25.03.2016

Predigt am Karfreitag C16



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir haben die Leidensgeschichte Jesu Christi gehört: Den Verrat, das Ausgeliefertsein, die ganze Ohnmacht Jesu vor den Ereignissen, die unerbittlich auf ihn zukommen; die Kreuzigung, das Sterben, den Tod. Und nachdem die Erzählung ausgeklungen war, da steigt doch vielleicht so ein Gefühl auf, als ob man sagen wollte: „Und nun? Was jetzt? War’s das?“ Da ist so ein Innehalten, so ein Gefühl des „Noch nicht zu Ende sein Könnens“. „Das kann’s doch nicht gewesen sein!“ Es ist fast so wie bei einem Film ohne Happy End. Man verlässt vollkommen unzufrieden und verstört das Kino. Mein Bruder z.B. konnte den Schluss des Filmes „Das Boot“, der von einer U-Boot-Besatzung im Zweiten Weltkrieg handelt, nie sehen. Es war kein guter Schluss. Er hat vorher den DVD-Player ausgeschaltet, als die Besatzung aus den Tiefen des Mittelmeeres gerettet wurde. Das war für ihn ein gutes Ende. Vielleicht stehen wir jetzt ganz ähnlich da, nachdem wir die Leidensgeschichte gehört haben. Es fehlt irgendwie noch was. Wieso ist das so?


2. Ich glaube, dass in uns allen eine Ahnung und eine Sehnsucht inne wohnt, und zwar unabhängig davon, ob wir an Gott glauben oder nicht, dass doch die Liebe stärker sein möge als der Hass, dass doch der Frieden mächtiger sei als die Gewalt, dass doch die Gerechtigkeit siegen möge über die Ungerechtigkeit. Deshalb, weil wir nie aufgehört haben, ob bewusst oder unbewusst, daran zu glauben, deshalb geben wir nicht auf, an die Liebe und Gerechtigkeit und den Frieden zu glauben. Und jeder Sieg des Hasses und der Gewalt über die Liebe und die Menschlichkeit beleidigt unser Gefühl und enttäuscht unseren Glauben an die Liebe. Wir spüren Ohnmacht; wir ahnen, wir wären verloren, wenn die Gewalt und der Hass das letzte Wort hätten und den Sieg davon trügen. So geht es uns nach den Anschlägen von Brüssel, so geht es uns jetzt vielleicht nach dem Verklingen der Leidensgeschichte. Hier kann nicht einfach Schluss sein. Das wäre maßlos enttäuschend. Jesus, der so sehr die Liebe gelebt hat, wie kann er einfach so enden?


3. Die Leidensgeschichte, die wir gerade hörten, endete mit dem Satz: „Am Sabbat aber hielten sie die vom Gesetz vorgeschriebene Ruhe ein.“ Der Sabbat – das ist der Samstag. Also übertragen: der morgige Karsamstag. Ein merkwürdiger Tag. An ihm darf keine Heilige Messe gefeiert werden. Ich weiß nicht, wie Sie den Karsamstag empfinden. Aber hat er nicht auch so etwas geheimnisvoll Erwartungsfrohes? Man ahnt, dass das Ende vom Karfreitag doch so nicht stehen bleiben kann. Man geht in den Karsamstag in dieser gespannten Erwartung, dass doch unser Gefühl und unser Wunsch nach dem Sieg der Liebe über den Hass doch berechtigt sein mögen. Man fängt an, alles für das doch hoffentlich große Ende vorzubereiten. Selbst die, die nicht an Auferstehung glauben, putzen plötzlich die Fenster, machen die Wohnung sauber, richten alles her, so als ob man vorbereitet sein müsste für ein großes Finale.


4. Ich glaube, der Karsamstag ist der Tag, an dem das Aushalten besonders im Mittelpunkt steht. Aushalten, dass unser Gefühl nach dem Sieg der Liebe über den Hass zutiefst im Karfreitag enttäuscht und beleidigt wurde. Verstörung aushalten. Wie schlimm mag das erst den Jüngern ergangen sein am Karfreitag! Und doch aber diese Verstörung zu deuten wissen, dass wir nur deshalb verstört sind, weil in uns eine ganz große Hoffnung angelegt ist. Die Hoffnung, dass das letzte Wort die Liebe hat. „Am Sabbat aber hielten sie die vom Gesetz vorgeschriebene Ruhe ein.“ Es ist eine gespannte und erwartungsfrohe Ruhe. Es müsst doch das kommen, worauf wir zutiefst als Menschen immer schon gehofft haben. Möge dann Ostern zu dem Fest werden, an dem wir den Sieg der Liebe über den Tod feiern und wirklich tiefe innere Ruhe einkehrt. 

Franz Langstein

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