17.04.2016

Predigt am 4. Sonntag der Osterzeit C16

Joh 10,27-30

Die Hauptsätze in den Versen 27-28 sind mit „und“ zu verbinden

Liebe Schwestern und Brüder!

1. „Es gibt heute“, so stand es irgendwo geschrieben, „zwei Arten von Hirten: die einen interessieren sich für die Wolle, die anderen interessieren sich für das Fleisch. Für die Schafe interessiert sich niemand.“ Ein hartes Wort. Und doch steht hinter dem Wort eine Erfahrung, ja mitunter ein Lebensgefühl. Wir sind eingebettet in eine große Maschinerie, Leistungsgesellschaft genannt; der Erfolg zählt. Der Mensch wird danach bemessen, was er bringt; ähnlich wie ein Schaf, das seinen Wert dadurch steigert, wenn es viel Wolle abwirft und gutes Fleisch gibt. Der Mensch als Person gerät immer mehr aus dem Blick. Er wird vielmehr zum Kostenfaktor, deshalb muss man viel aus ihm herausholen. „Es gibt heute zwei Arten von Hirten: die einen interessieren sich für die Wolle, die anderen interessieren sich für das Fleisch. Für die Schafe interessiert sich niemand.“ Der Nutzen zählt, der Nutzwert ist gefragt. Der Mensch wird taxiert. Alte und jene, die nicht mehr viel leisten können, fühlen sich einsam, nutzlos. Sie liegen den Jungen auf der Tasche. Sie sind nicht mehr gemeint. Der Mensch ist nicht gemeint. Seine Leistung ist gemeint.


2. Es ist nicht überall so. Es gibt auch andere Beispiele. Dennoch muss man konstatieren, es gibt diese Hirtenmentalität, die sich nicht für das Schaf interessiert, sondern nur für seinen Nutzen. Ein Nutztier eben. Der Mensch ein Nutztier? Da gibt es die Frau, die unbedingt ein Kind will. Vater spielt keine Rolle; das geht ja heute alles auch künstlich. Man weiß nicht so richtig, ob nicht die Frau sich am Kind selbst verwirklichen will. Das Kind als Nutztier? Der Arbeitgeber, der sein Personal ausnutzt bis zum äußersten. Arbeiter als Nutztiere? Der Pfarrer, der seine Gemeinde braucht, um seine Macht auszukosten? Die Gemeinde als großer Stall von Nutztieren. Die Liste ließe sich fortsetzen. Und immer hat man das Gefühl: Der angebliche Hirte meint ja gar nicht mich; er will gar nicht mich, er will nur   e t w a s   von mir. „Es gibt heute zwei Arten von Hirten: die einen interessieren sich für die Wolle, die anderen interessieren sich für das Fleisch. Für die Schafe interessiert sich niemand.“


3. Wie anders dagegen das heutige Evangelium vom Guten Hirten Jesus. Lassen wir nur mal diese wunderbare Aneinanderreihung von Hauptsätzen auf uns wirken: „Meine Schafe hören auf meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir. Und ich gebe ihnen ewiges Leben und sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen“. Man hat das Gefühl: Das Johannes-Evangelium überschlägt sich förmlich in der Freude, darüber zu berichten, was uns von Gott her alles geschenkt ist: „Und ich gebe ihnen ewiges Leben und sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen“. Hier ist jemand, der nicht etwas von den Schafen will, nicht ihre Wolle, sondern hier ist jemand, der sich für die Schafe selbst interessiert, ja sie sogar reich beschenkt. Hier, bei Christus, fühlten sich die Menschen gemeint, ernst genommen. Jesus fragte nicht: „Was habe ich davon? Lohnt sich’s? Was springt dabei heraus?“ Es ging ihn nicht um sich selbst, es ging ihn um den Menschen; es geht ihn um uns. Er stärkte die Schwachen, heilte die Angeschlagenen und Aussätzigen. Er vergab den Sündern und ging den Verlorenen nach. Und am Ende gab er sich sogar selbst hin für die Seinen.


4. Deswegen kann Jesus sagen: „Meine Schafe hören auf meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir nach“. Hier spürt der Mensch: Hier ist jemand, der mich kennt, der um mich weiß, der versteht. Hier bin ich gemeint, und nicht etwas von mir. Der Gute Hirte liebt mich, weil ich bin, und nicht, weil ich was leiste. Seine Stimme ist so voller Verständnis und Güte. Die Menschen schöpfen Vertrauen und folgen ihm. Ihm kann ich vertrauen, ihm kann ich glauben, wenn er sagt: „Und ich gebe ihnen ewiges Leben und sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen“.


5. Unter diesen Gesichtspunkten des Vertrauens bekommen die Verse des Psalms 23 eine große Tiefe: „Der Herr ist mein Hirte. Nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. Er stillt mein Verlangen; er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir.“

Franz Langstein

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