20.11.2016

Predigt am Christkönigssonntag C16

Lk 23, 35-43


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir feiern heute ein Fest, das Christkönigsfest, das relativ jung ist. Es wurde von Papst Pius XI. wenige Jahre nach dem ersten Weltkrieg eingesetzt. Denn eine Folge dieses Krieges war, dass viele König- und Kaiserreiche untergegangen waren, etwa in Deutschland, Österreich-Ungarn, Russland. Das Fest betont also nach den Umwälzungen in Folge des ersten Weltkriegs und dem Ende der großen Monarchien die wahre Monarchie Jesu Christi. Somit steht dieses Fest von Anfang an im Spannungsfeld zwischen Religion und Politik. Und man muss da genau hinschauen und aufpassen, damit man da nicht einem Missverständnis anheimfällt. Denn dieses Missverständnis von Religion zieht sich wie ein roter Faden auch durch die ganze Geschichte des Christentums und kann, wenn man nicht aufpasst, im Christkönigsfest erneut seinen Niederschlag finden. Die Gefahr des Christkönigsfestes ist, dass man dieses Fest sehr stark mit Macht in Verbindung bringen kann, auch mit weltlicher Macht und dass dann damit ein Christus kreiert wird, der wie ein weltlicher König Macht über die ganze Erde hat. Und dann ist es nicht mehr weit, bis jemand denkt und sagt: „Christus ist der wahre König, weil er der stärkere König ist. Während alle Macht zerbröselt, zerbröselt die Macht Christi nicht.“ Es war doch oft so bei den Religionen: Der stärkere Gott ist der bessere Gott. Und der bessere Gott ist der wahre Gott.

 

2. Vielleicht kann man das auch Kaiser Konstantin unterstellen, dass er deshalb das Christentum als Staatsreligion anerkannte, weil er den Sieg an der Milvischen Brücke gegen seinen Rivalen Maxentius im Jahre 312 einer Christusvision zuschrieb. Der nehmen wir den heiligen Bonifatius, als er die der Gottheit Donar geweihte Eiche fällte. Die Heiden waren überrascht, dass ihr Gott nicht einschritt. Der Gott des Bonifatius war  der stärkere, deshalb der bessere und dann auch der wahre. Das geht so weiter bis zu den Kreuzzügen und Religionskriegen. Soldaten tragen auf ihren Koppeln den Schriftzug: „Gott mit uns.“ Gott muss sich immer als der Stärkere erweisen, damit man ihn glauben kann als den wahren Gott. Das geht so bis heute: „Gott, warum hast du das Unheil nicht verhindert? Bist du nicht stärker als Schicksal, Leid, Tod? Wieso zeigst du deine Macht nicht? Gibt es dich am Ende wohl gar nicht?“ Ja, so denken nicht wenige: Nur der starke Gott ist der glaubwürdige.

3. Und dann feiern wir heute Christkönig. Und zunächst scheint dieses Fest genau in dieses Denken zu passen. Christus ist der wahre König, weil er der stärkere ist. Alle Monarchien sind untergegangen. Die Königsherrschaft Christi nicht. Aber dann – dann steht im heutigen Festevangelium diese brutale Korrektur dieses Fest. Es entlarvt das Missverständnis und zeigt, in welche Richtung dieses Fest zu verstehen ist. Jesus wird am Kreuz hängend verspottet: „Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.“ „Bist du nicht der Messias? Dann hilf dir selbst“. „Ja“, so wollte man am liebsten einstimmen, „wo bleibt nun dein Gott? Ist er nicht der stärkere? Warum hilft er dir nicht? Diesen Gott, den du uns verkündet hast, Jesus, der ist offensichtlich zu schwach. Du hast dich wohl geirrt. Das kann nicht unser Gott sein.“

 

4.  Dieses Evangelium am Christkönigsfest, das ist echt eine Ansage. Ein ohnmächtiger König. Ein starker Messias ist der bessere Messias, ein besserer Messias ist der wahre Messias: Dieses Denken wir hier brutal konterkariert.

     Seitdem gibt es auf die Frage: Gott, wo bist du, warum hilfst du nicht, wieso lässt du das Leid zu?“ nur eine Antwort. Sie lautet: Schau auf das Kreuz. Schau auf den Gekreuzigten. Das ist aus christlicher Sicht die einzige Antwort auf die Theodizeefrage. Die Welt ist nun mal wegen des Leids, der Schicksale und Kriege, der vielfältigen Not auch immer eine Welt des Kreuzes, also eine gekreuzigte Welt. Und mit ihr, weil er sie bis zum letzten liebt, ist auch der gekreuzigt, der von Gott gekommen ist, aber Welt geworden ist, Mensch wurde. Somit wird das Kreuz zum tiefsten Zeichen der Verbundenheit von Gott und Welt, von Schöpfer und Geschöpf, von Gott und Mensch. Gott wird die Welt nicht erlösen durch ein starkes Eingreifen mit Blitz und Donner; er wird sie nicht erlösen, indem er sich als der stärkere Gott erweist; er hat sie erlöst, indem er sich in Christus bis hin zum Kreuz mit uns verbunden hat. Somit wird das Kreuz zum Zeichen seiner Liebe und Treue.

 

5.  „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“, heißt es im Johannes-Evangelium. Indem sie auf den Gekreuzigten blicken, erkennen sie die Abgründe menschlicher Existenz. Im Blick auf das Kreuz wird der Mensch mit seinem eigenen Dunkel konfrontiert und mit der eigenen Gewalttätigkeit. Und deshalb ist es zu billig, einfach die Sache an Gott zu delegieren, nach dem Motto: „Warum greifst du nicht ein?“ Sondern es gilt, im Erkennen der eigenen Abgründe so zu handeln, dass die Welt anders wird.  

 

6.  Aber wir dürfen natürlich beim Kreuz nicht stehen bleiben: Das Kreuz wird es deshalb zum Zeichen der Liebe und Treue Gottes, weil er den, der in unser Dunkel eingetaucht ist, auferweckt hat. Die Auferstehung besiegelt die Liebe und Treue. Nicht der Hass siegt, sondern die Liebe. Nicht das Dunkel, sondern das Licht. Nicht die Sünde, sondern die Heiligkeit. Und nicht der Tod, sondern das Leben. Und darin zeigt sich dann Christus als der König. Ich schließe mit einem Gebet der Katharina von Siena: „Du Feuer und Abgrund der Liebe… Warum bist du deinem Geschöpf so verrückt zugewandt? Weil du dich in Dein Geschöpf verliebt hast, fandest du an ihm Dein Wohlgefallen und Entzücken und bist wie berauscht von der Sorge um sein Heil. Dein Geschöpf entflieht Dir, und Du fühlst dich getrieben, ihm nahezukommen. Noch näher konntest du ihm nicht kommen als in der Gestalt eines Menschen.“

Franz Langstein

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