18.09.2016

Predigt am 25. Sonntag im Jahreskreis C16

Lk 16,1-13


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Heute geht es im Evangelium um etwas ganz Weltliches: Ums Geld. Und Jesus erzählt da ein ganz weltliches Gleichnis, voller Betrügereien und Gaunereien. Da wird von einem Verwalter berichtet, der in unverantwortlicher Weise das Geld seines Herrn verschwendet, ihn also betrügt. Und nachdem dieser Betrug aufgeflogen war und dem Verwalter die Entlassung droht, überlegt er schon den nächsten Betrug: Er wird die Schuldner seines Herrn einzeln zu sich rufen und ihnen einen erheblichen Teil der Schulden erlassen, damit er in ihrer Gunst steht und dann, wenn er auf der Straße sitzt, bei ihnen aufgenommen wird. Verschwendung – Hinterlist – Unehrlichkeit. Es wird etwas deutlich, wie es in der Welt des Geldes zugehen kann.

 

2. Das Geld ist ja oft ein Grund für schäbiges und unehrliches Verhalten. Geld ist oft Ursache von Streit, Hass und Gewalt. Wie viel Familien zerbrechen an Erbstreitigkeiten! Ganze Gesellschaften werden lahm gelegt, wenn mal wieder um des lieben Geldes willen gestreikt wird. Die einen wollen mehr, die anderen wollen nicht so viel geben. Man wird durch Ladendiebstahl zum Kleinkriminellen, weil man immer noch nicht genug hat oder durch Banküberfälle zum richtigen Kriminellen. Wie viel Hass und Gewalt wird durch das Geld ausgelöst. Im Norden Nigerias beutet ein Konzern die Ölreserven aus, ohne dass es den Menschen dort besser ginge, im Gegenteil: Hungerlöhne sorgen für satte Gewinne. Die Bevölkerung verarmt. Die Folge: Es entstehen Terrorbanden, die durch Geiselnahme Geld erpressen. Oft ist das Geld Ursache von großer Ungerechtigkeit, von Hass, Gewalt, Ausbeutung, Krieg. Ich denke, das wissen Sie, und das muss hier nicht weiter ausgeführt werden. In der Welt des Geldes geht es oft alles andere als gerecht und friedlich zu. Und es entstehen erbitterte Feindschaften.

 

3. Und da steht nun ein Satz Jesu, der genau vom Gegenteil spricht: „Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons“. Freunde machen mit Hilfe des Geldes; also Geld nicht als Ursache von Hass und Feindschaft, sondern Geld als Mittel für Freundschaft und Gemeinschaft. Man vermag sich das kaum vorzustellen: Wie sähe eine Welt aus, in der die Menschen das Geld ausschließlich dazu benutzten, um Freunde zu werden? Wie sähe ein Miteinander aus zwischen reichen und armen Ländern, wenn das Geld nicht die Ursache von Reichtum und Armut wäre, sondern der Grund eines friedlichen Miteinanders. Wie sähe der Umgang aus zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern? Sich Freunde machen statt Feinde? Wir können das uns gar nicht so recht vorstellen, dass eine Welt auch ganz anders aussehen könnte. Woran liegt das?

 

4. Es ist eben letztlich eine Frage der inneren Haltung. Immerhin: wir haben es irgendwie dahin gebracht, die Egoismen zu bändigen. Der jährliche Streit zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern ist nichts anderes als ein Ritual der Egoismen. Freilich: Dieses Ritual hat schon in gewisser Hinsicht auch für Wohlstand der Menschen gesorgt. Aber ginge es auch nicht anders? Jesus spielt auf diese andere innere Haltung an, wenn er sagt: „Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wir euch dann euer wahres Eigentum geben?“ Diese Gegenüberstellung von „fremdem Gut“ einerseits und „wahrem Eigentum“ andererseits betont etwas ganz Wesentliches.

 

5. Das Materielle, eben auch das Geld, ist ein fremdes Gut. Es verschönert zwar das Leben, aber es ist immer etwas, was außerhalb von mir ist, also in dieser Hinsicht fremd. Das „wahre Gut“, vom dem Jesus spricht, ist das, was mir ganz und gar eigen ist. Es ist mein Leben. An anderer Stelle sagt Jesus: „Was nutzt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt.“ Das ist eben die große Versuchung und Verwechslung, die der Mensch immer wieder unterliegt: Er glaubt, alles Glück und Heil und sein ganzes Leben hinge vom Materiellen ab. Schnell kann der Mammon zur lebensbestimmenden Maxime werden. Und eh er sich versieht, ist er zum Sklaven des Materiellen geworden. Es geht also um eine ganz radikale Relativierung des Materiellen. Es kommt nicht das Heil davon. Ihr könnt gelassener damit umgehen. Deshalb: Schafft euch Freunde mit dem ungerechten Mammon. Klartext: Gebt auch mal einen aus!

 

6. Es geht also zuerst um ein Umdenken. Und hier – muss ich sagen – hat doch der Glaube an Gott seinen Stachel und seinen Segen. Seinen Segen, weil der Glaube an Gott sagt uns immer wieder, dass er das höchste Ziel ist und dass alles Heil von ihm kommt. Und sein Stachel: Wer so etwas sagt und glaubt, relativiert schon von selbst das Materielle. Das Geld wird entgöttlicht. Wer aber Gott nicht hat, da ist die Gefahr groß, dass nun das Geld den Platz Gottes bekommt. Und dann erwartet der Mensch alles vom Geld. Deswegen schließt das eine das andere aus: „Ihr könnt nicht beiden dienen: Gott und dem Mammon.“

Franz Langstein

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