26.06.2016

Predigt am 13. Sonntag im Jahreskreis C16



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ja, da waren also drei Leute von Jesus so angetan, dass sie ihm nachfolgen wollte. Aber als Jesus ihnen sagte, worauf es in der Nachfolge ankommt, da war das dann doch zu viel: „Die Füchse haben ihr Höhlen und die Vögel ihre Nester, aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“.   Der andere will noch seinen Vater beerdigen und Jesus sagt ihm, dass er das sein lassen solle. „Lass die Toten ihr Toten begraben“. Und der Dritte will noch Abschied nehmen von seiner Familie, und Jesus verbietet ihm das: „Keiner, der die Hand an den Pflug legt und nochmals zurückblickt, taugt für das Himmelreich“. Und man wird jetzt wieder Predigten hören, die die Unbedingtheit und die Radikalität der Nachfolge einfordern. Und wer diese Radikalität nicht aufbringt, dem ergeht es so, wie den dreien, die dann außen vor gelassen werden. In einer Auslegung zu diesem Text las ich: „Das Reich Gottes fordert den ungeteilten und vorbehaltlosen Einsatz, der sich keinen Rückweg offenhält“. Was da gesagt ist und was hier gefordert ist, ist nichts Verkehrtes, sondern etwas sehr Kühnes, sehr Überzeugendes und sehr Gewagtes, und gerade deshalb auch Faszinierendes. Martin Buber sagte einmal, Religion sei nichts anderes als das „schlicht gelebte Alles“. Also alles hinzugeben, alles loszulassen, alles zu wagen… Wie gesagt, da ist nichts Verkehrtes dran, und es gibt genügend Menschen, die das tun; denken Sie an den kürzlich verstorbenen Rupert Neudeck oder an Mutter Theresa.

 

2. Und doch scheint es mir, wenn man diese Forderungen zur allgemeinen Richtschnur des Christsein macht, dass dann die allermeisten Christen nur mit schlechten Gewissen herumlaufen müssten. Es scheint mir, dass solche Höchstforderungen, wenn sie zum Maßstab des Christseins erhoben würden, für eine Überspanntheit sorgen. Der Christ lebt dann ständig in der religiösen Höchstleistung, immer religiös fiebrig und überhitzt. Immer angespannt auf Selbstkontrolle achtend, ob er jetzt gerade wieder alles hingegeben hat und ob er überhaupt noch die Ganzhingabe lebe. Alles oder nichts, ist dann die Devise. Alles unterhalb der Ganzhingabe ist nichts.     

 

3. Nein, das heutige Evangelium – so will ich es mal verstanden wissen – will uns gerade zeigen, dass auch der religiöse Mensch ein durchschnittlicher Mensch ist; einer, der im Alltäglichen lebt und darin manchmal aufgeht; einer, der morgens aufsteht, zu Hause lebt, vielleicht in seiner Familie, der zur Arbeit geht, abends nach Hause kommt, erschöpft, sich einfach ein paar Augenblicke Ruhe gönnt, und dann wieder zu Bett geht. Und das täglich. Das ist doch der Alltag des Christen. „Das Reich Gottes fordert den ungeteilten und vorbehaltlosen Einsatz, der sich keinen Rückweg offenhält“.   Das klingt gut, aber so ist es nicht. Es ist alles viel durchschnittlicher, einfacher, alltäglicher, mitunter banaler.   Wir leben nicht ständig im religiösen Fieber. Wir leben nicht ständig ungeteilt und mit vorbehaltlosem Einsatz.

 

4. Und betont nicht gerade das heutige Evangelium diese Durchschnittlichkeit? Die drei, die der Radikalität Jesu nicht folgen, sind doch ein Beispiel dafür, dass man, wenn man radikale Forderungen verallgemeinert, eher dafür sorgt, dass man sich in seiner Durchschnittlichkeit für areligiös hält und sich dann doch lieber abwendet. Und die Donnersöhne, wie sie genannt werden, Jakobus und Johannes, die gleich lospoltern, als Jesus in einem Dorf keine Aufnahme findet: „Sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt, und sie vernichtet?“ Wie viel Durchschnittlichkeit ist das denn? So einfache Rachegelüste! Dunklen Emotionen freien Lauf lassend! Die Alltäglichkeit springt im heutigen Evangelium einen sofort ins Auge.    

 

5. Und dennoch, um das nicht falsch zu verstehen, es gab und gibt Menschen, die dieser Radikalität Jesu folgen. Und das ist gut. Sie erinnern uns an die Heiligkeit Gottes; an seine Ungewöhnlichkeit, der man auch mit Ungewöhnlichem antwortet. Und diese Menschen sind faszinierend und bleiben eine Herausforderung für das Christentum. Es wird nur gefährlich, wenn man diese Radikalität verallgemeinert. Dann wird das Christentum zu einer Gemeinschaft von religiösen Spezialisten. Das schreckt dann doch eher ab.

 

6. Wir haben im heutigen Evangelium eine kleine Notiz am Rande. Da heißt es: „Jesus schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen“. Diese Notiz zeigt, dass wohl Jesus auf seinen Wanderungen bei Fremden Unterkunft suchte. Es wird wohl viele gegeben haben, die Jesus und den Jüngern Unterkunft für eine Nacht gewährten. Einige dieser sind auch zu Freunden Jesu geworden. Wir  wissen das von Maria, Martha und Lazarus. Jesus hat öfter bei Ihnen übernachtet. Und doch: diese Freunde Jesu folgten ihm nicht. Sie lebten weiter in ihrem Alltag. Und so hat es viele gegeben, die ihre Religiosität ganz in ihrem Alltag lebten; Essen, Arbeiten, Familie, Freizeit. In der Gewöhnlichkeit unseres Lebens hat sich das Christentum zu bewähren; in der Art unseres Umgangs mit anderen, unsere Aufmerksamkeit für andere, unsrer Freundlichkeit, unserem Reden, auch – wenn wir gefragt werden – unserem Zeugnis des Glaubens. Einfach Christus, sein Leben, seine Worte, in unserem Alltag aufnehmen. So wie Jesus Unterkunft suchte, will er in unserem Alltag, in unserer Durchschnittlichkeit Unterkunft haben. Und er wird uns Freunde nennen.

Franz Langstein

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