27.11.2016

Predigt am 1. Advent A17

Mt 24,29-36


Liebe Schwestern und Brüder!

1.   Wir stehen im Advent und damit in der Vorbereitungszeit auf die Ankunft Christi. Nichts anderes heißt ja „Advent“: Ankunft. Und dabei geht es im Advent nicht nur darum, dass wir uns in dieser Zeit geistlich auf Weihnachten vorbereiten - also uns vorbereiten auf jene Begegnung mit dem menschgewordenen Gottessohn -, vielmehr geht es darum, dass der Advent ganz ernsthaft sagt: Diese Begegnung mit dem menschgewordenen Gottessohn steht für ein jedes Menschenleben auch noch aus. Advent – die Ankunft Christi – ist der Zielpunkt eines jeden Lebens. Und der erste Adventssonntag thematisiert genau diesen Aspekt. Er möchte uns aufrütteln, uns vorzustellen, was es heißt: du wirst Christus begegnen. „Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“ Und ich möchte heute Morgen mit Ihnen diese Vorstellung der Ankunft und Begegnung Christi im Leben mit Ihnen einmal durchexerzieren.

 

2.   Da ist zunächst von drastischen Zeichen die Rede. „Die Sonne wird sich verfinstern, und der Mond wird nicht mehr scheinen; die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.“ Das ist eine ganz starke Bildersprache. Sonne, Mond und Sterne, die hier regelrecht vergehen, sind für den antiken Menschen ja zunächst gar keine Objekte im naturwissenschaftlichen Sinn, sondern sie sind Zeichen einer Ordnung. Die Sonne ordnet den Tag; unterteilt ihn in Morgen, Mittag und Abend. Und am Sonnenstand konnte der Mensch ablesen, welche Jahreszeit dran war: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. An der Sonne konnte er die Zeit der Aussaat und der Ernte ablesen. Und der Mond? Er ordnet das Jahr. Der Mondkalender, heute noch im Islam gültig, gibt die Monate an. Wenn nach dem Neumond die ganz schmale Sichel des Mondes wieder zu sehen war, begann ein neuer Monat. Und die Sterne waren wichtig für die Orientierung des Nachts. Sonne, Mond und Sterne zeigten den Rhythmus des Lebens an. Sie gaben Halt und Orientierung. Sie waren das feste Gefüge des Lebens.

 

3.   Und nun sagt uns der Text am ersten Advent, dass bei der Ankunft Christi dieses feste Ordnungsgefüge unseres Lebens wegbricht. Die für das Irdische so wichtigen Ordnungen haben beim Anheben des Himmlischen keinen Bestand mehr. Die zeitlichen Einteilungen, die dem Leben Orientierung geben, gelten beim Hereinbrechen der Ewigkeit nicht mehr. Bei der letzten Begegnung mit Christus bricht alles Vertraute weg.

Und hier kann nun ein Erstes geschehen:

Der Mensch, der am Ende seines Lebens den Tod am Horizont heraufziehen sieht und der gläubig diese letzten Schritte wirklich versteht als diese Begegnung mit Christus, wird wohl diese Erfahrung machen, dass alles, was ihm bisher Halt gegeben hat, bildlich „Sonne, Mond und Sterne“, keinen Halt mehr geben. Die Grundlagen des Irdischen brechen weg; die Punkte der Orientierung geben keinen Halt mehr. Der Mensch hat das Gefühl, ins Bodenlose zu fallen. Aber könnte nicht das Gefühl des Fallens ins Bodenlose der Anfang dessen sein, was mit der Ankunft Christi gemeint sein könnte? Ja, könnte nicht das Fallen ins Bodenlose das Fallen in Gott sein, weil Gott selbst der Bodenlose ist? Die Ewigkeit ohne Grenzen? Das „Anheben seiner Unendlichkeit“, wie Karl Rahner es formuliert hat?

Und noch einen zweiten Aspekt beschreibt der heutige Text in Bildern:

Wenn das Ordnungsgefüge des Lebens zerbröselt, also wenn im Sterben am Horizont die Ewigkeit Gottes heraufzieht, wenn also „Sonne, Mond und Sterne“ vergehen als jene bekannten Lichtpunkte des Lebens, dann kann dem Menschen das Gefühl beschleichen, dass er nichts mehr hat, was ihm Licht und Erhellung gibt. Er wird sich auf eine ihm noch völlig unbekannte Zukunft ausrichten müssen, die aber nach vollkommen im Dunkeln liegt. Es wird sich also eher Dunkel statt Licht breit machen. Diese unbekannte Zukunft, die er zwar Ewigkeit oder Herrlichkeit Gottes nennen mag, ist ihm aber, weil sie unbekannt ist, dunkel. Es gibt nicht wenige, selbst gläubige Menschen, die am Ende eher dunkel als hell empfinden. Der Tod Jesu war auch im Dunkeln. Es heißt, dass sich die Erde verfinsterte und Jesus rief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Sonne, Mond und Sterne, die bisher Licht gegeben haben, haben sich verfinstert. Und das neue Licht ist nicht in Sicht. Die Zukunft liegt im Dunkeln, hinter dem Horizont des Todes. Wenn also im Verfallen des irdischen Lebens das Dunkel des Todes heraufzieht, könnte nicht genau dies der Anfang der Ewigkeit sein, dass uns also Gott zunächst eher im Dunkeln begegnet als im Licht? Wenn der Mensch also aufgehört hat, über sich selbst zu verfügen, wenn er seine „Sonnen, Monde und Sterne“ losgelassen hat, und wenn stattdessen nicht einfach etwas Neues kommt, sondern erst einmal nichts, ist dann nicht dieses Nichts schon der Ort der Anwesenheit Gottes, an dem wir ihm viel näher sind als im Licht von „Sonne, Mond und Sternen“?  

 

4.   Vielleicht ist auch das der Advent. Die Erinnerung, besser die Verheißung des kommenden Christus durch das Dunkel des Todes hindurch. Verheißung deshalb, weil so jedes Menschenleben ein Ziel hat, für das leben es sich gelohnt hat.

Franz Langstein

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