01.03.2017

Predigt am Aschermittwoch 2017

Mt 6,1-7.16-18


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir heute die Fastenzeit beginnen, dann hat vielleicht so mancher von Ihnen schon bestimmte Fastenvorsätze gefasst. Und heute, an Aschermittwoch, geht’s los. Wir Menschen brauchen mitunter solche festen Daten, die wir als Startschuss wählen, um Vorsätze umzusetzen. Insgesamt, so mein Eindruck, hat sich die christliche Fastenzeit wieder ein wenig mehr ins Bewusstsein der Menschen hineinschlichen. Es gibt so Bewegungen wie „Sieben-Wochen-ohne“, es gibt eine Initiative, die nennt sich „Autofasten“, als bewusst weniger Autofahren, und auch die Kirchen bieten verschiedene Ideen an, die Fastenzeit sinnvoll zu nutzen. Manche tun sich etwas schwer mit der Fastenzeit und fragen nach dem Sinn des Ganzen. Aber egal, ob man schon für sich schon einen Entschluss gefasst hat, die Fastenzeit sinnvoll zu nutzen oder ober man noch irgendwie einen Sinn des Ganzes sucht, so steht heute in der zweiten Lesung ein Satz, der wie eine Überschrift über der Fastenzeit stehen könnte: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“

 

2. Man könnte diesen Satz etwas salopper formulieren, dann würde er lauten: „Jetzt ist sie da die Zeit, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.“ Das wäre doch eine gute Umschreibung dessen, was die Fastenzeit will: Die Dinge wieder in Ordnung bringen, die irgendwie aus den Fugen geraten sind; die irgendwie in Unordnung sind; die eigentlich nicht so sein sollten, wie sie sind; die man sich auch mal ganz anders vorstellen könnte. Die Dinge wieder in Ordnung bringen, bedeutet dann nämlich Gnade und Rettung: Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist die   Zeit der Rettung.

 

3. Um welche Dinge geht es da? Das heutige Evangelium benennt drei wesentliche Bereiche des menschlichen Lebens: „Wenn du Almosen gibst, mach es nicht wie die Heuchler. Dein Almosen soll verborgen bleiben.“ „Wenn du betest, mach es nicht wie die Heuchler. Bete im Verborgenen“ und „wenn du fastest, mach es nicht wie die Heuchler. Faste im Verborgenen“. Diese drei Bereiche: Almosen geben, Beten und Fasten beschreiben das „Netzwerk“, in dem menschliches Leben eingebunden ist. Man hat sie auch mal die „drei Grundformen der Heiligung des Alltags“ genannt. Almosen geben beschreibt meine innere Haltung zum nächsten; Gebet beschreibt meine Beziehung zu Gott und Fasten beschreibt meine Selbstachtung. Man fühlt sich an den Satz erinnert: Man solle Gott und den Nächsten Lieben wie sich selbst. Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe. Hier wird mein Alltag geheiligt. Und genau darum geht es in der Fastenzeit.

 

4. Die Dinge wieder in Ordnung bringen: Almosen geben. Die Dinge sind nicht in Ordnung, wenn in einem Land mehr als 50% der Lebensmittel vernichtet wird, wenn woanders die Menschen verhungern. Die Dinge sind nicht in Ordnung, wenn in asiatischen Ländern Menschen für Niedrigstlöhne arbeiten müssen, damit wir hier billig Klamotten kaufen können. Almosen geben meint also mehr als nur etwas spenden. Es meint, sich ein Gespür im Inneren zu bewahren für Gerechtigkeit und im Rahmen der Möglichkeiten dagegen steuern. Das meint es wohl auch, wenn Jesus immer wieder sagt: Du sollst es im Verborgenen tun. Dieses „im Verborgenen“ ist ja geradezu ein Schlüsselbegriff des heutigen Evangeliums. Also im Verborgenen: Im Herzen sich dieses Gespür zu bewahren. Im Herzen sensibel sein und sich anrühren   lassen von der Not. Dieses Almosen geben steht gegen den Geiz, der nur sich selbst sieht und kein Mitgefühl kennt.

Die Dinge in Ordnung bringen: Gebet. Die Gottesbeziehung. Die Gottvergessenheit ist ein Kennzeichen unserer Zeit. Es gibt nicht mehr viele Institutionen, die die Gottesfrage in die Gesellschaft lebendig hält. Der Mensch aber verliert eine wesentliche Dimension seiner Existenz, wenn im die Beziehung zu Gott verloren geht. Es geht ihm eine letzte unerschütterliche Hoffnung verloren und den Mut zu einer Liebe, die es sich lohnt zu leben trotz allem. Auch hier wieder: Im Verborgenen. Dort, im Herzen, sollen Hoffnung und Liebe verankert sein.

Die Dinge wieder in Ordnung bringen: Das Fasten. Ich tue mir etwas Gutes, wenn ich nicht alles haben muss und können muss und leisten muss. Es kann wie eine Befreiung sein. Die Selbstachtung gewinnen, weil man es sich es wert ist, auf sich zu achten und auf das zu achten, worauf es wirklich ankommt. Ich definiere mich nicht über meinen Besitz oder meinen Stand oder meine Leistung. Ich definiere mich über das, was wesentlich zum Menschsein gehört, nämlich die Fähigkeit zu Lieben. Auch diese Fähigkeit ist im Herzen verankert.

 

5. Die Dinge wieder in Ordnung bringen. Im Verborgenen. Weil es nicht darum geht, sagt Jesus, wie bei den Heuchlern, die im Almosen geben, im Gebet und im Fasten nur wieder eine große Show abziehen wollen, sondern es geht um das Herz. „Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist die Zeit des Heiles.“

Franz Langstein

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