24.03.2016

Predigt am Gründonnerstag C16



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Was es heute Abend zu feiern gilt, zu bedenken und nachzuvollziehen gilt, das können wir nur dann einigermaßen in den Blick bekommen, wenn wir das Geschehen des Letzten Abendmahls in seinen Gesamtzusammenhang einordnen. Jesus feiert mit seinen Jüngern ein Abendmahl, es ist sein letzes. Und es ist ein Besonderes.


2. Und wenn Jesus das tut, dann tut er das natürlich zunächst einmal ganz in der Tradition seiner eigenen Religion, ganz in der Tradition des Judentums. Die synoptischen Evangelien berichten hier sehr klar. Jesus fordert Petrus und Johannes auf, das Paschalamm für das gemeinsame Paschamahl vorzubereiten. Dazu pilgert Jesus – gemäß den rituellen Vorschriften – nach Jerusalem. Das Mahl muss in der Stadt Jerusalems gefeiert werden. So ist er zu Gast in einem jüdischen Haus, das ihm ein Bürger Jerusalems zur Verfügung gestellt hat.


3. Was ist die Bedeutung des Paschamahles? Das Paschamahl ist nach jüdischer Überlieferung im Kontext des Auszugs aus Ägypten entstanden. Das Paschalamm ist in Eile zu essen; das Blut des Lammes, an die Türpfosten gestrichen, hält den Todesengel ab, der die Erstgeburt bei Mensch und Vieh erschlägt. Das Paschamahl hat symbolische Bedeutung für Israel. Es steht an der Schwelle zwischen Unterdrückung und Freiheit, an der Schwelle zwischen dem Land der Sklaverei und dem Land der Verheißung. Es ist Auszug. Aus dem Dunkel und der Unterdrückung und der Angst in das Licht, der Freiheit und der Freude. Es ist ein symbolisches Mahl. Wenn heutzutage Juden zusammenkommen, um das Paschamahl zu feiern, dann fragt ein Kind am Tisch: „Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Und die Antwort, die gegeben wird, lautet: "Sklaven waren wir einst dem Pharao in Ägypten. Da führte uns der Ewige, unser Gott von dort heraus - mit starker Hand und ausgestrecktem Arm. Hätte der Heilige, gelobt sei Er, unsere Väter nicht aus Ägypten geführt, wären wir und unsere Kinder und unsere Kindeskinder Sklaven dem Pharao in Ägypten geblieben". Es ist also ein Erinnerungsmahl. Aber nicht so, als ob man in der rituellen Symbolik sich eines Vergangenen erinnert, sondern so, als ob das alles gerade jetzt geschieht. Das Paschamahl ist Vergegenwärtigung. Es ist Ausdruck der Sehnsucht und der Hoffnung der Juden, bis heute. Deshalb heißt es in der Mischna, die Sammlung der mündlichen Auslegungstraditionen: „In jeder Generation ist der Mensch verpflichtet, sich so anzusehen, wie wenn er selbst aus Ägypten ausgezogen wäre.“


4. Und doch fehlt Entscheidendes in den Berichten vom Letzten Abendmahl: Es wird kein Tier geopfert. Es fehlt das Lamm. War es also doch kein Paschamahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat?   Hätte dann doch das Johannes-Evangelium recht, nach dem Jesus am Vortag des Paschafestes gekreuzigt worden wäre und er somit nicht das Paschamahl mit seinen Jüngern feiern konnte? Oder gibt es einen theologischen Grund für das Fehlen des Opferlammes?


5. Schon Paulus interpretiert Christus als das Osterlamm, das für uns geopfert ist. Und das Johannes-Evangelium benennt mehrfach Jesus als das „Lamm Gott“. Der Neutestamentler Thomas Söding stellt diesbezüglich fest: „Deshalb blenden die Abendmahlsberichte das Paschalamm aus – und den leidenden Jesus, der sein Blut für alle vergießt, blenden sie ein“. Wenn es sich so verhält, dann geschieht hier ganz Neues. Zwar steht das Mahl immer noch an der Schwelle von Unterdrückung und Befreiung, von Angst und Erlösung, aber die Befreiung und die Erlösung sind jetzt ganz andere Art. Edith Stein schreibt dazu: „Segnung und Verteilung von Brot und Wein gehörten zum Ritus des Ostermahls. Die Früchte der Erde sind sein Fleisch und Blut geworden, von seinem Leben erfüllt. Die Stoffe, die dem Aufbau des menschlichen Leibes dienen, sind von Grund aus umgewandelt, und durch ihren gläubigen Genuss werden auch die Menschen umgewandelt: in die Lebenseinheit mit Christus einbezogen und von seinem göttlichen Leben erfüllt.“ Durch die Hingabe Christi also geschieht Erlösung. Und das verheißene Land ist Gott selbst. Schon jetzt.


6. Deshalb ist das eucharistische Mahl ist wie das Paschamahl zwar eine Gedächtnisfeier. Aber nicht so, als ob wir uns Vergangenem erinnern, sondern so, als geschieht es jetzt. Es ist Vergegenwärtigung. Es ist ein Erinnern, dass das, woran man sich erinnert, gegenwärtig setzt und wirksam macht. Oder sagen wir es mit den Worten des heutigen Evangeliums: Es ist, als ob Christus sich vor mir bückt und mir die Füße wäscht. Und weil ich Gott so unendlich wichtig bin, tut er das alles, um mir zu dienen und sich mir zu schenken und mich zu führen in das Land der Verheißung, der Freiheit und des Lebens.

Franz Langstein

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