02.04.2017

Predigt am 5. Fastensonntag A17

Joh11,1-45


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Hier haben wir wieder eine dieser großen Erzählungen des Johannes-Evangeliums. Wenn man das Ende nicht schon wüsste, wäre der Text spannend bis zum Schluss. Schrittweise baut sich eine enorme Spannung auf. Es geht im wahrsten Sinn des Wortes um Leben oder Tod. Und während im Lesen die Handlung vorangetrieben wird, merken wir irgendwann: Mit vielen, was da erzählt wird, könnte ich selbst gemeint sein. Da ist der stille Vorwurf an Jesus: „Warum hat er nicht verhindern können, dass dieser hier starb?“ Wieso das Leid in der Welt? Da ist der schwere Stein vor dem Grab als Zeichen der Endgültigkeit des Todes. Der Stein als unüberwindbare Trennung der Lebenden von den Toten. Diese schmerzvolle Trennung und furchtbare Endgültigkeit, wie es scheint. Diese Endgültigkeit wird eigens nochmals betont, wenn es heißt, dass Jesus erst am vierten Tag in Bethanien ankam. Nach jüdischer Vorstellung verharrt die Seele eines Verstorbenen drei Tage in seiner Nähe. „Am vierten Tag“ bedeutet, dass jede Möglichkeit eines Scheintodes ausgeschlossen ist. Hier liegt nur noch die Hülle, unbeseelt. Tod, Vorwürfe, Hoffnungslosigkeit, Trauer sind so präsent in dieser Erzählung. Wer könnte sich nicht da hineinversetzen? Und dann die andere Zeichen: Zeichen der Hoffnung. Jesus sagt, Lazarus schlafe nur. Er geht zum Grab, mit Bestimmtheit und Macht und erfüllt so die Menschen mit einer großen Zuversicht. Was hat er vor? Er fordert auf, den Stein weg zu wälzen. Er wird doch wohl nicht etwa? Aber der Leichnam riecht doch schon? Einwände, Hoffnungen, Zweifel, Zuversicht. Die Geschichte knistert vor Spannung. Und ehe wir uns versehen, spüren wir: Das ist die Spannung unseres Lebens. Zwischen Hoffnung und Resignation, Glauben und Zweifel, Zuversicht und Aussichtslosigkeit, Licht  und Dunkel. „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, heißt es in einem Kirchenlied. Die Erzählung wirft die Frage auf: Wie können wir glauben, dass das Licht gewinnt? Wie können wir mitten im Leid Auferstehung erfahren? Kurz: Wer sind wir eigentlich? Nur biologische Wesen, die unter den Gesetzen der Biologie leiden, weil wir doch eigentlich eine größere Hoffnung und Sehnsucht in uns tragen, die allein die Biologie nicht zu erfüllen vermag? Warum Hoffnungen, warum so viele Verheißungen des Lebens, wenn sie unerfüllt bleiben?  „Wir gehen mit großen Hoffnungen an den Start und landen in Filzpantoffeln“, hat Bischof Kamphaus einmal gesagt.     

 

2. Es gibt eine Stelle im Johannes-Evangelium, die sich wie ein Kommentar zu der eben gehörte Erzählung liest: „Jesus sprach: Amen, Amen, das sage ich euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun, sondern nur, wenn er den Vater etwas tun sieht. Was nämlich der Vater tut, das tut in gleicher Weise der Sohn. Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen er will. Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben. Die Stunde kommt, und sie ist schon da, in der die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und alle, die sie hören, werden leben. Denn wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben.“ In Christus ist uns also göttliches Leben zugekommen. Gott hat in Christus die Welt so sehr berührt, dass das göttliche Leben auf sie übergesprungen ist. Alles, was der Sohn tut, tut er als Selbstmitteilung Gottes. Deshalb kommt der Welt Leben zu. Deshalb kommt meinem Leben ein Leben zu, das nicht biologisch ist.    

 

3. Und doch ist unser Leben beides: ewig und vergänglich, lichtvoll und leidvoll, erfüllt und leer, voll Verheißung und voll Enttäuschung. Die Erzählung von der Totenerweckung des Lazarus macht das nur allzu deutlich.  So sind wir ausgespannt zwischen diesen beiden Wirklichkeiten, der natürlichen und der göttlichen.

 

4. Und in Christus ist die göttliche Wirklichkeit unter uns aufgeleuchtet und hat sich unser angenommen und hat uns erfüllt. Das darf nicht nur Theorie bleiben. Es muss sichtbar werden, spürbar, erfahrbar. Die Welt braucht Menschen, die diese Hoffnung leben, diese Zuversicht ausstrahlen. Der MISEREOR-Sonntag erinnert uns daran. Wie kann mitten  im Leben Auferstehung erfahren werden? Indem wir das tun, was wir bekennen: Die Liebe ist stärker als der Hass; das Licht stärker als die Dunkelheit, die Gerechtigkeit stärker als die Ungerechtigkeit, die Hoffnung stärker als die Verzweiflung. Lassen wir die Menschen, die oft im Dunkeln sitzen, daran teilhaben an dem, was uns erfüllt.

Franz Langstein

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