18.12.2016

Predigt am 4. Advent A17

Mt 1,18-24


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wir haben gerade einen Text gehört, den man durchaus auch als Zumutung empfinden kann; allein schon deshalb, weil wir Menschen sind, die sehr historisch denken und sich stark an Fakten orientieren. War das alles wirklich so, wie es hier steht? Oder nehmen wir einfach nur die Frage, wie man denn heute noch von Jungfrauengeburt sprechen könne? Oder nehmen wir das Verhalten des Josef. Ein orientalischer Mann der Antike: Seine mit ihm verlobte Frau, was damals schon so gut wie eine Ehe war, wird schwanger ohne dass er der Vater ist. Für damalige Verhältnisse bereits ein Vergehen, dass die Todesstrafe für die Frau nach sich zieht. Aber er zieht sich heimlich still und leise zurück. „Weil er gerecht war“, so heißt es. Geht es also gar nicht so sehr um den Josef, sondern schon hier um ein Beispiel und Vorbild jener Gerechtigkeit, wie sie später im selben Matthäus-Evangelium in der Bergpredigt aufleuchtet? Geht es also in dem Text gar nicht so sehr um die Historizität der Jungfrauengeburt oder der Art, wie sich Josef verhält? Geht es vielleicht vielmehr um eine religiöse Botschaft, die ganz Neues zum Ausdruck bringen will? Und dieses Neue wird sich im weiteren Verlauf des Evangeliums entfalten? Ist also dieser Text so eine Art Präludium der großen Themen des Matthäus-Evangeliums?

 

2. Und mir scheint, als stünde als eines der großen Themen hier im Zentrum die Botschaft des Engels an Josef. Der Engel zitiert aus dem Jesaja-Buch: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns“. Dieses „Gott ist mit uns“ ist eines der großen Themen. Es entfaltet sich im weiteren Verlauf. Immer wieder wir berichtet, wie die Menschen über Jesus staunen. Er ist einer, der mit Vollmacht spricht. In seinen Werken und in seinen Wundern kommt mehr zum Ausdruck als menschliche Fähigkeiten. Es wird etwas spürbar von diesem „Gott ist mit uns“. Es wird etwas spürbar von einem Einbruch des Göttlichen in unsere irdische Welt. Es wird etwas spürbar von einer jenseitigen Wirklichkeit, die unsere menschliche Wirklichkeit prägen will. Es wird etwas spürbar von der Nähe Gottes.

 

3. Aber diese Nähe ist nicht nur spürbar durch die Worte und Taten Jesu; diese Nähe wird eine ganz grundsätzliche – bis hin in Leid, Kreuz und Tod. Es geht am Ende gar nicht mehr darum, dass sich diese Nähe Gottes erweisen müsste in Taten und Wundern, am Ende wird diese Nähe sogar ausgesagt am Kreuz, im Leiden und Sterben. Hier kommt dieser Satz „Gott ist mit uns“ zur letzten Fülle. Es ist uns also in Christus ein Leben geschenkt, eine Fülle geschenkt, eine Ewigkeit und Herrlichkeit geschenkt, die göttliche Ewigkeit und Herrlichkeit ist. Ja, Gott selbst ist uns geschenkt. Da ist der Satz „Gott ist mit uns“ in tiefster Radikalität ausgesagt. Die Theologie spricht später von der „ungeschuldeten Gnade“, also reines Geschenk.

 

4. Und hier, ausgehend von diesem Verständnis von „Gott ist mit uns“, bekommt das heutige Evangelium einen tiefen Sinn. Dann ist nämlich der Begriff der „Jungfrauengeburt“ ein Begriff, der genau darauf hinweisen möchte: „Es ist in Maria eine Gottesnähe geschenkt, die reines Geschenk ist; die nicht von Menschen herstellbar ist; die nicht in der Macht des Mannes liegt.“ Josef hat hier nichts zu suchen. In dem Sinn, dass auch uns in dieser radikalen Form die Nähe Gottes zugesagt ist, sind auch wir sozusagen jungfräulich. Wir tragen ein göttliches Leben in uns, das Geschenk ist, ungeschuldete Gnade. So wird Maria für uns zum Urbild des erlösten Menschen. Und zweitens wird diese Botschaft von der Nähe Gottes auch das Verhalten des Menschen verändern. Josef lebt bereits diese neue Gerechtigkeit vor.

 

5. Ja, das heutige Evangelium ist wie eine Ouvertüre, die bereits die großen Themen des christlichen Glaubens zu Gehör bringt.

Franz Langstein

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