08.10.2017

Predigt am 27. Sonntag im Jahreskreis A

Mt 21, 33-44


Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Mord im Weinberg“. So könnte eine Überschrift lauten, die man dem eben gehörten Gleichnis geben könnte. „Mord im Weinberg“. Täter: Die Winzer. Opfer: Der Sohn und Erbe des Weinbergbesitzers. Motiv: Habgier. „Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn töten“. Ein gemeinschaftlich begangener Mord aus niederen Beweggründen. Darauf ließe sich doch ein Krimi aufbauen und Spannung erzeugen.

 

2. Und in der Tat: Das Gleichnis steht im Matthäus-Evangelium und ist also zu einer Zeit niedergeschrieben worden, als sich ein spannender, dramatischer und leidvoller Prozess zu Ende neigte und gleichzeitig begann: Die Spaltung zwischen Christen und Juden. Eine Spaltung, die nicht ohne Blutvergießen ausging. Bis in die  jüngste Vergangenheit. Und das heutige Gleichnis  kann man und hat man wohl auch missverstanden, dass man gesagt hat, die Winzer, also die Juden, haben den Sohn ermordet, sie seien Gottesmörder. Noch vor sechs Jahren bezeichnete der Bischof der traditionalistischen Piusbruderschaft, Richard Williamson, die Juden als Gottesmörder, indem er sich auf das heutige Evangelium bezog. Es ist daher dringend erforderlich, das Gleichnis auf seine Sinnspitze hin zu befragen.

 

3. Es ist klar – Sie werden es bemerkt haben -, dass das Evangelium Bezug nimmt auf das sogenannte Weinberglied, das wir in der ersten Lesung aus dem Buch Jesaja gehört haben: „Ich will ein Lied singen von meinem geliebten Freund, ein Lied vom Weinberg meines Liebsten. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fruchtbaren Höhe. Er grub ihn um und entfernte die Steine und bepflanzte ihn mit den edelsten Reben. Er baute mitten darin einen Turm und hieb eine Kelter darin aus. Dann hoffe er, dass der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure.“  Und dann erzählt das Lied davon, dass der Weinberg eingerissen wird, weil er nicht die Früchte brachte, die man erwarten konnte. Der Grund des Niedergangs des Weinbergs ist also, dass er keine guten Früchte brachte. Und ganz Ähnliches hören wir am Ende des Evangeliums: „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.“ Auch hier ist von „Fruchtbringen“ die Rede. Das „Fruchtbringen“ wird also zum entscheidenden Grund, ob der Weinberg bestehen bleiben kann oder nicht bzw. ob er einem neuen Volk, also neuen Winzern gegeben werden muss. Das „Fruchtbringen“ scheint mir hier also der Schüsselbegriff zu sein. Was ja auch klar ist: Wozu braucht es einen Weinberg, der keine Früchte bringt? Was aber heißt in dem Zusammenhang „Fruchtbringen“? Tatsächlich haben wir in beiden Lesungen, also sowohl im Weinberglied des Jesaja wie auch im Evangelium klare und eindeutige Hinweise, was unter „Fruchtbringen“ zu verstehen ist.

 

4. In der ersten Lesung bei Jesaja hörten wir: „Ja, der Weinberg des Herrn der Heere ist das Haus Israel. Er, (der Herr der Heere) hoffte auf Rechtsspruch – doch siehe da: Rechtsbruch, und auf Gerechtigkeit – doch siehe da: Der Rechtlose schreit.“ Mit Fruchtbringen ist also hier eindeutig gemeint: Gerechtigkeit hervorbringen. Und auch im Evangelium haben wir im Zusammenhang mit „Fruchtbringen“ einen wesentlichen Begriff gehört: „Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt.“ Es ist der Begriff vom Reich Gottes. Und was „Reich Gottes“ im Evangelium bedeutet, das können wir direkt am Leben Jesu ablesen: Nächstenliebe, Liebe zu den Armen, Kranken, Ausgegrenzten, Solidarität, Teilen, Hilfe. „Fruchtbringen“ heißt also hier jene Haltungen und Handlungen hervorzubringen, wie sie Jesus hatte und vorgelebt hat.

 

5. Und jetzt können wir die Sinnspitze des Gleichnisses gut verstehen. Sie wird deutlich in der Antwort der Hohenpriester und Ältesten, an die das Gleichnis ja gerichtet war. Jesus stellt ihnen die Frage: „Wenn nun der Besitzer des Weinbergs kommt: Was wird er mit solchen Winzern tun?“ Sie sagten zu ihm: „Er wird diesen bösen Menschen ein böses Ende bereiten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.“ Es ist klar: Eine Gemeinschaft, sei es eine religiöse wie das Judentum oder Christentum, oder sei es eine politische wie der Staat oder eine kleine wie die Familie - egal – wird nur gelingen, wenn sich in ihr Gerechtigkeit und Nächstenliebe ausbilden. Die Geschichte ist voller Beispiele, wie Gemeinschaften zerbrechen, Staaten zerfallen, im Bild gesprochen: Der Weinberg verödet, wenn Gerechtigkeit und Nächstenliebe nicht mehr lebendig sind. Die Winzer töteten aus Habgier. Wo die Habgier zur entscheidenden Kraft wird, ist dem Weinberg ein böses Ende bereitet. Das ist wohl die Mahnung des heutigen Evangeliums. Ich denke, wir brauchen hier keine aktuellen Bezüge herstellen. Sie liegen vor Augen.

 

6. Und man kann das alles nicht besser zusammenfassen als in den Worten, die wir in der zweiten Lesung hörten, aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper:

 

„Schließlich, Brüder und Schwestern:

Was immer wahrhaft, edel, recht,

was Lauter, liebenswert, ansprechend ist,

was Tugend heißt und lobenswert ist,

darauf seid bedacht!

Was ihr gelernt und angenommen habt,

gehört und an mir gesehen habt,

das tut!

Und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“

Franz Langstein

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