24.04.2016

Predigt am 5. Ostersonntag C16

Joh 13, 31-35


Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht.“ Mit diesen Worten begann das heutige Evangelium. Die Bibelwissenschaftler sagen, dass im Johannes-Evangelium der Tod Jesu und seine Verherrlichung, also seine Auferstehung zusammenfallen und ein Grunddatum bilden. Im Tod wird Jesus verherrlicht. So kann man den Satz verstehen: „Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht“, weil Jesus eine Abfolge von Ereignissen beginnt, die unwiderruflich zum Tod und somit zur Auferstehung führt.


2. Dennoch, so scheint es mir, dass hier vorschnell auf die Auferstehung vorgegriffen wird. Freilich kann man und muss man die Auferstehung als Verherrlichung Christi bezeichnen, aber wir dürfen den Weg dorthin nicht ausblenden. Und der Weg dorthin ist ja nun alles andere als eine Verherrlichung. „Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht“. Nicht nur im Vorgriff auf die Auferstehung ist die Verherrlichung zu sehen, sondern auch im Weg zum Kreuz. Als Judas hinausgegangen war, begann ja zunächst eine Abfolge von ganz schlimmen Ereignissen: Verrat, Gefangennahme, Verleugnung durch Petrus, Flucht seiner Jünger, Spott und Hohn, Folter, Verurteilung und Kreuzigung. Das muss hineingenommen werden in die Verherrlichung, von der Jesus spricht. Aber wie ist das dann zu verstehen?


3. Das Wort „Verherrlichung“ wird aus dem griechischen „Doxa“ übersetzt und nimmt Bezug auf das hebräische „kabod“. Hier bedeutet Verherrlichung das Aufscheinen Gottes und die Nähe Gottes in der Schöpfung und in der Geschichte Israels. In besonderer Weise betont gerade das Johannes-Evangelium das Aufscheinen Gottes in Jesus Christus. Er ist der Abglanz des Vaters; in ihm ist der Vater erschienen; wer ihn sieht, sieht den Vater usw. In Christus erscheint die Herrlichkeit Gottes, in ihm verherrlicht sich Gott. Wie aber sieht diese Verherrlichung aus?


4. Hier ist es sehr hilfreich, wenn wir auf den Zusammenhang schauen, in dem dieser Satz von der Verherrlichung >eingebettet ist. Unmittelbar davor ist die Fußwaschung. Sie ist das Zeichen der Liebe und der Zugewandtheit Gottes zu den Menschen. Und am Ende des heutigen Evangeliums heißt es: „Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“. Da mitten drin, zwischen Fußwaschung und dem Liebesgebot sagt Jesus, nachdem Judas hinausgegangen war: „Jetzt wird der Menschensohn verherrlicht“. Es geht also, so muss man doch vermuten, um die Verherrlichung der Liebe Gottes, die in Christus aufgestrahlt ist.


5. Ich glaube, wir beginnen zu ahnen, was jetzt damit gemeint sein könnte. Als Judas hinausging, wird nun eine Ereignisabfolge in Gang gesetzt, die in die Nacht führt, in die Dunkelheit der Gewalt, des Hasses, der Sünde und des Todes. Dort, wo alles andere als Liebe ist, also dort, wo alles andere als Gott zu vermuten ist, muss sich die Liebe, ja muss sich Gott, auch dorthinein begeben, damit sie sich als stärker erweist. Nicht als stärker, indem sie mit den Mitteln der Macht den Hass vertreibt, sondern stärker, indem sie gerade die Ohnmacht annimmt; denn in der Ohnmacht, dort wo dem Menschen keine Handlungsoptionen mehr bleiben, bleibt ihm immerhin noch die Liebe, die sich dann als Hingabe und Opfer versteht. Gottes Liebe muss aufleuchten auch im Dunkeln. Nur dann und jetzt kann man sagen: Die Liebe ist stärker als das Dunkel der Gewalt, des Hasses, der Sünde und des Todes. Christus bleibt nicht im Tod.


6. Für uns kann das Vieles bedeuten: Einmal, dass es keinen Hass, keine Schuld, keine Sünde geben kann, die den Menschen von der Liebe Gottes ausschließt. Es gibt auch keinen Schicksalsschlag, keine Krankheit, kein Sterben, das Grund dafür wäre zu sagen: Gott liebt mich nicht mehr.


7. Und es bedeutet, dass am Ende die Liebe, die sich oft ohnmächtig fühlt, ausgeliefert, vergeblich aber dann doch verherrlicht wird, d.h. immer ein Aufscheinen Gottes ist und dass dieser Liebe die Ewigkeit verheißen ist. Wäre Christus nicht den Weg ans Kreuz zur Auferstehung gegangen, hätten wir Zweifel daran, wie weit die Liebe eigentlich gehen kann. Die Liebe Gottes ging bis zum Äußersten.

Franz Langstein

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