15.05.2016

Predigt an Pfingsten C16



Liebe Schwestern und Brüder!

1.    Wenn wir heute das Pfingstfest feiern und dies, was man durchaus tun kann, als Geburtstag der Kirche feiern, dann tun wir das zu einer Zeit, in der es in unserem Kulturkreis um die Kirche nicht so gut bestellt ist. Allenthalben hört man vom Priestermangel, Kirchen werden geschlossen, Gemeinden zusammengelegt. Strukturelle Veränderungen werden als Neuerungen und Wege aus der Krise angepriesen, obwohl diese die Krise eher verschärfen.     Ich habe so manche Beerdigung, an der die Angehörigen eines Verstorbenen nicht einmal mehr das Vaterunser mitbeten können. Kinder, die zur Erstkommunion angemeldet werden, können noch nicht einmal das Kreuzzeichen, obwohl deren Eltern bei der Taufe versprochen haben, ihre Kinder im Glauben zu erziehen.   Wenn wir also in solcher Situation Pfingsten feiern, dann tut es gut, einmal genau auf dieses Ursprungsfest der Kirche zu blicken, sozusagen den Gründungsgeist neu zu wecken. Es ist nämlich durchaus ratsam, dass eine müde gewordene Gemeinschaft sich neu besinnen sollte auf den Gründungsgeist, um aus der Gründungserfahrung neue Ausrichtung und Hoffnung wiederzugewinnen. Dadurch kommt einer Gemeinschaft neue Energie zu, schwierige Zeiten zu meistern und neue Antworten auf die Probleme der Zeit zu finden.

 

2.    Was ist der Gründungsgeist? Nun ganz einfach – es ist der Heilige Geist. Was ist damit gemeint? Wir sagen ja manchmal: „Wes‘ Geistes Kind bist du?“ und meinen damit:   wie denkst du, was sind deine Absichten, von was bist du geprägt und beseelt?   Und dann kann man manchmal feststellen: Der hat einen guten Geist. Der denkt gut, handelt lauter, meint es ehrlich. Das ist viel, wenn man das von einem Menschen sagen kann. Es wäre aber zu wenig, wollte beschreiben, worum es an Pfingsten geht.

 

3.    Es geht eben nicht um einen „guten“ Geist, sondern um den „Heiligen“ Geist. „Wes‘ Geistes Kind bist du“, was hat dich also geprägt, von was stammst du ab, was beseelt dich – heißt also: Der Heilige Geist beseelt uns. Mit anderen Worten: Wir sind von einem Geist beseelt, der nicht einfach eine gute Qualität unseres Charakters ist und der uns in den Augen der Welt als gute Menschen erscheinen lässt, sondern wir sind von einem Geist beseelt, der von Gott stammt. Und genau diese Erfahrung, in die Feuersglut der Liebe Gottes gezogen zu sein, von ihr erfüllt zu sein, ist die Gründungserfahrung der Kirche. Das ist ihr Gründungsgeist. Es wohnt in uns ein Geist, der – weil heilig – von Gott abstammt und uns prägt und beseelt, ja verwandelt, dass wir sagen können: Wir sind wie Jesus Gottes Söhne und Töchter.

 

4.    Genau dieser Gründungsgeist hat Jesus erfüllt. Bei der Taufe Jesu im Jordan wird uns berichtet: „Als Jesus aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Heilige Geist auf ihn herabkam. Und eine Stimme vom Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden“. Das war die Inspiration Jesu – was für ein klares Wort: „Inspiration“. Der Geist in uns, der bewegt, der zum Aufbruch führt. Es ist der Initiationsgeist Jesu. Das ist die Gründungserfahrung für Jesus. Und jetzt beginnt er seinen Weg zu gehen.

 

5.    Und genau das Gleiche erfahren nun seine Jünger. Der Heilige Geist kommt auf sie herab. Die Gründungserfahrung Jesu wird zur Gründungserfahrung seiner Kirche. Und so wie Jesus in der Kraft dieser Erfahrung seinen Weg gegangen ist, so werden nun die Jünger in der Kraft dieser Erfahrung ihren Weg gehen. Kirche wird werden. Es ist gut, sich heute an Pfingsten auf diesen Gründungsgeist, auf diese Gründungserfahrung zu besinnen.

 

6.   Was heißt das nun für eine Gemeinschaft, die diese Gründungserfahrung neu in sich lebendig werden lässt, damit sie aus der Kraft dieser Erfahrung heute mutig und visionär voranschreiten kann? Im eben gehörten Abschnitt des Johannes-Evangeliums steht da so eine kleine Notiz: Der Auferstandene sagt zu seinen Jüngern: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“. Also: Wie ich aus der Gründungserfahrung bei der Taufe am Jordan meinen Lebensweg gegangen bin, so sollt auch ihr in derselben Gründungserfahrung eure Leben leben. Und dann haucht Jesus sie an und sagt: „Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ Ich will gar nicht hören, was da heute wieder an manchen Orten gepredigt wird: Jesus habe den Jüngern hier die Beichtvollmacht übertragen. So ein Blödsinn! Erstens gab es zu dieser Zeit überhaupt noch keine Beichte, die gibt es erst etwa 100 Jahre später und zweitens gab es noch keine Beichtstühle. Nein, was Jesus hier tut, heißt: Wie ich am Jordan bei der Taufe erfahren habe, dass ich Gottes geliebter Sohn bin, so sollt auch ihr aus dieser Erfahrung leben und diese Erfahrung von der Liebe Gottes weitergeben. Ihr sollt Versöhnung zwischen Gott und Mensch und den Menschen untereinander bringen. Dafür empfangt den Heiligen Geist, den Geist der Versöhnung und der Liebe, den Geist, der Gott allein eigen ist und der aus Gott stammt.

 

7.   Erinnern wir uns heute an diesen Geist. An diesen Gründungsgeist. Kehren wir zurück zu der Gründungserfahrung der Kirchengründer, damit wir für heute neue Ausrichtung, neue Klarheit, neuen Mut, neue Kraft für notwendige Schritte erhalten.

Franz Langstein

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