20.03.2016

Predigt am Palmsonntag C16

Lesung: Sacharia 9,9 ff

Evangelium: 19,28-40

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Um den Einzug Jesu in Jerusalem, dessen wir heute am Palmsonntag gedenken, besser zu deuten und einordnen zu können, ist es gut, diesen Einzug im Licht der gesamten Sendung Jesu zu sehen. Und will man die Sendung Jesu zusammenfassen, so kann man kurz und knapp sagen: Das Leben Jesu dient – um es mal biblisch auszusprechen – der Errichtung der Königsherrschaft Gottes. Gemeint ist damit eine mit Gott und untereinander versöhnte Gemeinschaft von Menschen, in denen Gottes Liebe so sehr aufleuchtet, dass Gott gleichsam darin erfahrbar und spürbar wird für die Menschen, dass sie Hoffnung schöpfen, Frieden finden. Dort, wo Gott herrscht, ist das Leben anders. Und Jesus hat durch sein Leben ein Beispiel dafür gegeben, wie so ein Leben aus der Liebe Gottes aussieht. Und von dieser gesamten Sendung Jesu her bekommt der Einzug Jesu in Jerusalem seine Bedeutung.


2. Der Einzug in Jerusalem wird somit zur Symbolhandlung. Was aber ist das Symbol? Es fällt im heutigen Evangelium vom Einzug Jesu in Jerusalem auf, welch breiten Raum die Suche nach einem Esel einnimmt. Man könnte fast meinen, das ist doch Platzverschwendung und eigentlich nicht wichtig, worauf und wie Jesus in Jerusalem einzieht. Fast die Hälfte des Textes beschäftigt sich mit der Suche und dem Auffinden des Esels. Und damit sind wir schon beim Zeichen: Es ist der Einzug in Jerusalem auf einem Esel. Es ist deshalb ein Zeichen, weil Jesus anknüpft an einen alten Text aus dem Buch Sacharja, der die Ankunft des Messias schildert. Wir hörten ihn in der ersten Lesung: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel.“ Die Menschen damals haben das Zeichen wohl sofort verstanden. Sie riefen ihm zu. Sie bereiteten ihm einen triumphalen Einzug; sie breiteten ihre Kleider auf der Straße aus und sie riefen ihm zu: „Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn“. Eine Abwandlung des Zitats aus dem Psalm 118: „Gesegnet, wer kommt im Namen des Herrn“. Mit diesem Ruf wurden die Pilger in Jerusalem empfangen. Hier aber ist es eindeutig ein Empfangsruf für den neuen Messias: „Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn“.


3. Natürlich kommt die Frage auf: Welche Erwartungshaltung bedient Jesus eigentlich damit? Welchen König erwarten sie denn? Und was erwarten sie von Jesus? Eine Art militärische Befreiung aus römischer Herrschaft? Eine Art neuer David, der mit Macht sein Königreich ausbaute? Ich weiß nicht, ob man fragen darf: Hat das Jesus interessiert, was sie von ihm erwarten? Wichtig ist, was die Evangelisten uns überliefert haben. Und der Schlüssel für das richtige Verständnis ist nun mal der Rückgriff auf den alten Sacharjatext. Da heißt es nämlich weiter: „Sieh, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel“. Gerecht ist dieser König, weil seine Herrschaft auf Gerechtigkeit gründet, auf dem Willen Gottes. Er hilft, weil er aus aller Not rettet; und er ist demütig und reitet auf einem Esel, weil seine Herrschaft nicht auf Machtfundamenten ruht, sondern auf Gottvertrauen. Dieser Sacharja-Text gibt eigentlich kaum die Möglichkeit, die Herrschaft des Messias als politischen König misszuverstehen. Weiter heißt es nämlich: „Ich vernichte die Streitwagen aus Efraim und die Rosse aus Jerusalem, vernichtet wird der Kriegsbogen. Er verkündet für die Völker den Frieden.“ Für diese Art von Gottesherrschaft taugt das Kriegswerkzeug nicht; weder Streitwagen noch Rosse noch Kriegsbögen. Ich denke schon, dass die Evangelisten den Einzug Jesu in Jerusalem als Zeichenhandlung für seine gesamte Sendung richtig gedeutet haben. Der Einzug Jesu ist ein Zeichen, wofür Jesus sein ganzes Leben hingegeben hat. Die Liebe Gottes aufzurichten im konkreten und erfahrbaren Bereich.


4. So kommt er also nach Jerusalem. Mit dieser mächtigen Symbolhandlung. Symbole sagen mehr als alles Geschrei der Leute. „Wenn sie schweigen, reden die Steine“, sagt Jesus. Symbole sind wirksam, prägen sich ein. Das, was Jesus will, fordert dieses deutliche Zeichen. Und es fordert möglichst viel Öffentlichkeit. Deshalb Jerusalem. Aber es wird ihm zum Verhängnis. Aber selbst dieses Verhängnis, dieses Sterben am Kreuz, wird dann nochmals zum Zeichen, wie Jesus seine Königsherrschaft verstanden wissen wollte. Lassen wir also heute und in dieser Woche diese mächtigen Zeichen seines Einzugs und seines Sterbens unter uns aufs Neue wirksam werden, damit wir selbst zu Boten seiner Gottesherrschaft werden.

Franz Langstein

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