19.06.2016

Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis C16



Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um menetwillen verliert, der wird es retten.“ Das sind deutliche und harte Worte. Man hat heute schon fast Angst, sie zu verkünden. In einer Zeit, in der die Kirche immer weniger bei den Menschen ankommt, fehlt uns gerade so eine Botschaft noch. Nein, damit kann man wohl die Menschen heute nicht erreichen. Dann ist es schon besser, wir bringen eine weichgespülte Version des Christentums; ein Jesus-liebt-dich-Programm, ein Wellness Programm, ein Jesus, der Halt und Freude und Glück gibt, und Gesundheit und womöglich noch gutes Wetter. Nein, es passt nicht: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst.“ Ein andere Jesus muss her.

 

2. Für wen sollen die Menschen Jesus halten, damit er attraktiv wird? Jesus fragt seine Jünger Ähnliches: „Für wen halten mich die Leute?“ Ja, die einen halten ihn für Johannes den Täufer, andere für Elija, und Petrus hält ihn für den Messias. Ja, so einen Jesus brauchten sie: Wie Johannes, der mal wieder klar sagt, wo es lang geht; wie Elija, der Kämpfer gegen den Götzendienst; wie ein Messias, der bald eine neue Herrschaft errichten wird. Mit Jesus von Macht träumen. Was brauchen wir für einen Jesus? Das Ideal von Menschlichkeit, den Revolutionär für die Armen und gegen das Etablissement, den Jesus, der mir Halt und Glück und Wohlbefinden gibt? „Und Jesus verbot ihnen streng, es jemand weiterzusagen“, als wolle er sagen: Hört auf mit dem Unfug. Und er fügte hinzu: „Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden, aber am dritten Tag wird er auferstehen.“ Das ist was ganz anderes. Der ehemalige Bischof von Limburg, Franz Kamphaus, hat einmal in einer Predigt gesagt: „An Karfreitag und Ostern vorbei greift das Bekenntnis zu Jesus ins Leere. Dann sollte man besser den Mund halten und sich nicht auf ihn berufen.“ Ist das ein attraktiver Jesus? Ein Jesus, bei dem es ums Kreuz geht? Um Selbstverleugnung und Kreuztragen?

 

3. Was erleben wir denn in unseren Tagen? Wir erleben einen Verlust des Glaubens und somit den Verlust Gottes als den, der allein mein Leben retten kann. Wo aber dieser Glaube und diese Hoffnung verlustig gehen, da fängt der Mensch an, sich selbst zu retten, ja, dann muss er sich selbst retten. Der Mensch hat Angst um sich selbst; er kreist dann um sich selbst; er will immer mehr und immer weiter. Er rafft und hält fest, weil er sich in der Anhäufung von Ehre und Macht, Kapital und Geld, die Rettung erhofft. Dann entstehen so Sätze wie: „Jeder ist sich selbst der Nächste. Hast du was, bist du was.“ Und täglich begleitet ihn die Frage: „Was habe ich davon?“ Wir können dann immer weniger anfangen mit Krankheit, Alter, Sterben, Tod. Die Leistungsgesellschaft erwartet den Menschen, der was leistet und der Mensch definiert sich über Leistung. So glaubt er, sein Leben zu retten; und doch beginnen einige zu ahnen, ob sie nicht ihr Leben genau deshalb verlieren?

 

4. Und da steht nun der Satz: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst.“ Das heißt doch: Glaube nicht, was man dir erzählt hat: Hast du was, bist du was. Hör auf, dich über die Leistung zu definieren. Verleugne die Stimmen in dir, die sagen, du müsstet dein Leben retten, denn du wirst dann zum Getriebenen. Wenn du von der Angst um dich selbst bestimmt bist, verleugne diese Sichtweise vom Leben. Verleugne dich, wenn du getrieben bist von dieser Angst. Sondern öffne dich für die neue Wirklichkeit Gottes. Du wirst dein Leben gewinnen, wenn du dich von deinen Ängsten um dich selbst befreist. Du wirst dein Leben gewinnen, wenn du aufhörst, nur um dich selbst zu kreisen. „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst“. Man kann es auch so formulieren: Wer mein Jünger sein will, der höre auf, sein Leben selbst retten zu wollen, sondern beginne, zu vertrauen, dass sein Leben schon gerettet ist.

 

5. Nämlich durch Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen. Dann schließt sich der Kreis. Denn die Rede von Christus als den Gekreuzigten und

     den Auferstandenen ist die Rede von der Erlösung und Rettung des Menschen. Und deshalb greifen alle Bilder von Jesus zu kurz, die sein Kreuz und seine

     Auferstehung ausklammern. Und vielleicht ist dann genau das die Botschaft, die wir den heutigen Menschen durchaus zumuten dürfen, denn insgeheim

     sehnt er sich nach Befreiung von allen Ängsten und um eine letzte Geborgenheit.

Franz Langstein

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