10.02.2016

Predigt am Aschermittwoch C16



Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir nachher nach vorne kommen, um uns das Kreuz aus Asche auflegen zu lassen, und wenn wir dann den Satz hören: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“, dann bekommt genau dieser Satz heute aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse eine ganz andere Bedeutung. Der Satz: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“ erzählt uns heute eine spannende Geschichte über uns selbst. Wer sind wir? Woraus sind wir? Eine wirklich spannende Geschichte, die ich erzählen möchte.


2. Die Geschichte fängt ganz früh an. Vor mehreren Milliarden Jahren. Aber sie spielt sich auch heute noch ab. Sie wiederholt sich ständig. Wir blicken in den Weltraum und sehen unvorstellbar große Staubwolken. Aus Gas und fester Materie. Sie treiben durch den Weltraum. Irgendwann verdichten sie sich unter ihrer eigenen Schwerkraft. Es bilden sich Klumpen. Diese werden immer dichter und immer heißer; plötzlich, wenn eine bestimmte Dichte und Hitze erreicht ist, verschmelzen die Atomkerne. Es beginnt die Kernfusion. Der Staubklumpen fängt an unter großer Hitze zu glühen. Ein Stern ist geboren. Ein Stern ist nichts anderes als ein Kernfusionreaktor. Auch unsere Sonne. Sie ist ja ein Stern. Nun bilden sich durch diese Kernfusion, also Atomkernverschmelzung die Elemente. Aus dem ersten und einfachsten Element Wasserstoff wird Helium, dann Lithium usw. Wie es weitergeht haben wir in der Schule gelernt (Beryllium, Bor, Kohlenstoff…) In ganz besonders großen Sternen geht das immer so weiter, bis hin zum Eisen. Dann explodiert so ein Stern in einer gigantischen Nova oder Supernova. Die zerfetzten Reste des Sterns werden in den Weltraum geschleudert. Das heißt: die im Stern gewordenen chemischen Elemente werden in den Weltraum geschleudert. Als Staubwolke. Und so driften Staubwolken des zerfetzten Sterns durch den Weltraum. Sie verbinden sich mit dem interstellaren Gas. Und nach vielen Millionen Jahren hat sich wieder eine gigantische Staubwolke gebildet. Und wieder verklumpt sie sich, bis diese Klumpen so dicht und heiß sind, dass erneut eine Kernfusion gezündet wird. Und wieder werden die Elemente gebacken vom Wasserstoff bis hin – bei großen Sternen – zum Eisen. Aber dieses Mal hatte der Stern nicht nur Wasserstoff, sondern auch Helium, Kohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Eisen aus seinem Vorgängerstern. Der Stern nächster Generation hat also bereits die höheren Elemente. Wenn ein Stern entsteht, wird nicht der ganze Staub aufgebraucht. Teile des Staubs verklumpen zwar, werden aber nicht so dicht und heiß. Es entsteht keine Kernfusion. Diese Staubklumpen zünden also nicht. Das sind die Planeten. Und diese Planeten haben nun auch in sich die Elemente, die ein Vorgängerstern hat entstehen lassen. Unsere Erde hat Eisen, Sauerstoff, Kohlenstoff usw. Und das deshalb, weil es vor unserer Sonne bereits ein Stern gab, in dem diese Elemente durch Kernfusion gebacken wurden. Die Elemente, die wir zum Leben brauchen, waren einmal Sternenstaub und sind aus Sternenstaub entstanden. Und so hat die Erde die nötigen Elemente, damit Leben entstehen kann. Ich atme Sauerstoffmoleküle ein, Stickstoff, Kohlenstoff. Ich brauche das zum Leben. In meinem Körper befinden sich Eisenatome. Mit anderen Worten: Wir atmen z.B. Stickstoffmoleküle ein, die viel älter sind als unsere Sonne. In meinem Körper gibt es Eisenatome, die viel älter sind als die Sonne.


3. Ich bin aus Sternenstaub. „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“. Warum erzähle ich das so ausführlich? Weil es sehr spannend ist. Aber auch, weil wir da etwas ableiten können für unser Bewusstsein. Wir alle sind aus Sternenstaub. Wir alle sind aus demselben Material. Wir alle leben von den Elementen dieser Erde, die im kosmischen Staub erzeugt wurden. Nein, wir sind Elemente dieser Erde. Jedes Atom unseres Körpers ist aus Sternstaub entstanden. Das haben wir alle gemeinsam. Ich atme pro Atemzug mehrere Millionen Sauerstoffmoleküle ein. Und ich atme sie wieder aus. In der Luft schwirren so viele Sauerstoffmoleküle rum, die Abermillionen von Menschen bereits eingeatmet haben. Und auch Jesus eingeatmet hat. Mein Körper hat Kohlenstoffatome, von denen einige ganz berühmten Personen gehört haben. Ein ständiger Austausch lebenswichtiger Elemente. Kurz wir leben von diesem gemeinsamen Austausch. Wir leben von einem gemeinsamen Ursprung. Sternenstaub. Wir bilden eine kosmische Einheit. Und wenn wir uns mal zutiefst vor Augen halten, dass wir auf der materiellen Ebene ganz eins sind, dann könnte uns ganz neu verständlich werden, wenn wir im Glauben sagen: Der Mensch muss sein „Ego“, seine Ich-Sucht, loswerden. Er muss sich verlieren, um sich zu gewinnen.


4. Denn dieses Ego ist ein Irrtum. Es suggeriert dem Menschen, dass er ganz allein auf sich gestellt, unabhängig aus sich existiert. Das Ego trennt den Menschen vom Gesamtzusammenhang des Seins. Das Ego macht den Menschen zum Subjekt, und alles andere wird zum Objekt. Und vielleicht kann auch genau dieser Gedanke ein Impuls sein für die Fastenzeit, in der es ja genau darum geht, dieses Ego hinten anzustellen. Ich glaube, dass genau dieser Satz: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“, unter kosmischen Gesichtspunkten ganz neu verstanden werden kann als eine tiefe Wahrheit, die besagt, wie sehr wir alle aus einem gemeinsamen Ursprung kommen und aus demselben Material in einem ständigen Austausch leben. Es geht also um ein neues Bewusstsein der Einheit. Es geht um ein Ende der alten Trennung: Ich, das Subjekt. Der Rest: Unabhängig von mir Objekt meines Zugriffs.


5. Gott hat alles aus Einem gemacht. Alles hat einen gemeinsamen Ursprung. Wir leben aus diesem gemeinsamen Ursprung. Wir leben vom ständigen Austausch dieser ursprünglich in Sternenstaub gewordenen Elemente. Wir sind eine Einheit. Und wir kehren wieder zurück zum Sternenstaub. Meine chemischen Elemente, Sauerstoff, Eisenatome usw. werden vielleicht in 15 Millionen Jahren in einem anderen Stern glühen, lange, nachdem unsere Sonne erloschen ist. Und so ist Gott der Schöpfer, von dem alles ausgeht und zu dem alles zurückkehrt. Für einige wenige Jahrzehnte durfte ich von den Elementen leben, die Millionen von Jahren bereits existieren; und dankbar, davon gelebt zu haben, kehre ich heim zu Schöpfer meines Lebens. Was für eine spannende Geschichte, die mir bei so einen einfachen und alten Satz gekommen ist: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zu Staub zurückkehren wirst“.

Franz Langstein

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