24.12.2016

Predigt in der Heiligen Nacht



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Bevor wir heute Weihnachten feiern, haben wir in den letzten vier Wochen den Advent begangen. Wir kommen also sozusagen aus dem Advent zum heutigen nächtlichen Festgottesdienst hier in die Kirche. Dies ist, um das Weihnachtsfest innerlich tief mitvollziehen zu können, nicht unerheblich. Im Advent haben wir Lieder gesungen wie: „Komm, du Heiland aller Welt“, oder „O Heiland, reiß die Himmel auf“. Und wir haben Gebete gesprochen, die Ähnliches zum Ausdruck bringen: „Biete auf deine Macht, Herr, unser Gott, und komm. Eile uns zu Hilfe mit göttlicher Kraft.“ Das haben wir in den letzten vier Wochen gesungen und gebetet. Warum haben wir solche Lieder gesungen und solche Gebete gesprochen? Doch wohl nicht nur, weil eben Adventszeit war und weil dann solche Gebete im Messbuch stehen und weil es üblich ist, dass man dann solche Lieder singt und weil die Kirche solche Texte und Lieder für den Advent vorsieht.

 

2. Nein, wir werden es wohl auch aus anderem Grund getan haben. Wenn wir den letzten Tagen Lieder gesungen haben wie „Komm, du Heiland aller Welt“, dann könnte das, wenn es wirklich mit innerem Nachvollzug gesungen wurde, Ausdruck dafür sein, dass wir Menschen eine Ahnung davon haben, wie wenig unser Leben und unsere Welt etwas Bleibendes zu schaffen vermag und wie sehr einmal errungenes Glück ständig dem Wandel und der Vergänglichkeit unterworfen ist. Ja, vielleicht haben wir im nun zu Ende gehenden Jahr persönlich erfahren müssen, dass es eine letzte Sicherheit, eine letzte Seligkeit, ein Glück, das man besitzt, nicht geben kann. Oder wir spüren tief innen in unseren Ahnungen und Befürchtungen: Es könnte alles auch mal anders kommen, schlimmer kommen, zu Ende gehen. Oder wir sind betroffen vom Leid und Elend der Menschen in anderen Regionen dieser Welt. Die Bilder davon, die via Fernsehen in unsere Wohnzimmer fluteten, nahmen dieses Jahr kein Ende. Und wenn zu alldem, was wir mitunter an Vergänglichkeit, Vorläufigkeit und Schicksale in unserem Leben erfahren noch hinzukommt, dass der Mensch sich eine Ahnung bewahrt von einem höchsten Glück, von einer Fülle des Lebens, von einem Leben jenseits von Angst und Bedrückung, wenn das also alles im Menschen zusammenkommt an Erfahrungen, an Befürchtungen, aber auch Sehnsüchten und Hoffnungen, dann kommt das alles, was den Menschen bewegt, zum Ausdruck in den Lieder wie: „Komm, du Heiland aller Welt“, und in einem Gebet wie: „Biete auf, deine Macht, Herr, unser Gott, und komm“. Es drückt sich darin die Sehnsucht nach endgültigem Gerettsein des Lebens aus. Er kommt zum Ausdruck der tiefe Wunsch, die eigene Existenz möge auf tiefe, nicht weiter beschreibbare Weise doch entgegen allem Anschein sinnvoll und glücklich und unzerstörbar sein. Es ist die Bitte nach einer letzten Geborgenheit des eigenen Lebens in einer großen Liebe und Vergebung.

 

3. Und wenn wir also deshalb so unsere Adventslieder und –gebete vor Gott gebracht haben, und wenn wir jetzt Heilige Nacht feiern, dann feiern wir, dass Gott unser adventliches Rufen erhört hat. Wir feiern, dass er eine Antwort gegeben hat. Aber was ist das für eine Antwort: Da liegt ein Kind in einer Krippe, das, wie es ausdrücklich heißt, in Windeln gewickelt ist. Ist es das, worum wir gebetet haben? Ist es das, weshalb wir unsere Adventslieder gesungen haben? „Ein Kind, in Windeln gewickelt in einer Krippe“ - sind wir mit dieser Antwort Gottes zufrieden? Ist das überhaupt eine Antwort? Soll das die Antwort unserer Sehnsucht und Hoffnungen sein? 

 

4. Aber welche Antwort hätten wir denn erwartet? Wie und was soll unserem Leben eine letzte Sicherheit geben? Wie allein soll unserem Leben Gewissheit geschenkt werden, dass wir zutiefst in Gott geborgen sind? Ist nicht vielmehr ein Kind ein ganz tiefes Zeichen für diese letzte Geborgenheit? Gerade in seiner Hilfsbedürftigkeit und Verwiesenheit auf Hilfe und Schutz will es uns zweierlei sagen:

 

5. Einmal: Eure Sehnsucht nach Glück und Frieden und Geborgenheit würde doch eine weitgehende Erfüllung finden, wenn ihr jeden Menschen so annehmt, als wäre er ein hilfsbedürftiges Kind. Ein solches Kind regt doch im Menschen jene Liebesfähigkeit an, die zum Wertvollsten gehört, was wir Menschen haben. Ein Kind ist anheimgegeben der menschlichen Liebe und Sorge. So sollten auch wir aneinander unserer Sorge und Liebe anheimgegeben sein.

 

6. Aber es gibt noch ein zweites, warum uns als Antwort auf unser adventliches Bitten ein Kind gegeben ist.  Dieses Kind in der Krippe ist hineingeworfen in eine Welt und in ein Leben, in denen es auch ausgesetzt und bedroht sein wird. Und dennoch schwingt bei diesem göttlichem Kind irgendwie die Ahnung mit: Es wird ihm nichts passieren. Gott ist mit ihm. Ja, so grotesk es klingt, selbst am Kreuz und tiefstem Gefühl der Gottverlassenheit kann diesem Kind das Leben nicht genommen werden. Es trägt ein Geheimnis in sich. Es trägt unzerstörbares Leben in sich. Vielleicht kannst du von diesem Kind lernen und ablesen, dass es um dich, du Mensch, genauso bestellt ist. Im Ausgeliefertsein an diese Welt trägt es doch eine tiefe Geborgenheit und ein tiefes Gerettesein in sich. Die Antwort Gottes auf unser adventliches Bitten ist ein Kind, weil sich in ihm zeigt: Es darf ausgeliefert sein, es darf enttäuscht werden, es darf klein sein, es darf dem Tode entgegen gehen, denn es ist in Gott geborgen. Und jeder, der das Kind betrachtet, möge die Ahnung überkommen: Um dein Leben ist es genauso bestellt: Du bist in Gott geborgen.

 

7. Ein Kind ist die beste Antwort auf unsere Frage nach einer letzten Gewissheit über das Geborgensein unseres Lebens in einer großen Liebe und Wertschätzung. Ja, ein Kind ist die Antwort unseres adventlichen Singens und Betens. Ich könnte jetzt auf Anhieb keine bessere nennen.

Franz Langstein

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