17.01.2016

Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis C16

Joh 2,1-11


Liebe Schwestern und Brüder!

1. „So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn“. So heißt es am Ende des eben gehörten Evangeliums. Sein erstes Zeichen! Solchen ersten Zeichen kommt immer besondere Bedeutung zu. „Was wird er wohl als erstes machen?“ Wenn ein neuer Papst gewählt wird: „Was wird er wohl als erstes machen?“ Erste Zeichen haben richtungsweisenden Charakter. Und sie haben offenbarenden Charakter. „Was will er uns zeigen? Wie zeigt er sich?“ Erste Zeichen sind immer auch Offenbarung. „So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit.“ Und was ist das für ein wunderbares Zeichen. Er hätte gar kein schöneres Zeichen wählen können als eine überschwänglich gefeierte Hochzeit, die erst durch die Hilfe von Jesus zu diesem rauschenden Fest wurde.


2. Erste Zeichen haben also wegweisenden Charakter. Man kann das mit einer Ouvertüre einer Oper vergleichen. Die Ouvertüre beinhaltet bereits alles, was sich später im Lauf der Oper entfaltet: Die Melodien, die Dramaturgie, den Charakter der Oper usw. So beinhaltet dieses erste Zeichen alles, was das Leben und was die Sendung Jesu ausmacht. Dieses erste Zeichen ist eine wunderbare Ouvertüre des Lebens Jesu, eine Zusammenfassung des Kommenden und des zu Erhoffenden. Dieses erste Zeichen ist selbst voller Zeichen, voller Symbole. Sie alle wollen das Leben Jesu wie in einer Ouvertüre vorweg anklingen lassen.


3. Die Erzählung fängt ja gleich bilderreich an: „Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt.“ Am dritten Tag - das ist der Tag, an dem im Judentum geheiratet wird, also der Dienstag. Weil hier im Schöpfungsbericht zweimal gesagt wird: Gott sah, dass es gut war. So als ob Jesus bewusst den dritten Tag wählt und damit zum Ausdruck bringt: „Es wird alles gut; ja, es ist alles gut.“ Die Schöpfung ist noch nicht vollendet; sie wird aber in ihrer Vollendung gut sein. Dann haben wir das starke Bild der Hochzeit. Eine Vermählung. Das unsagbare Glück der Brautleute, einander gefunden zu haben. Der Augenblick, in dem die Liebe konkret wird im Ja-Wort, das da sagt: „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit dir durchs Leben zu gehen“. Sollte Gott Ähnliches auch zu uns sagen? „Ich, dein Gott, kann mir nichts Schöneres vorstellen, Dein Gott zu sein und als Dein Gott mit dir durchs Leben zu gehen?“ Ist das die Sendung Jesu, uns das klar zu machen? Und dann ist da das Zeichen der Wandlung: Wasser zu Wein. Im Glanz der Hochzeit wird Leben verwandelt. Aus den trüben Wassern des Lebens wird köstlicher, festlicher Wein. Sich ganz und gar geliebt wissend, verwandelt ein Leben. Und bei der Wandlung des Wassers zu Wein geht es nicht nur um die schier unglaubliche Menge, etwa 600 Liter, nein, es wird auch die besondere Qualität des Weines betont: „Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zuviel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“ Überfließende Fülle von ungeheurer Qualität. Verschwendung und grenzenlose Großzügigkeit. Es ist, als ob Gott sich selbst schenken wollte. Verschwenderisch, großzügig, ungeahnte Fülle, grenzenlose Hingabe. Es ist eben Hochzeit.


4. Was für eine Ouvertüre! Was für ein Auftakt! Was für ein erstes Zeichen! Wenn es schon so beginnt, was können wir dann noch alles erhoffen. Und was hat die Kirche manchmal daraus gemacht? Genau das Gegenteil: Ein knausriger Gott, einen geizigen Gott, einen beleidigten Gott, den man erst mal zu Kreuze kriechen müsse, damit er vielleicht etwas abgibt von seiner Gnade. Die Krise der Beichte, die heute manche nicht müde werden zu beklagen, hat genau etwas mit diesem knausrigen Gottesbild zu tun. Ein Gott, dem ich erst mal jede Kleinigkeit, besonders die Dinge des sechstes Gebotes zu sagen habe, mag zwar vergeben, aber er ist immer der, der zuerst mal registriert, buchhalterisch vermerkt. Wo wohltuend dieses erste Zeichen Jesu als Offenbarung seiner Herrlichkeit hier – auf der Hochzeit zu Kana.


5. Was für ein Fest. Am dritten Tag, alles ist gut. Hochzeit, Vermählung, Verwandlung des Lebens, Wasser zu Wein, Überfülle, außerordentliche Qualität. Was für Zeichen. Wegweisende Zeichen unseres Lebens. Und könnte man natürlich einwenden und sagen: „Ja, warum spüren wir so wenig davon? Warum ist unser eigenes Leben so wenig hochzeitlich? Warum spüren wir so wenig von der Fülle Gottes und von der tiefen Qualität des göttlichen Lebens in uns?“ Ich würde am liebsten antworten: „Ja, ist das so wichtig? Müssen wir das spüren? Muss ich immer fühlen, wer ich in der Tiefe meiner Existenz vor Gott bin? Das ist doch das Schöne am Christentum, dass meinem Leben eine Qualität, eine Fülle, eine Gottverbundenheit zugesagt ist, die unabhängig davon ist, ob ich es fühle oder nicht“. Und trotzdem: Wenn wir es nicht immer fühlen, dann feiern wir es, diese Fülle, diese Verschwendung Gottes, diese hochzeitliche Existenz unseres Lebens. Nämlich jetzt, in Zeichen: „Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind.“

Franz Langstein

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