05.02.2017

Predigt am 5. Sonntag A17

Mt 5,13-16


Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Ihr seid das Licht der Welt, ihr seid das Salz der Erde“, sagt Jesus. So haben wir es eben im Evangelium gehört. Mal ehrlich: Wie geht es uns mit solchen Sätzen? Was empfinden wir? Sind die Sätze nicht ein wenig peinlich? Maßlose Selbstüberschätzung. „Licht der Welt, Salz der Erde?“ Geht’s nicht ein wenig bescheidener? Peinliche Anmaßung: Wir sind Licht der Welt! Und die anderen? Oder auch andere Gruppierungen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen und mit Gott und Kirche nichts zu tun haben? Ausgerechnet wir Christen sind Licht der Welt? Man möge uns zurufen: „He, Leute, nun kommt mal auf den Teppich zurück und auf den Boden der Tatsachen; schaut eure Geschichte an.“ „Ja“, so mögen wir antworten, „wir wissen es ja. Und deshalb sind wir auch bescheidener geworden. Der Satz vom Licht der Welt ist uns selbst ein wenig unangenehm.“ Aber hat nicht diese Bescheidenheit oder diese Selbstzurücknahme des Anspruchs zu einem ziemlich niveaulosen Christentum geführt? Ohne Selbstbewusstsein? Fulbert Steffensky (ehemaliger Professor für Religionspädagogik in Hamburg) hat in dem Zusammenhang einmal gesagt: „Was, wenn man nur noch sagen kann, dass die tanzen können, die zwei Beine haben, aber nicht mehr sagt, dass die Lahmen springen werden wie ein Hirsch? Die Bescheidenheit in der Sprache wird bald auch zur Bescheidenheit in der Lebensvision und den Lebenshoffnungen.“   Tun dann nicht gerade solche Sätze vom „Licht der Welt“ und vom „Salz der Erde“ gut, weil sie aus einer falschen Bescheidenheit, die nicht der Demut, sondern dem Gefühl der Minderwertigkeit entwachsen ist, herausführen und aufrütteln?

 

2. Freilich – zunächst einmal ist klar, dass der Einzelne bei solchem Anspruch wie „Salz der Erde“ zu sein, zurückschreckt und sich überfordert fühlt. Aber diese Sätze gelten ja nicht zuerst dem Einzelnen, sie gelten der Kirche als Ganzes und jeder Gemeinschaft, die sich auf Christus beruft – auch unserer Gemeinde. Das entlastet den Einzelnen. Und da schauen wir doch mal hin. Ich war in Indien, 1997. War erschrocken über die Armut in der Millionenmetropole Bombay; man sagte uns, dass den armen Leuten in Krankenhäusern kaum geholfen wird, weil sie die Gebühren nicht zahlen können. Dann sagte man uns aber auch, dass es in Bombay ein Krankenhaus gibt, in dem alle Leute, egal welches Einkommen sie haben, welche Religion, welcher Kaste sie angehören, behandelt werden. Das ist ein christliches Krankenhaus. Da war ich vor fünf Jahren in Israel; wir waren auch auf palästinensischem Gebiet. Auch dort: Mitten drin ein Kinderkrankenhaus der Caritas, also einem christlichen Träger. Da starten wir hier in unserer Gemeinde und vielen Gemeinden Deutschlands eine Sternsingeraktion mit jungen Christen. Sie ist mittlerweile die größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Jährlich können mehrere Millionen Euro dort eingesetzt werden, wo Hilfe besonders wichtig ist. Da treffen sich in unserer Gemeinde und vielen Gemeinden Menschen, die sich der sogenannten „Eine-Welt-Problematik“ annehmen. Da kommen die Jugendlichen in unserer Gemeinde zur Firmung. Wir üben einen Tag vor der Firmung den Firmgottesdienst. Wir üben auch das Glaubensbekenntnis: Ich frage sie dann, wie es der Bischof einen Tag später machen wird: „Glaubt ihr an Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist?“ Alle antworten: „Ja, ich glaube“. Ich frage zurück: „Glaubt ihr das wirklich? Jetzt mal ganz im Ernst: ihr sollt nichts sagen, was nicht stimmt. Ihr sollt dem Bischof nicht etwas vorflunkern. Also wie ist es. Glaubt ihr es wirklich?“ Schweigen. Eigentlich nicht so richtig. „Ja, wieso sagt ihr dann: Ja, ich glaube?“ Noch mehr Schweigen. Woher diese Unsicherheit? Warum so wenig Selbstbewusstsein? Ich sage ihnen dann: „Schaut mal: Ihr seid in eurer Schulklasse vielleicht die einzigen, die so etwas sagen können. Ich glaube an die Auferstehung. Das heißt: Ich glaube nicht an die Allmacht des Todes. Ich glaube nicht an den Sieg des Dunkels über das Leben. Ich glaube an den Sieg der Liebe und der Gerechtigkeit. Ich glaube an ein Ziel meines Lebens, für das es sich lohnt zu leben. Und damit glaube ich daran, dass das Leben sinnvoll ist. Sagt mir: Wer in eurer Schulklasse kann so etwas Tolles vorweisen und von sich behaupten? – Ja, ich glaube an die Auferstehung, das ist doch was. Und lasst das nicht nur den Bischof wissen, lasst das auch andere wissen.“ Und jeden Sonntag kommen Menschen zusammen und feiern Gottesdienst und halten dadurch die Erinnerung und die Gegenwart Gottes in unserer Stadt lebendig. Und hier sei nochmals Fulbert Steffensky zitiert: „Wir haben kein Recht, die Arbeit anderer geringer zu schätzen als unsere eigene. Und trotzdem gibt es die Besonderheit des Christentums und der Kirche. Es gibt nämlich kaum noch Gruppen, die alte Dokumente haben, die gelten und verpflichtend sind für alle. Das war einmal anders. Da gab es die Sozialisten mit ihren Manifesten. Es gab einen humanistischen Kanon des Rechts und der Freiheit. Diese Gruppen aber sind weithin zerfallen. Es ist fast nur noch die Kirche, die heilige Texte hat, die für alle verpflichtend sind und an die alle glauben. Was aber, wenn diese Texte verschwinden? Was wird auf Dauer die Idee vom Recht ausbilden? Wer hat außer den Christen altes Salz, das die Gewissen reinigt und vor der Verderbnis bewahrt?“  

 

Man könnte noch so weiter machen. Darüber nachzudenken – dazu regt der Satz an: ihr seid das Licht. Ich meine: Man hat uns ja jahrelang beigebracht, dass wir zuerst Sünder sind. Schuldbekenntnisse und Beichten konnten wir nicht genug ablegen. Immer hatten wir irgendwie versagt. Und jetzt kommt jemand und sagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ He, ihr seid Leuchten. Wir haben den Menschen und der Welt wirklich etwas zu sagen und zu bringen. Ohne die Kirche wäre die Welt ohne Salz, weil ohne Transzendenzbezug, d.h. ohne ein Bezug über sich hinaus. Und erst dieser Glaube, dass die Welt sich selbst nicht genügt und sich nicht in sich erschöpft, sondern über sich hinauswächst in die Welt Gottes hinein, ist das Salz der Erde und das Licht der Hoffnung für die Welt.

Franz Langstein

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