26.05.2016

Predigt am Fronleichnam 2016



Liebe Schwestern und Brüder!

1.      Fronleichnam zieht es uns hinaus in die Öffentlichkeit. Hier – auf dem Marktplatz, inmitten der Stadt Marburg – feiern wir unseren Gottesdienst; und nachher ziehen wir durch die Stadt in festlicher Prozession. Wenn wir das tun, dann tun wir das, weil wir bewusst in der Öffentlichkeit sein wollen, weil wir was zu sagen haben – ja, weil wir der Überzeugung sind, dass das, was wir hier feiern, unbedingt auch der Öffentlichkeit gezeigt werden muss. Wir tun dies aber nicht im falschen missionarischen Eifer, der da glaubt, immer schon besser zu sein als andere und sich immer schon in der Wahrheit dünkt, sondern wir tun dies, weil wir uns selbst als zutiefst Beschenkte wissen und dieses Geschenk nicht einfach für uns behalten möchten, sondern sagen möchten, dass auch sie Beschenkte sind. Wir wollen es kundtun. Aber was ist uns geschenkt? Und was wollen wir öffentlich feiernd kundtun? Für die anderen, für die Menschen drum herum, für die „Zaungäste“, für die hinter ihren Fenstern Zuschauenden? Man könnte jetzt ganz viel dazu sagen, ich muss mich auf einen Aspekt beschränken.

 

2.        Wir feiern Fronleichnam in der Öffentlichkeit, in einer Öffentlichkeit, die kaum noch Zugang zu Gott findet, ja die Schwierigkeiten hat, an Gott zu glauben oder den Glauben an Gott ablehnt. Das hat Gründe. Das  mag sein, dass manche Gott nicht für so wichtig halten, als dass man sich um ihn bemühen sollte. Irgendwann ist der Glaube verdunstet. Das mag sein, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse die Lücken schließen, zu deren Erklärung früher Gott herhalten musste. Es blitzt und donnert eben nicht, weil Gott es so macht, sondern weil das Wetter bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Und manche haben ihren Glauben verloren oder erst gar nicht gewonnen, weil sie an den Gott nicht glauben wollen, der ihnen manchmal von der Kirche verkündet worden ist oder verkündet wird. Und dann, in vielen Fällen zu Recht, weigern sie sich, an diesen Gott zu glauben, weil er so klein daherkäme und so lieblos und wie eine Art Talisman. Sie können an diesen Gott nicht glauben, der ihnen da verkündet worden ist, weil sie ahnen, dass Gott ganz anders sein müsste. Sie empfinden die Rede, dass Gott die Guten belohnt und die Bösen bestraft, dass Gott der Garant eines glücklichen Lebens sein soll, dass Gott immer Halt gibt, für unglaubwürdig. Gott ist kein Instrument für eine bessere Moral und Gott ist kein Talisman. An diesen so verkündeten Gott können viele zu Recht nicht glauben. Sie ahnen: So von Gott zu denken  wäre ein Beleidigung Gottes.

 

3.      Und jetzt sind wir hier und feiern Fronleichnam. In dieser Öffentlichkeit, die kaum mehr einen Zugang zu Gott findet – auch deshalb, weil die Verkündigung der Kirche diesen manchmal versperrt hat. Wir sind hier und feiern öffentlich Fronleichnam. Wir verkünden Christus als den, der durch sein Leben und seine Botschaft Gott gebracht hat und gezeigt hat, wie Gott ist, nämlich der bedingungslos Liebende, der gerade denen, die der Liebe am meisten bedürfen, diese Liebe durch das Leben Jesu gebracht hat  – und wir nehmen Brot und Wein – ganz schlichte Zeichen, die jeder versteht – und sagen von diesem Brot und diesen Wein: Hier ist dieser Christus, der uns Gott bringt und uns gezeigt hat, wie Gott ist. Und was kann es für Gott schönere Zeichen geben als Brot und Wein?  Jemand sagte einmal: „Wenn du wissen willst, wie Gott ist, dann nimm Brot und Wein und teile es.“ Mit diesen Satz ist alles gesagt:   

 

4.      „Dann nimm Brot und Wein“. Brot Wein: Zeichen des Lebens und der Freude. Wir nehmen also im öffentlichen Raum Brot und Wein und damit sagen wir: Vergiss alles, was man dir über Gott gesagt hat, wenn es nicht im Einklang steht mit diesem schlichten Symbol. Brot und Wein wollen sagen: Gott, der Schöpfer des Alls, all der unvorstellbaren Räume, Energien und Abermilliarden von Galaxien, der, der Schöpfer all dessen, der das ganze All erfüllt, dieser Gott sagt in den schlichten Zeichen von Brot und Wein zu mir: „Ich liebe dich. Du bedeutest mir sehr viel. Du bist mir kostbar und viel wert. Ich bin für dich wie Brot, das dich nährt und ich bin für dich wie Wein, der deine Freude sein will.“ In Brot und Wein nimmt sozusagen diese Liebe Gottes Gestalt an, so wie die Liebe eines Mannes zu seiner Frau in einer roten Rose Gestalt annehmen kann. Das verkünden wir hier öffentlich: Wir reden nicht von einem strafenden, rächenden oder willkürlichen Gott. Wir nehmen nur Brot und Wein und sagen: Das sind die Zeichen der Liebe Gottes. Weil diese Zeichen Leib und Blut Christi, d.h. sein Leben sind, und weil dieses Leben Christi nichts anderes war als die Verleiblichung der Liebe Gottes unter uns.  Und diese Verleiblichung der Liebe Gottes lebt hier fort.     

 

5.      „Wenn du wissen willst, wie Gott ist, dann nimm Brot und Wein und teile es.“ „Und teile es aus“. Und dann kann passieren, was wir am heutigen Tag im Evangelium gehört haben. Nicht umsonst ist heute an Fronleichnam dieses Evangelium dran. Viele Menschen kamen um Jesus zusammen, - von Tausenden ist die Rede -, und sie hatten nichts zu essen. Da nahm Jesus das Brot, teilte es und alle wurden satt. Offensichtlich war das Lebensbeispiel Jesu, der sich in Liebe hingibt und sein Leben teilt, so ansteckend, dass die Menschen zu teilen begannen, was sie hatten, und alle wurden satt. Diese Liebe, die uns in Christus aufgeleuchtet ist, verändert die Welt. Damit sprechen wir ein Grundproblem unsrer Zeit an: Viele wissen sich nicht mehr geliebt. Die Leistungsgesellschaft stellt Bedingungen: Du bist nur gut, wenn…. Bedingungslos geliebt und angenommen zu sein, ist keine Erfahrung mehr, die viele Menschen machen. Gut, viele sind gut umsorgt und materiell gesichert, aber geliebt sein ist noch mal was anderes. Deshalb, weil so manchen die Erfahrung des Geliebtseins fehlt, hat man Angst um sich selbst. Man wird unfähig zum Teilen und Loslassen. Jesus bewirkte das Wunder, dass die Angst verschwand. Alle wurden satt. Es geschah also Wandlung, Verwandlung der Welt.  

 

6.      Und damit kommen wir zu einer ganz tiefen Aussage: Indem uns hier Brot und Wein als Zeichen der Liebe Gottes vor Augen gestellt werden, erfährt der Mensch diese Liebe Gottes, kann sich neu angenommen und geliebt wissen. Dies befreit ihn von Ängsten. Die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi bewirkt Wandlung beim Menschen. Wir haben etwas falsch verstanden, wenn wir hier Wandlung feiern, aber selbst uns nicht hineinbegeben in die Wandlung zu einem immer liebevolleren Menschen. Das ist es also, was wir heute hier öffentlich sagen wollen. Wir haben Zeichen, die die Welt verwandeln können in der Erfahrung der Liebe Gottes.

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
Donnerstag 9.45 h Heilige Messe im APH St. Elisabeth, Lahnstraße 8 (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
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