11.12.2016

Predigt am 3. Advent A17

Mt 11,2-11


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Da ist ein Mensch – geboren in Israel – vor 2000 Jahren, zu einer Zeit, als nach vielen Jahrhunderten der Unterdrückung im Land eine sehnsuchtsvolle Messiaserwartung sich ausgebildet hat. Er, der von den Propheten verheißene Retter, müsse doch endlich und bald kommen. Diese Messiaserwartung war in diesem Menschen wir in einem Brennglas fokussiert. In ihm brannte die Gewissheit, dass der Retter nahe ist. Bei solch einer Gewissheit verrücken sich die Maßstäbe. Was wichtig zu sein scheint, wird unwichtig. Angesichts der kommenden Begegnung mit dem Gottgesandten verblassen die irdischen Lichter. Johannes zieht in die Wüste hinaus. Er scheint ihm der einzig angemessene Ort zu sein, um sich ganz auf die Ankunft des Retters vorzubereiten, und nicht nur sich vorzubereiten, sondern auch die Scharen, die zu ihm hinausziehen. Und ihnen hat er unmissverständlich gesagt: „Kehrt um, denn das Himmelreich ist nahe“. Davon ist er zutiefst überzeugt. Sein ganzes Leben ist von dieser Überzeugung geprägt. Er lebt radikal in der Erwartung des kommenden Himmelreiches. Nur die Wüste scheint ihm dafür der angemessene Ort zu sein.

 

2. Und dann, ja dann sind selbst wir Leser oder Hörer des Evangeliums leicht verstört, wenn es heute heißt: „In jener Zeit hörte Johannes im Gefängnis von den Taten Christi“. Im Gefängnis – nicht das Himmelreich ist nahe, sondern der Kerker und damit die ständige Angst, hingerichtet zu werden, wann immer sich die Kerkertüren öffnen. Da hat er sich radikal auf das Kommen des Himmelreiches vorbereitet – gekommen ist der Kerker. Was wird Menschen manchmal zugemutet! Wie kann Glaube auf die Probe gestellt werden! Wie sehr kann Glaube in Zweifel gezogen werden, nicht unbedingt durch Kritik von außen, sondern durch eigene Lebenswege und Schicksalspfade.

 

3. „Da schickte er seine Jünger zu ihm und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?“ Das ist dann die Frage, die durch alle Jahrhunderte gerade von gläubigen Menschen immer wieder gestellt wird. Der Nichtglaubende hat die Frage nicht, weil er die Sehnsucht nach dem Himmelreich nicht kennt und somit auch die Enttäuschung dieser Sehnsucht nicht kennt. „Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten“. Bei Johannes kann man förmlich noch einen Nachsatz mithören: „Oder habe ich umsonst in der Wüste gelebt, mich umsonst in der Wüste vorbereitet, umsonst all die Entbehrungen auf mich genommen?“ Es ist irgendwie eine Tragik, dass der, der aus der größten Gewissheit der Messiasankunft nun sich seiner Sache nicht mehr sicher ist. So, wie er im Kerker sitzt, kann doch nicht das Himmelreich gemeint sein. „Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“

 

4. Und da gibt Jesus den von Johannes gesandten Boten eine Antwort: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht.“ Das ist interessant! Jesus sagt nicht einfach: „Ich bin es. Ihr müsst nicht auf einen anderen warten“, sondern er sagt: „Berichtet, was ihr hört und seht.“ Denn einfach zu sagen: Ich bin es, das wäre zu wenig. Das haben damals viele behauptet. Nein, berichtet, was ihr hört und seht. Die Taten, die Christus vollbringt, sind Erweis dafür, dass er es ist.

 

5. „Was ihr hört und seht“. Vielleicht kann es selbst immer wieder auch mal gut tun, sich in stiller Stunde oder in einem Kirchenraum sich hinzusetzen und das eigene Leben zu bedenken: Wo habe ich in meinem Leben vernommen, dass Gott da ist? Dass er mich zärtlich berührt hat? Dass ein Stück Himmelreich auch bei mir da war? Und sich vorzustellen, wie sehr dieses mein Leben von Gott geliebt und wertgeschätzt ist.“ Berichtet dem Johannes, was ihr hört und seht.

 

6. Und doch ist gerade im Advent noch auf etwas anderes hinzuweisen. Advent ist die Zeit der Erwartung, nicht der Erfüllung. Es ist die Zeit des „Noch-nicht“. Und damit ist es die Zeit des Vertrauens, dass da über unserem Leben Verheißungen ausgesprochen sind, deren Erfüllung wir noch harren. Und was das heißen kann, genau dafür steht Johannes der Täufer im heutigen Evangelium. Er, der wie kaum ein anderer, sein ganzes Leben auf das Kommen des Himmelreiches ausgerichtet hat, er muss im Kerker lernen, was heißt: Zu warten, auszuharren, und zu vertrauen.

 

7. In der zweiten Lesung aus dem Jakobusbrief haben wir gehört: „Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig.“ Diese Passage hat Johannes Brahms in seinem Requiem unheimlich trostvoll und vertrauensselig vertont. Hören wir da mal am Schluss rein.

 

Musikeinblendung:

Johannes Brahms: Requiem. 2. Teil   3’34 rein; 4’53 raus

Franz Langstein

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