungsgrad keine allzu große Rolle. Jesus hat Fischer gerufen. Es kommt also darauf an, wie sehr ein Mensch in seinem Herzen von Gott berührt ist. Wir sind hier als die christliche Gemeinde von Gott Berührte. Immer neu. Vor allem, wenn wir ihm begegnen in Wort und Sakrament.

 

6. Und was? – Von Jesus heißt es: Das Evangelium vom Reich verkünden und im Volk Krankheiten heilen. (Nun ja, das machen ja die vielen Ärzte unter uns sowieso). Gut, aber ich denke, sie wissen worum es geht. Es geht nicht nur körperliche Leiden. Es geht um das Gefühl von Sinnlosigkeit, Einsamkeit, Ungeliebtsein, Schuldgefühle usw. Um all das, was Leben mindert. Und dem setzen wir das Evangelium vom Reich Gottes entgegen. Jenes Evangelium, das ganz neue Horizonte eröffnet; das dem Leben Sinn und Wert zuspricht, weil es von Gott gewollt ist und gerufen ist in seine Herrlichkeit. Es geht also um jene Dimension des Lebens, die den Menschen verweist auf seine Größe, auf seine Anteilnahme an der Lebendigkeit des Dreifaltigen Gottes, auf sein Berufensein zu Liebe, auf sein Berufensein zur Ewigkeit.

 

7. So beginnt also Jesus sein öffentliches Wirken. Die wesentlichen Dinge sind geklärt. Bleiben auch wir wirksam als Gemeinde, oder wie Jesus es später einmal ausdrücken wird: „Ich habe euch erwählt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“

Franz Langstein

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