25.09.2016

Predigt am 26. Sonntag im Jahreskreis C16

Lk 16,1-13


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Das Evangelium des heutigen Tages, das wir gerade hörten, ist ja und war ja auch eine perfekte Steilvorlage für alle, die Kritik am Christentum üben wollen oder geübt haben. Da ist einmal Karl Marx mit seinem „Opium für das Volk“. Die himmelsschreiende Ungerechtigkeit, die das heutige Evangelium beschreibt, wird nicht etwa beseitigt, sondern manifestiert, indem die Armen dieser Welt vertröstet werden mit der Aussicht auf das Himmelreich. Himmelsvertröstung als Opium für das Volk. Keinerlei Sozialkritik ist dem Evangelium zu entnehmen. Keine bestürzende Rede gegen diese himmelsschreiende Ungerechtigkeit, so wie das noch beim Propheten Amos war, - wir hörten es in der ersten Lesung -, sondern alles darf bleiben, wie es ist: Ist ja auch nicht so schlimm, schließlich kommt der arme Lazarus in den Himmel. Oder nehmen wir einen anderen großen Christentumskritiker des 19. Jahrhundert: Friedrich Nietzsche. Das Ressentiment der Niedrigen und Schwachen. Die Vornehmen und Mächtigen werden von den Niedrigen und Schwachen als böse diffamiert. Die, die es im Leben zu nichts gebracht haben, lassen ihren Neid auf die, die es zu etwas gebracht haben, freien Lauf. Die missliche Lage der Armen wird zu einer Tugend erklärt, die Hoffnung auf den Himmel macht. Während diejenigen, die es zu etwas gebracht haben, diffamiert werden und ihr Leben verteufelt wird. Und das Christentum ist genau der Nährboden für diese Ressentiments. Von Nietzsche stammt der Satz: „Wer sich selbst erniedrigt, will erhöht werden.“ Der arme Lazarus liebt wohl seine Armut, weil er erhöht werden will.         

 

2. Ja, in der Tat: Das Evangelium bietet eine Angriffsfläche gegen das Christentum. Und bei aller Einseitigkeit muss man diese Kritik auch ernst nehmen. Es ist immer ein Fünkchen Wahrheit dahinter. Aber was wäre, wenn das heutige Evangelium uns eine Botschaft verkünden möchte, die von dieser Kritik gar nicht berührt wird? Was wäre denn, wenn das Evangelium uns heute eine ganz bestürzende, aufrüttelnde und gerade deshalb heilsame Botschaft sagen möchte? Die Botschaft nämlich: Alles, was hier auf Erden geschieht und was in deinem Leben als freie Tat gesetzt wird und die Art, wie du gelebt hast, womöglich gar nicht mit dir im Tod untergeht, sondern Bedeutung hat für die Ewigkeit? Wie sähe ein Leben aus, dass aus dem Bewusstsein oder aus der Ahnung gelebt wird, dass das Leben so bedeutend ist, dass es für die Ewigkeit zählt und dass deshalb auch das Tun und Lassen ganz ernst genommen wird für die Ewigkeit. Die Gräben, die du auf Erden aufreißt, die haben Bedeutung für die Ewigkeit. „Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.“ Das wäre doch ein aufrüttelnde, bestürzende Botschaft, dass eigene Leben so ernst zu nehmen, weil es Bedeutung hat für die Ewigkeit. Und damit wäre es eine heilsame Botschaft. Ist diese Botschaft dann nicht auch ein Stachel, der uns antreiben müsste, endlich die Gräben zuzuschütten, die weltweit aufgerissen sind zwischen verfeindeten Gruppen, zwischen reichen und sehr armen Ländern. Wenn es eine Bedeutung für die Ewigkeit hat, müsste uns die Botschaft nicht umtreiben zu sagen: Wir können nicht länger die Armen Afrikas vor der Haustür Europas sterben lassen.   Vielleicht will dieses Evangelium genau das sagen: Bedenke Mensch, dass dein Leben eine unendliche Bedeutung hat, nicht nur eine endliche, aufs Irdische bezogene, sondern eine auf die Ewigkeit bezogene.

  

3. Und noch etwas kommt hinzu: Wer sind denn die Reichen und die Armen? Materiell ist die Frage ziemlich schnell zu klären. Aber wir wissen, dass es eine Armut gibt, die unabhängig von der materiellen Situation ist. Arm zu sein an Lebenswillen, an Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens, arm zu sein an Erfahrungen des Geliebtseins und Angenommenseins, arm zu sein an Hoffnung und Lebensmut, arm zu sein an Geborgenheit in Familie und Gesellschaft. Es wird damit deutlich: Es ist nicht immer eindeutig, wer auf welcher Seite sich befindet. Vielleicht geht’s uns ähnlich: Mal sind wir der Reiche, mal der arme Lazarus. Damit wird doch deutlich, dass es uns auch mal so gehen kann, dass wir auf die Hilfe anderer angewiesen sind. Wenn wir im Leben Gräben bauen, dann muss man sich nicht wundern, dass man, wenn man auf der falschen Seite des Grabens sich wiederfindet, keine Hilfe bekommt. Leben teilen in Aufmerksamkeit, Nächstenliebe zu praktizieren mit dem Herzen, das mit anderen mitfühlen kann, ist eine Lebenshaltung, die genau dieses Aufreißen von Gräben verhindert.

  

4. Und damit wird nun deutlicher, wie wir das Evangelium verstehen können:    Es geht nicht um eine Beschreibung, was nach dem Tod passiert. Es geht

nicht um eine Definition eines endgültig gescheiterten Lebens, sondern dieses Evangelium ist Mahnung, Ermahung. Und damit aufrüttelnd und

heilsam. Bedenke Mensch, wie bedeutend dein so einmaliges Leben ist. Es lebt und wirkt bis in die Ewigkeit hinein.

Franz Langstein

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