07.02.2016

Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis C16

Lk 5,1-11


Liebe Schwestern und Brüder!

1. Wenn wir dieses Evangelium hören und es unter einem besonderen Aspekt einmal hören wollen, nämlich unter dem Aspekt „schicksalhafte Begegnung“, dann kann man dieses Evangelium tatsächlich hören mit einer gewissen Ergriffenheit. Hier kommt er zu einer schicksalhaften Begegnung zwischen Jesus und Petrus. Noch ganz zart, scheinbar absichtslos. Jesus steigt in das Boot des Petrus, um auf den See hinauszufahren, weil er von dort aus besser zu den Menschen sprechen kann, die ihn hören wollen. Hier, am Ufer des Sees Genezareth. In der vertrauten Heimat des Petrus. Er wird wohl in dem Augenblick nicht geahnt haben, wie sehr die Tatsache, dass Jesus ausgerechnet in sein Boot einsteigt, sein Leben verändern würde. Diese schicksalhafte Begegnung ist der Grund, warum wir Petrus, den einfachen und ehrlichen Fischer vom See Genezareth wenige Jahrzehnte später in Rom findet, der Hauptstadt der damaligen Welt, wo er wegen seines Bekenntnisses zu Jesus hingerichtet wird - und nochmals einige Jahrhunderte später über seinem Grab eine gewaltige Kirche, der Petersdom, erbaut wird. Wenn man das vor Augen hat, und man liest im heutigen Evangelium die Stelle: „Da sah Jesus zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte.“ Das war’s. Das war der Anfang des Petersdomes. Wahrlich eine schicksalhafte Begegnung.


2. Was wird Petrus später gedacht haben? Er weiß ja, wie sehr diese Begegnung sein Leben völlig verändert hat. Hat er hin und wieder diese Begegnung bereut? Wäre er lieber Fischer am See Genezareth geblieben? Hat er vielleicht auch hin und wieder gedacht: „Was wäre, wenn Jesus nicht in mein Boot gestiegen wäre?“ Wir kennen solche Fragen ja auch aus unserem eigenen Leben, in denen es vielleicht auch zu schicksalhaften Begegnungen oder Ereignissen gekommen sein mag: „Was wäre, wenn ich diesen Menschen nicht getroffen hätte? Was wäre, wenn dies oder jenes sich so nicht ereignet hätte?“ Es ist in der Tat ergreifend, wenn wir das bedenken, wie dieser einfache Fischer vom See Genezareth dadurch, dass Jesus in sein Boot stieg, eines Tages in der Hauptstadt der damaligen Welt, in Rom, zu finden sein wird.


3. Ja, und da sind wir eigentlich schon mitten drin in dem, was uns heute alle drei Texte sagen können. Denn diese Texte weisen Gemeinsamkeiten auf. Es geht um eine Begegnung Gottes mit dem Menschen, um ein Begnadetwerden des Menschen von Gott her, es geht um die Erfahrung eigener Unwürdigkeit und es geht um eine Veränderung des Lebens. In der ersten Lesung hörten wir vom Propheten Jesaja, der in einer großen Vision den Herrn sah, der auf einem „hohen und erhabenen Thron saß“. Und im gleichen Augenblick dieser Vision fühlt sich Jesaja ganz klein und unwürdig: „Weh mir, ich bin verloren.“ Und trotzdem wird Jesaja sagen: „Herr, hier bin ich, sende mich“. In der zweiten Lesung schreibt Paulus an die Korinther, dass auch ihm, wie den anderen Aposteln, Jesus erschienen ist: „Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als letztem von allen erschien er auch mir“. Und auch Paulus bekennt die seine Unwürdigkeit angesichts dieser Begegnung: „Ich bin der geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe.“ Und trotzdem wird Paulus sagen: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin… Mehr als alle habe ich mich abgemüht.“ Und im Evangelium ganz ähnlich: Jesus steigt in das Boot des Petrus. Auf Geheiß Jesu fährt Petrus hinaus auf den See, um zu fischen, und Petrus fängt so viele Fische, dass man das wirklich als Wunder bezeichnen kann. Und auch Petrus bekennt: „Herr, geh weg von mir, denn ich bin ein Sünder“. Und trotzdem wird auch Petrus alles verlassen und Jesus nachfolgen. Die drei Texte weisen eine dreifache Gemeinsamkeit auf: Erfahrung des Göttlichen als Gnade - Bewusstsein der eigenen Unwürdigkeit - Kraft zur Sendung und zum Handeln und zu einem verwandelten Leben.


4. Kommen wir wieder zurück zum Thema: schicksalhafte Begegnungen. Ich meine, bei den allermeisten von uns wird es ja nicht so gewesen sein, wie hier in den drei Lesungen, dass man direkt mit Gott in einer tiefen Ergriffenheit in Kontakt geraten ist. Leben, auch religiöses Leben, spielt sich viel alltäglicher und wenig spektakulär ab. Und dennoch aber gibt es in fast jedem Leben Begegnungen und Ereignisse, die Leben beeinflusst, wenn nicht sogar verändert haben. Ich kann von mir sagen, dass ich bestimmt nicht Pfarrer geworden wäre, wenn ich in meinem Leben zwei/drei bestimmten Menschen nicht begegnet wäre. Und manchmal denke ich rückblickend – wie vielleicht auch Petrus: Was wäre, wenn ich an diesem Tag nicht genau jenem Menschen begegnet wäre. Wäre ich vielleicht dann doch Lokführer geworden? Was wäre, wenn Jesus nicht ausgerechnet in das Boot des Petrus gestiegen wäre? Wäre er Fischer geblieben? Und dann, wenn man sich diese schicksalhaften Begegnungen und Ereignisse vor Augen hält, die Leben geprägt haben, vielleicht schafft man es, darin tatsächlich auch wie Paulus sagen zu können: „Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin“. Und dass dann dieses Bewusstsein, begnadet zu sein, zur eigenen Demut führt. Und dass diese Demut wiederum dazu führt, dass man darauf vertrauen kann, dass das eigene Leben gut ist, angenommen ist, und dass genau deshalb der Fischfang Sinn macht, auch am Tag, und das Netz voller Fische ist, weil einfach das eigene Leben als so sinnvoll und begnadet erfahren wird. Ja, vielleicht kann man das zusammenfassend so sagen: Dass auch Jesus in manchen Situationen unseres Lebens, die wir gar nicht immer kennen müssen, ausgerechnet unser Boot bestiegen hat, und dass das unser Leben so wertvoll, so begnadet macht, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass unser Leben auch für die Ewigkeit viele Früchte bringt. „Fahr hinaus auf den See! Und sie fingen eine so große Menge von Fischen, dass ihre Netze zu reißen drohten.“

Franz Langstein

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