21.08.2016

Predigt am 21. Sonntag im Jahreskreis C16

Lk 13,22-30

Predigt zu Jugendlichen, die sich auf die Firmung vorbereiten

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich möchte heute an dem Tag, an dem wir mit diesem Gottesdienst unsere Pilgerwanderung beginnen, hauptsächlich mit dieser Predigt euch, die Firmbewerber, ansprechen. Denn das, was wir gerade im Evangelium gehört haben, ist ein ungemein wichtiger Text fürs Leben. Wie bedeutsam dieser Text ist, wird deutlich an der Frage, die ganz am Anfang gestellt wird.

  

2. Jesus, so heißt es, war mit seinen Jüngern unterwegs nach Jerusalem. Man könnte fast sagen, so wie wir nach dem Gottesdienst unterwegs sind nach Meschede. Und da kam plötzlich einer aus der Menge, stellt sich vor Jesus hin und fragt ihn: „Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Das ist diese Frage, die von ungeheurer Bedeutung ist.

 

3. Vielleicht werdet ihr jetzt euch wundern und euch fragen: „Was soll daran so bedeutsam sein? Es interessiert mich nur wenig, wie viel Menschen gerettet werden.“ Und wenn ihr so denkt, hättet ihr gar nicht so unrecht. Denn was habe ich davon, wenn ich wüsste, ob 30, 50 oder 80 Prozent der Menschen gerettet werden? Spannender wäre es doch zu fragen: Gehöre ich dazu, zu den 30, 50 oder 80 Prozent? Werden nur wenige gerettet – und wenn ja, gehöre ich dazu? Aber ich muss euch gestehen, dass, als ich in eurem Alter war, das nicht mein Problem und nicht meine Sorge war und nicht mein Interesse. Und deswegen   - glaube ich – ist diese Frage auch nicht so zu verstehen: Wer wird einmal „einst“ nach dem Tod gerettet werden? Also: Wer kommt in den Himmel und bin ich dabei? Das was hier mit „gerettet“ gemeint ist, bezieht sich nicht nur auf die Ewigkeit, es bezieht schon jetzt auf unser Leben hier auf Erden. Man müsste also die Frage: „Sind es wenige, die gerettet werden?“ so formulieren: „Wie viel Menschen gelingt es, so zu leben, dass sie am Ende sagen können: Ich war glücklich – ich habe ein erfülltes Leben gehabt – ich habe sinnvoll und zufrieden gelebt.“ Wie viel Menschen gibt es, die das sagen können – und gehöre ich dazu? Und dass ich dann darüber hinaus die Ewigkeit geschenkt bekomme, ist das i-Tüpfelchen. Wenn wir diese Eingangsfrage so verstehen, dann geht uns diese Frage sehr wohl etwas an. Gehöre ich zu denen, die von sich sagen können und einmal werden sagen können: Ich habe mein Leben sinnvoll und erfüllt gelebt. Denn wiederholen kann ich mein Leben nicht. Nie wieder werde ich diese Erde betreten: Jetzt gilt’s.    Also noch mal die Frage, die hier am Eingang steht: Wie viel Menschen werden einmal sagen können, dass ihr Leben gut, sinnvoll und erfüllt war? Und gehöre ich dazu?

 

4. Und was antwortet Jesus? Er sagt: „Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen“. Das ist eine merkwürdige Antwort. Sie hat eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte Nachricht zuerst: Die Tür ist offensichtlich eng und nicht viele kommen da durch. Die gute Nachricht: Aber es gibt eine Tür, durch die hindurch unser Leben gerettet, also sinnvoll und erfüllend gelebt werden kann. Immerhin. Keiner muss also denken: Mein Leben ist Mist – ich habe sowieso keine Chance – mich mag sowieso niemand – es hat eh alles keinen Sinn. Nein, für jeden gibt es eine Tür, selbst wenn sie eng ist. Das ist die gute Nachricht.     

 

5. Aber was heißt das: Ich muss durch die enge Tür? Ich will euch diese Frage versuchen zu beantworten, indem ich mal von mir erzähle: Ich bin in Kassel groß geworden – in den 60er und 70er Jahren. In Kassel waren wir Katholiken die ganz große Minderheit. In meiner Schulklasse gab es überhaupt nur 4 oder 5 katholische Kinder. Ich ging jeden Sonntag mit meinen Eltern und meinen zwei Brüdern in den Sonntagsgottesdienst. Wir drei Brüder hatten alle den gleichen blauen Anzug an. (Wahrscheinlich gab es da mal ein Sonderangebot). Und wie war mir das peinlich, wenn mich Klassenkameraden in diesem Anzug gesehen haben. Am nächsten Morgen in der Schule war klar, dass darüber gelacht wurde. „Ich habe den Langstein in blauen Anzug gesehen, wie er zur Kirche ging.“ Es war nicht so einfach, als Kind oder Jugendlicher in Kassel katholisch zu sein. Als ich 14 Jahre alt war, habe ich meinem Vater gesagt, dass ich nicht mehr in die Kirche gehen wollte. Ich bleibe zu Hause. Mein Vater war aber die Verkörperung dessen, was gesetzt ist, was nicht diskutierbar ist, was einfach zum Leben dazu gehört und da wird nicht dran gerüttelt. Heute weiß ich, dass es gut war, so eine Säule in der Familie gehabt zu haben. Mein Vater machte mir also auf seine Art unmissverständlich klar, wo ich mich sonntags einzufinden habe. (Das hat bis heute gehalten). Und irgendwann habe ich zu verstehen begonnen, dass der Glaube und dass die Kirche doch eine Bedeutung für mein Leben haben und dass Gott es verdient, in meinem Leben eine Rolle zu spielen. Das wurde mir immer klarer und deutlicher und bedeutsamer für mein Leben. Und ich habe so zu einer inneren Freiheit gefunden. Es machte mir nicht mehr viel aus, wenn andere lachten, weil ich sonntags zur Kirche ging und weil mir Glaube und Gott wichtig waren. Vielleicht beneideten die anderen mich sogar, weil ich den Mut hatte, Dinge zu tun, die nicht alle, sondern nur wenige tun – z.B. sonntags in die Kirche gehen. Das ist doch mal was. Wer macht das schon. Wenig später entschied ich mich, Pfarrer zu werden. Und ich habe es nicht bereut. Aber um dahin zu kommen, musste ich es aushalten, manchmal belächelt zu werden. Ich musste es aushalten, Dinge zu tun, die andere nicht tun. Ich musste also – jetzt kommt’s – durch die enge Tür, die deshalb eng ist, weil nicht alle da durch gehen. Die Tür ist nicht für die Masse bestimmt. Nur einzelne können da durch, nicht die Masse.

 

6. Was also die enge Tür bedeutet, will ich mal so ausdrücken: Jeder von uns muss seinen Lebensweg finden. Und da kann ich nicht fragen, was die anderen von mir wollen oder erwarten, sondern ich muss lernen, auf meine innere Stimme zu hören: Was ist mein Weg, der mein Leben sinnvoll und erfüllend macht? Und dabei darf ich mich auch nicht beeinflussen lassen von der heutigen Gesellschaft. Was die mir alles einflößt, was ich machen muss, damit ich glücklich bin! Die Werbung, der sogenannte Mainstream, die Masse, die Maßstäbe setzt, denen ich mich zu beugen habe. Alle, die mir vorgaukeln: Du bist glücklich und erfüllend, wenn du viel Geld verdienst, wenn du einen super Job hast, wenn du Ansehen hast – das alles ist schön – aber nicht ausschlaggebend. Es gibt zu viele Reiche, die unglücklich sind. Die Menge, die mir also so etwas vorgaukelt, passt nicht durch die enge Tür. Aber ich passe dadurch, und jeder von euch passt durch, wenn man den Mut hat, sich nicht nach der Masse zu richten, sondern nach dem, was mir meine innere Stimme sagt, was mein Weg ist. Ich denke, dass ihr das manchmal erfahrt, mit dem Glauben an Gott allein dazustehen. Ministrant z.B. zu sein, sich firmen zu lassen. Da werden vielleicht auch manche Klassenkameraden dumm gucken. Aber wer hat schon den Mut dazu wie ihr? Vor Jahren hatte mir mal eine Jugendliche voll Stolz gesagt: „Ich bin doch nicht blöd und lasse mich firmen.“ Ich habe dann nur zurückgefragt: „Wieso, bist du zu feige?“

 

7. „Durch die enge Tür gehen“,   das kann z.B. bedeuten: Wo alle über einen lachen, versuche ich zu verstehen; wo alle hassen, versuche ich zu lieben; wo alle beleidigen, versuche ich zu verzeihen; wo alle zweifeln, stehe ich zu meiner Wahrheit. So dass ich am Ende sagen kann: Ich habe ein erfülltes Leben gehabt. Ich habe mein Leben gelebt. Und dabei spielt der Glaube eine große Rolle und Gott spielt eine große Rolle. „Denn der Glaube sagt   mir: Gott, du hast mich erschaffen und du hast mein Leben gewollt und du hast mir mein Leben anvertraut, und du willst, dass ich glücklich und erfüllt lebe.“ Ich habe da ein schönes Gebet gefunden, mit dem ich schließen möchte:

 

Gott, gib mir Mut für meine Überzeugung einzutreten.

Und lass mich nichts mehr lieben als dich –

Dann werde ich auch nichts fürchten und keine Götter

Neben dir haben und keinen anderen Frieden suchen als deinen Frieden.

Gib mir Mut!  

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
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