13.03.2016

Predigt am 5. Fastensonntag C16

MISEREOR-SONNTAG


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Ich habe mal vor Jahren auf einer Spruchkarte den Satz gelesen: „Vergebung ist das Zauberwort, das das Tor in die Zukunft öffnet“. Wie sehr dieser Satz zutrifft, das haben wir selbst sicherlich schon erfahren.


2. Das heutige Evangelium zeigt es auf dramatische Weise. Eine Frau wurde beim Ehebruch von ein paar Männern auf frischer Tat ertappt. Wie die Männer das geschafft haben, da kann sich jeder denken, was er will. Egal: die Zukunft dieser Frau war zerstört. Ihr Leben war verwirkt. Das Gesetz will es so: „Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen“. Jesus gelingt es, diesen Männern klar zu machen, dass sie zwar vom Gesetz her diese Frau steinigen dürfen, aber moralisch nicht das Recht haben, dies zu tun: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Und einer nach dem anderen wandert bedröppelt ab. Die Ältesten zuerst. Und Jesus vergibt dieser Frau und schenkt ihr somit Zukunft. Vergebung und Versöhnung schenken Zukunft; alles andere zerstört Zukunft.


3. Und was im Kleinen gilt, also im zwischenmenschlichen Bereich, das gilt auch im Großen. Zwischen Nationen und Völkern. Denken wir an die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Konrad Adenauer und Charles de Gaulles: zwei Ausnahmegestalten, die das Unmögliche, diese alte Feindschaft mit den vielen Kriegen, ermöglicht haben. Aussöhnung aus christlichem Geist heraus. Das eröffnete Zukunft für beide Völker. Ich denke, ich sage da nichts Verkehrtes, wenn man feststellt, dass diese Aussöhnung angestoßen war durch das christliche Denken dieser Politiker. Animiert vom Beispiel Jesu und der christlichen Botschaft. Man besteht nicht auf Recht und Gesetz, auf Rache und Entschädigung. Man wagt den Sprung in die Versöhnung und öffnet somit den Weg in die Zukunft.


4. Dieser Geist der Versöhnung war besonders nach dem Krieg in vielen Teilen der Kirche auch spürbar. Verschiedene kirchliche Gruppierungen und Initiativen haben darauf hingewirkt, dass gerade die Christen eine große Verantwortung haben, auf Versöhnung hinzuwirken. Ja, dies ist der christliche Botschaft innewohnend, denn die christliche Botschaft lässt sich auf die Kurzformel bringen: Versöhnung mit Gott und Versöhnung mit den Menschen. So hat 1958 auf der Fuldaer Bisschofskonferenz Kardinal Frings eine Rede gehalten über das Schriftwort: „Ich habe mit Mitleid mit dem Volk, auf lateinisch“. „Misereor super turbam“. Und da war das Wort „Misereor“ gefallen als Grundstock für die Entstehung des Hilfswerks MISEREOR. Eine Initiative der Katholiken Deutschlands im Dienst der Hilfe für Notleidende und somit im Dienst einer weltweiten Aussöhnung, die nur möglich ist durch Schaffung von Gerechtigkeit.


5. Ich denke, wir müssen das immer wieder auch für uns verinnerlichen. Versöhnung im Dienst der Gerechtigkeit ist kein Luxus, den wir uns leisten, ist nichts Nebensächliches nach dem Motto: Gottesdienst ist das Wichtigste, sondern dieser Dienst der Versöhnung ist das Proprium des Christentums. Und es ist gut, dass wir diese großen Hilfswerke haben, die viel effektiver diesem Dienst nachkommen können. Und dass diese Effektivität auch von uns abhängt, muss hier nicht eigens vertieft werden.


6. Heute ist das Land Brasilien im Blick. Ein Land voller sozialer Gegensätze. Oft sind es skrupellose Großgrundbesitzer und mächtige Konzerne, die Regenwälder abholzen, jetzt neuerdings einen gigantischen Staudamm bauen, so dass die Ureinwohner vertrieben werden, ihres Bodens beraubt werden, fruchtbares Land verloren geht. Hier engagiert sich MISEREOR um den Unterdrückten eine Stimme zu geben, Hilfe anzubieten und Zukunft zu sichern. Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Für mich ist MISEREOR das Aushängeschild unserer Kirche. Da wird nicht von Versöhnung geredet, sondern konkret umgesetzt in Taten.


7. Kommen wir auf den Anfang zurück. „Versöhnung ist das Zauberwort, das das Tor in die Zukunft öffnet“. In diesen Dienst sind wir als Christen hineingestellt, uns selbst wie auch den uns Anvertrauten und den Menschen, Zukunft zu öffnen.

Franz Langstein

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(nicht während der hessischen Schulferien)
Dienstag 8.30 h immer der letzte Dienstag im Monat


Morgengebet mit anschließendem Frühstück im Kirchensälchen (aktuell findet der Gottesdienst aufgrund von Corona nicht statt!).
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