12.02.2017

Predigt am 6. Sonntag A17

Mt 5,17-37


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Jesus musste sich oft den Vorwurf gefallen lassen, er würde sich nicht an die Gesetze und Gebote halten. Der Vorwurf war ja auch nicht ganz unbegründet: Er heilte am Sabbat; er ließ   sich berühren von Aussätzigen; er pflegte Umgang mit Menschen, die religiös unrein waren; er randalierte im Tempel und vertrieb die Händler und Geldwechsler, die jedoch notwendig waren für den Opferbetrieb im Tempel. Die Menschen waren irritiert. Wie konnte ein solcher ein religiöser Mensch sein? Kommt er wohl, um unsere von Moses gegebenen Gesetze und Gebote aufzuheben? Im heutigen Matthäus-Evangelium hören wir eine Antwort darauf: „In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“   Man mag über diese Aussage verwundert sein. Wie mag er das gemeint haben?     

 

2. Jesus selbst verdeutlicht das, indem er anfügt: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Wenn man so einen Satz erst mal hört, mag man sich vielleicht beruhigt zurücklehnen: Das ist ja kein Kunststück: Besser zu sein als die Pharisäer – wenn’s mehr nicht ist. Das ist ja schließlich nichts Besonderes. „Pharisäer“ ist ja schließlich ein Schimpfwort und steht für Heuchelei. Also besser zu sein als die Pharisäer ist wohl was Leichtes. Aber Vorsicht: So waren die Pharisäer nicht. Sie waren nicht die verlogenen Existenzen. Im Gegenteil: Sie waren die erklärten Gegner aller Mittelmäßigkeit und Niveaulosigkeit. Radikal und unnachgiebig sich selbst gegenüber hielten Sie sich an die Vorschriften, beteten, fasteten und opferten einen nicht unerheblichen Teil ihres Einkommens. Sie ließen sich tatsächlich ihren Glauben etwas kosten. Gott stand ihnen immer lebendig vor Augen.      

 

3. Und jetzt kommt Jesus und sagt: Das genügt nicht. Eure Gerechtigkeit muss größer sein als die der Pharisäer. Was? Noch mehr opfern? Noch mehr spenden? Noch mehr beten? Noch mehr fasten? Noch mehr Gottesdienste? So denken ja viele. Du musst noch mehr beten, damit du ein guter Christ bist. Du kannst gar nicht genug Anbetungen halten, Rosenkränze beten, fasten, verzichten usw. Nein: Das kann nicht gemeint sein. Mehr als die Pharisäer bereits getan haben, kann man nicht machen. Trotzdem sagt Jesus, dass unsere Gerechtigkeit größer sein soll als die der Pharisäer.

 

4. Wie das nun gemeint sein könnte, erklärt Jesus. Er wählt drei Beispiele aus den Zehn Geboten aus: Das fünfte, sechste und achte Gebot. „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber jemand tötet, soll dem Gericht verfallen sein. Ich aber sage euch: Wer seinen Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.“ Es genügt also nicht, sagt Jesus, dass du sagen kannst: Ich habe ja niemanden umgebracht. Ich habe mir da nichts zuschulden kommen lassen. Wer sich anscheinend nichts zuschulden hat kommen lassen, ist deshalb noch nicht unschuldig an der Zerstörung des Lebens. Berthold Brecht hat einmal gesagt: „Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von seiner Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten“. Der Mord also fängt nicht an, wo jemand physisch getötet wird. Der Mord fängt an im Herzen: Im Hass, in der Gleichgültigkeit, in der Menschenverachtung, im Hass gegen Fremde, in der Ausbeutung anderer, im Mietwucher, im Berauben von Lebensmöglichkeiten, im Mobbing. Mord ist also keine Frage der Tat, sondern eine Frage des Herzens. Und damit verlegt Jesus die Erfüllung der Gebote nicht in die äußere Tat, sondern ins Herz. Hier musst du das fünfte Gebot erfüllen, indem du liebst und deshalb nicht fähig bist, zu töten. Für Jesus stehen die Gebote nicht auf Steinen oder auf Papier oder in Kirchenrechtsbüchern, für ihn stehen die Gebote ins Herz geschrieben. Das gleiche gilt bei Jesus auch für das sechste Gebot und das achte Gebot. Nicht die äußere Erfüllung des Gebotes ist entscheidend, sondern die innere Wahrhaftigkeit. „Ich habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich habe sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern anblickt.“ „Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst keinen Meineid schwören. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht. Euer Ja sei ein Ja und euer Nein sei ein Nein.“    

 

5. Das meint wohl Jesus, wenn er von Erfüllung der Gebote spricht. Es geht nicht um mehr, sondern es geht um die innere Einstellung, um das verwandelte Herz, um einen neuen Menschen. Und diese Gerechtigkeit ist weit mehr als bloße Gebotserfüllung, wie bei den Pharisäern. Das heutige Tagesgebet hat es treffend ins Wort gebracht, worum es geht:    

Gott, du liebst deine Geschöpfe,

und es ist deine Freude,

bei den Menschen zu wohnen.

Denn du gibst uns ein neues und reines Herz,

das bereit ist, dich aufzunehmen.

Franz Langstein

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