16.04.2017

Predigt an Ostern A17



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir feiern heute Ostern. Wir haben Grund dazu, und wir tun dies bombastisch; Pauken und Trompeten werden aufgefahren; Chöre von Engeln und Menschen jubilieren. Was ist aber, wenn wir jetzt mitten in der Feierlichkeit einmal innehalten und die Wirklichkeit, die wir hier feiern, ganz nah an uns heranlassen und sie tatsächlich als eine Wirklichkeit meines Lebens zu erfassen suche. Wir feiern hier etwas, nämlich Ostern, was mich unmittelbar etwas angeht; ja, nicht nur angeht, sondern mein Leben ist mit Ostern untrennbar verbunden. Wenn wir diese Wirklichkeit als unsre Wirklichkeit zu begreifen versuchen, spüren wir sehr schnell, wie schwer das ist, dies in angemessene Worte zu fassen. Es fehlt uns schlichtweg das Vokabular, weil der Mensch eben doch meistens Worte ausgebildet hat, die seiner Erfahrung entsprechen. Für das schlichtweg Unerfahrbare und Unsichtbare fehlen ihm die Worte. Und weil uns die Worte fehlen, bedienen wir uns der verschiedenen Sprachspiele: Gleichnisse, Metaphern, Geschichten, Anthropomorphismen usw. Auch die Bibel tut das. Man muss die Sprachspiele der Bibel zu verstehen suchen, um zur eigentlichen Wirklichkeit von Ostern vorzustoßen. Wir dürfen nicht am Wortlaut, am Sprachspiel selbst, festhalten.

 

2. Ein Beispiel soll das verdeutlichen. Wir haben heute Nacht in der Osternacht die Lesung gehört vom Durchzug des Volkes Israel durch das Rote Meer. Gott hat einen starken Wind gemacht, damit das Meer sich teilt und Israel durch das Meer hindurch zieht. Nachher ließ der Wind nach und die Ägypter ertranken. Das ist ein solches Sprachspiel. Ein Anthropomorphismus. Gott wird sich sehr menschlich gedacht. Die Bibel kann überhaupt nur in Sprachspielen von Gott reden. Und die österliche Botschaft ist voller Sprachspiele. Sie müssen wir übersetzen. Solchen Sprachspielen liegt eine Wirklichkeit zugrunde. Diese lässt sich so ausdrücken: Die Menschen haben etwas erfahren und das, was sie erfahren haben, bringen sie mit Gott in Verbindung. So müssen wir diese Sprachspiele übersetzen. Die Menschen haben etwas erfahren und das, was sie erfahren haben, bringen sie mit Gott in Verbindung.

 

3. Was also haben die Jünger erfahren; und welche Wirklichkeit verbirgt sich hinter den biblischen Texten? Und wie kann ich dann diese Wirklichkeit so glauben, dass ich sie als meine eigene annehmen kann?

 

4. Was haben die Jünger erfahren? Man kann das kurz zusammenfassen. Sie haben in Jesus eine Liebe erfahren, die alle menschengemachten Trennungen niederriss. Die Liebe Jesu und seine Barmherzigkeit und seine Vergebung und seine Wertschätzung galt deshalb gerade denjenigen, die all dessen am meisten bedurften: Die Kranken, die Sünder, die Aussätzigen, die Unreinen, die Zöllner usw. Und diese Liebe ging bis zum Äußersten, bis hinein in die dunkle Nacht der Gewalt und des Hasses. Sie blieb bis zum Tod am Kreuz unbeirrt. Das haben die Jünger erfahren. Und diese Erfahrung bringen sie mit Gott in Verbindung. „Wie können wir das, was wir erfahren haben, mit Gott in Verbindung bringen?“ Und die Antwort leuchtete unmittelbar ein: Diese Liebe, die Christus geschenkt hat, war ein Spiegelbild der göttlichen Liebe; ja, sie war ein unmittelbarer Widerschein göttlicher Liebe. Und wo diese tiefe Erfahrung immer mehr zur Gewissheit wurde, kann die Einsicht nicht ausbleiben: Wenn Christus bis zu seinem Tod die göttliche Liebe gezeigt und gelebt hat, dann kann unmöglich der Tod über ihn Macht gewinnen. Denn das würde ja bedeuten, dass der Tod stärker wäre als Gott.

 

5. Und jetzt kommen die Osterbotschaften. Sie sind der Versuch, in Worte zu fassen, was nicht in Worte zu fassen ist. Der Mensch wird sich einer Wirklichkeit bewusst, die größer ist als er selbst und stärker ist als sein Tod. Es ist die Liebe Gottes. Und wie will man das beschreiben? Nun setzen die verschiedenen Sprachspiele ein. Da ist die Rede vom leeren Grab. Von zwei Jüngern wird heute berichtet, die zum Grab eilen und es leer vorfinden. Ja, was sonst. Die Liebe ist stärker als der Tod. Sie kann nicht begraben bleiben. Das ist bestürzend, wenn man das bis zum letzten durchbuchstabiert. Und dann ist da die große Liebende: Maria von Magdala. Ihr erscheint der Auferstandene. Wieder so eine Sprachspiel? Sie erkennt ihn, als er sie liebevoll anspricht: „Maria!“ Da wandte sie sich ihm zu und – die vertrauensvolle Form benutzend – sagt sie: Rabbuni! Und sie möchte auf ihn zu gehen und ihn umfassen, doch Jesus sagt: „Halte mich nicht fest“. Der Auferstandene ist nicht festzuhalten, sondern er hält uns in seiner Liebe fest. Der Auferstandene ist nicht zu haben, weil er uns in seiner Liebe hat. Die Wirklichkeit ist jetzt anderes herum.

 

6. Womöglich müssten wir Ostern so neu sehen. Es geht nicht um die Frage, ob es eine Auferstehung von den Toten gibt, sondern um die Frage, ob die Liebe stärker ist als der Tod. Es geht nicht darum, dass ich sage: „Ich glaube an die Auferstehung“, sondern gleichzeitig damit muss ich sagen: „Ich glaube an die Liebe“. Und das ist etwas grundsätzlich anderes: „Ich glaube an die Auferstehung“, darüber kann ich sachlich diskutieren. „Ich glaube an die Liebe“ aber hat unmittelbare Auswirkungen auf mich selbst und auf mein Verhalten.

 

7. Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt. Wir feiern nicht Ostern als ein irgendwie festzustellendes Ereignis, das wir hier feierlich kundtun; vielmehr begehen wir Ostern als jene Wirklichkeit der Liebe, die mich unmittelbar berührt. Mein Leben hat es mit einer Wirklichkeit zu tun bekommen, in der ich eine solche Wertschätzung und Geborgenheit und Liebe erfahre, die meinem Leben auf ewig nicht mehr genommen werden kann.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe