15.04.2017

Die Feier der Osternacht 2017


Begrüßung und einführende Worte:

Liebe Schwestern und Brüder!

den wichtigsten Gottesdienst des Jahres, den Ostergottesdienst, feiern wir in der Nacht. Von Anfang bis Ende. Ja, die Kirche schreibt es so vor, dass der Gottesdienst nach Sonnenuntergang beginnen soll und vor Sonnenaufgang enden soll. Und das hat seinen Grund:


Die Nacht hat eine andere Qualität als der Tag. Das wissen wir, wird aber im Hinblick auf die Liturgie zu wenig bedacht. Was macht das denn mit uns, wenn wir nachts einen Gottesdienst feiern? (Jetzt mal außer der aufkommenden Müdigkeit). Die Nacht ist anders. Die Dunkelheit erleben wir näher, manchmal hautnah. Gänsehaut. Die Aufmerksamkeit ist nachts eine andere als tagsüber. Weil unsere Augen nicht viel sehen, müssen wir aufmerksamer sein. Die Augen, ansonsten wunderbar geeignet, auch in die Ferne zu sehen, versagen ihren Dienst. Weil wir nicht sehen, was in der Ferne geschieht, wird uns das Nächstliegende bedeutsam. Die Aufmerksamkeit für das Nächstliegende nimmt zu. Wir erspüren Naheliegendes. Wir erspüren das, was uns unmittelbar etwas angeht. Die innere Gefühlswelt gewinnt an Bedeutung. Ängste im Dunkeln – natürlich auch. Weil Fremdes, Unbekanntes, Unsichtbares um uns und in uns ist. Aber da ist mehr als Ängste. Da ist auch Faszination. Wenn das Sichtbare zurücktritt, tritt das Unsichtbare hervor. Das Reich der Fantasien, das Reich der Bilder und Träume, das Reich der Ahnungen und eines verborgenen Wissens. Nicht die Naturwissenschaften mit ihrem Angewiesensein auf Klarheit und Licht, sondern die dunklen Ahnungen, die tieferen Seinsschichten, die irgendwie immer schon gefühlten Tiefen unserer Existenz treten ins Bewusstsein.

Und davon erzählt dieser nächtliche Gottesdienst: Die Osternacht. Er erzählt von einer tiefen dunklen Ahnung des Menschen. Man kann diese Ahnung dreifach benennen:


1. Es ist die Ahnung, dass die Liebesfähigkeit des Menschen doch nicht umsonst sein möge. Die Liebe, die wir empfinden, ist immer auf Ewigkeit angelegt. Man möchte den Menschen, den wir lieben, nie verlieren. Aber der Tod beleidigt die Liebe. Er verletzt die Liebe. Übrig bleiben Schmerz und Trauer. Tief und dunkel in unserem Inneren ahnen wir, dass die Liebe auf Ewigkeit angelegt ist. Das ist unsere Sehnsucht.


2. Wir tragen in uns eine Ahnung von Gerechtigkeit. Trotz aller täglich offensichtlichen Ungerechtigkeit lassen wir uns den Gerechtigkeitssinn nicht austreiben. Der Tod aber beleidigt zutiefst diesen Gerechtigkeitssinn. Ist das gerecht, als jüdisches Kind 1930 geboren zu sein? Ist das gerecht, heute in Syrien geboren zu werden? Wo bleibt eine letzte Gerechtigkeit. Tief und dunkel ahnen wir, dass unser Gerechtigkeitssinn nur dann berechtigt ist, wenn es einmal eine letzte Gerechtigkeit gibt.


3. Tief in uns tragen wir die Sehnsucht nach Anerkennung und Geborgenheit. In uns ist ein tiefer Wunsch, geliebt zu sein und wertgeschätzt zu werden. Und unser Leben soll als sinnvoll erachtet werden. Die Endlichkeit und Hinfälligkeit und Zufälligkeit unseres Lebens beleidigen diese Sehnsucht. Sie greift ins Leere. Erst von der Ewigkeit her, von einer göttlichen Liebe her, findet diese Sehnsucht ihr angemessenes Ziel.

In einem nächtlichen Gottesdienst steigen diese dunklen Ahnungen nach oben. Und wir feiern heute Nacht die Bestätigung unserer Ahnungen. „Du, Menschenkind, hast recht, wenn du liebst und wenn du für Gerechtigkeit eintrittst und wenn du den Wunsch nach Anerkennung und Wertschätzung verspürst. Wir feiern heute den Sieg deiner Ahnungen und Sehnsüchte. Denn Ostern ist der Sieg der Liebe, der Sieg der Gerechtigkeit und der Sieg deiner Sehnsüchte.

Franz Langstein

  •  
  •  
  •  
 

Kontakt

Katholisches Pfarramt

St. Johannes Evangelist


Ritterstraße 12
35037 Marburg

Tel. 06421-91390

Fax: 06421-913914

Pfarrbüro - Öffnungszeiten

Montag - Freitag: 8.00 - 12.00 Uhr


Montag, Mittwoch & Donnerstag:

13.30 - 17.30 Uhr



 

Gottesdienste

Samstag 17.30 h Vorabendmesse alle 2. Wochen in St. Jakobus, Wenkbach
Sonntag 11.00 h Heilige Messe
Sonntag 11.00 h Kinderwortgottesdienst im Kirchensälchen, am 2. und 4. Sonntag im Monat (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).


(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Freitag 18.30 h Heilige Messe